Groundhopping

PAOK Saloniki – Panathinaikos Athen (10.12.17)

Spontaneität muss wohl überlegt sein. Mit dieser lapidaren Äusserung eines italienischer Schriftstellers kann der Kurzbesuch beim Klassiker in Griechenland passend eingeleitet werden. Denn nach dem Abgleichen der Spielpläne für Sonntag und dem Flugplan ab Berlin Schönfeld, sass ich plötzlich frühmorgens in den engen Sitzreihen von Ryanair unterwegs in Richtung Südosten. Cedric hingegen riefen die Verpflichtungen, sodass er nach dem gestrigen Besuch bei Eisern Union bereits den Heimweg anzutreten hatte.

Während in den westlichen Gefilden beim Laufen unter den Schuhen der Schnee knirscht, wärmt hier noch die Sonne und die Hafenstadt grüsst mit blauem Himmel und bestechendem Blick auf den Olymp. Mit einer knappen Million Einwohner ist das nördlich in der Region Makedonien gelegene Thessaloniki, kurz auch Saloniki genannt, die zweitgrösste Stadt des Landes. Trotz wenig Sehenswürdigkeiten haben es dennoch vier Bilder in die Galerie am Beitragsende geschafft.

Eine Karte für die Haupttribüne konnte, genauso wie eine Wohnung im Stadtzentrum, bequem online geordert werden. Bei einem Hostel in der Nähe fragte ich am späten Nachmittag nach einer passenden Busverbindung zum Toumba-Stadion und bekam neben der Auskunft (Nummer 14) noch ein gehörige Portion „Take care“ mit auf den Weg. An der Bushaltestelle waren bereits einige schwarze Gestalten zugegen. Die dunklen Clubfarben lassen die Anhänger gleich nochmals ein bisschen furchteinflössender aussehen, auch wenn die wenigsten den Modulen aus Polen von der Postur her konkurrieren. Daher liess ich die ersten beiden Busse in Richtung Stadion passieren, da ich die aus den Fenster hängenden Fans der aktiven Fanszene zuschrieb. Spätestens jedoch, als sich das Schauspiel auch bei den folgenden Bussen wiederholte und die Zeit langsam drängte, drängelte sich auch meine Wenigkeit in einen der überfüllten Busse. In den kommenden zwanzig Minuten wurde artig mitgesungen und gesprungen, alles um auch ja nicht aufzufallen. Meine Vorsicht sah sich ausbezahlt, als ein schweigender Passagier an einer Haltestelle kurz vor dem Stadion unsanft aus dem Bus gestossen wurde.

Rund um das Stadion dominierte bereits der Geruch nach Gyros. Vorbei an der Heimkurve setzte ich meinen Weg weiter zur Haupttribüne fort. Beeindruckend die Köpfe, welche sich hier an den Klapptischen sitzend dem Kartenspiel und ihrem Bier widmeten. Wie in Griechenland üblich, finden die Risikospiele stets ohne Gästeanhänger statt, wobei beim grössten Duell des Landes natürlich keine Ausnahme gemacht wird. Dennoch waren die Umstände für meinen 35. Länderpunkt mehr als angebracht. Bis zum Anpfiff füllte sich das Stadion mit 26’140 Zuschauer, ehe mit dem bekannten Einklatschen zum Vereinsnamen für den ersten Gänsehaut-Moment gesorgt war. Zum Intro hatten sich die Heimfans eine Aktion unter dem Motto „No Pyro, No Party“ ausgedacht. Dementsprechend hell leuchtete der griechische Nachthimmel beim Einlauf der beiden Mannschaften. Während PAOK eine ansprechende Saison spielt, hinkt der Traditionalist aus der Hauptstadt den (hohen) Erwartungen grausam hinterher. Auch heute gab es beim 4:0 Heimsieg für Grün-Weiss rein gar nichts zu holen. Lediglich das Blenden durch lästige Laser könnte für diese Schmach als Teil der Ausrede dienen. Die Fans von Saloniki, welche übrigens auch auf der Gegentribüne das ganze Spiel über stehen, dankten der Mannschaft für ihre abgeklärte Leistung mit lautem Support und einer Strobo-Einlage im zweiten Durchgang.

Das Verkehrschaos kannte nach Spielschluss kaum Grenzen, sodass die ersten Kilometer zurück in Richtung Innenstadt zu Fuss bewältigt wurden, ehe auf einen Bus aufgesprungen werden konnte. Nach einer erholenden Nacht folgte am nächsten Mittag schliesslich der Rückflug ins süddeutsche Memmingen, von wo aus mich der Zug durch tief verschneite Winterlandschaften zurück in die Schweizer Heimat brachte.

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28. Dezember 2017