Groundhopping

Norwich City – Hull City (14.10.17)

Auf einer der zahlreichen Maschinen, die jeweils zum Wochenende hin den Flughafen Zürich in Richtung London verlassen, fanden auch ich und meine Freundin Platz. Während sie am Samstag eine dort sesshafte Kollegin treffen sollte, stand für mich eine rund zweistündige Zugfahrt an. Das Ziel stellte mit Norwich die grösste Stadt in der Grafschaft Norfolk dar. Im Osten des Landes gelegen, fristet die seit dem Mittelalter relevante Siedlung nicht nur auf der Landkarte ein ziemlich abgeschiedenes Dasein. Endlose Weiten und grosse Schafweiden prägen das Landschaftsbild. Ein Lichtblick für viele der rund 200’000 Einwohner bildet da der lokale Fussballverein. Momentan vertreten im Mittelfeld der englischen Zweitliga, zeigte die Mannschaft jüngst einige starke Auftritte, sodass vermehrt wieder mit den Aufstiegsrängen geliebäugelt werden darf. Dafür waren gegen die auswärtsschwachen Akteure von Hull City jedoch zwingend drei weitere Punkte von Nöten. Im Kader der Canaries finden sich neben dem Schweizer Verteidiger Timm Klose auch ein deutscher Trainer sowie weitere Spieler mit germanischem Hintergrund. Den Übernamen in Anlehnung an den Kanarienvogel bekam Norwich City übrigens wegen der grün-gelben Trikots und Vereinsfarben.

Die Heimstätte mit dem Namen Carrow Road liegt unweit vom Bahnhof an der „Koblenz Avenue“, die an die deutsche Partnerstadt erinnert. Den Weg zum All-Seater findet der Fussgänger entweder durchs triste Industriegebiet oder durch eine Art Essmeile. Angelegt für Fans, finden sich bereits vor Anpfiff viele Leute in derer unmittelbarer Umgebung ein. Mit dem Spielbeginn füllt sich das Stadion mit 25’666 Zuschauer, wobei der Anteil an Gästefans für englische Verhältnisse vergleichsweise tief war. Neben der sportlichen Situation der Tigers führt auch die eher kleine Fangemeinde zu diesen Umständen. Der Favorit diktierte wie erwartet von Beginn an das Spielgeschehen, scheiterte aber entweder am Aluminium oder dem eigenen Unvermögen. Und wie der Fussball so ist, waren es die Gäste aus Hull, die mit einem schnellen Konter Erfolg hatten. Damit war die Heimmannschaft sichtlich bedient und vor dem Seitenwechsel zu keiner Reaktion mehr fähig.

Im zweiten Abschnitt das selbe Bild auf dem Rasen, wobei sich die Gäste durch eine rote Karte selbst dezimierten und damit die Chancen für Norwich erhöhten. Diese traten nun trotz Überzahl äusserst lust- und ideenlos auf, sodass der Ausgleichstreffer in der 95. Minute zum 1:1 Schlussstand doch eher überraschend zustande kam. Über das ganze Spiel hinweg hatte die Elf von Trainer Daniel Farke sicherlich mehr vom Spiel, verpasste es allerdings, die Sache vorzeitig zu entscheiden und muss sich mit dem glücklichen Absatztor von Joker Oliveira zufrieden geben.

Mit einem wunderschönen Sonnenuntergang ging es vom ländlichen Norwich wieder zurück ins urbane London. Insgeheim hatte ich mir von diesem Nachmittag trotz allem doch etwas mehr erhofft.

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20. Oktober 2017