Ein bisschen stolz war ich schon auf mich. Ich hatte es tatsächlich wie die Indonesier gemacht und meinen Flug nach Makassar erst sehr kurzfristig gebucht, auch wenn die Spielpläne im südostasiatischen Inselstaat mittlerweile erstaunlich stabil sind. Selbst für die vierstündige Fahrt von Makassar der Küste entlang zum Spielort in Parepare und zurück hatte ich mir bis kurz vor der Abreise keine Gedanken gemacht. Tito würde mir dann schon aushelfen. Und tatsächlich organisierte mir das inoffizielle Oberhaupt der Anhängerschaft in Sleman in der PSM-Fanszene mit Jenar einen Kontakt, der am Flughafen in Makassar wartete und während des gesamten Aufenthalts dem «Gast der Brigata Curva Sud» zur Seite stand.

Dieser hatte an der Fight Night in Sleman im Sparring gestanden und war deshalb einigen Leuten aus den Fankreisen von PSS bekannt. Jenar sprach gut Englisch und kannte gar einige deutsche Wörter, zumal er das halbe Jahr über in der Küche eines Kreuzfahrtschiffes in Europa arbeitet. Stationiert ist er in Deutschland, und tatsächlich war der gute Herr ähnlich pünktlich wie die Züge aus seiner Halbjahresheimat. So wurde am Spieltag aus der Abfahrtszeit um elf Uhr schliesslich kurz nach zwei, dennoch blieb mit dem Anpfiff am Abend Zeit genug für die rund 150 Kilometer, die auf der einzigen richtigen Strasse in rund vier Stunden zu bewerkstelligen sind. Auf der Rückbank des kleinen Autos nahmen drei weitere Fussballfans Platz, darunter auch einer von Semen Padang, den man für das heutige Gastspiel seines Teams mitnahm. Mit feinstem Britpop ging es so gegen Norden, vorbei an Reisfeldern und begleitet vom Vape-Geruch, den sie auch hier so inbrünstig inhalieren wie den Asthmaspray.

Kaum vorstellbar, hat man an jedes Heimspiel eine solche Reise zu bewältigen. Doch es ist Realität, erst recht, seit das nach dem ehemaligen Präsidenten Bacharuddin Jusuf Habibie benannte Stadion renoviert wurde und die einstige Heimat in der Hauptstadt Makassar abgebrochen und nie wieder aufgebaut wurde. So hat sich die 160’000-Einwohner-Stadt Parepare zum fussballerischen Zentrum Sulawesis gemausert.

Pünktlich zum Anpfiff setzt der in dieser Jahreszeit gängige Monsun ein, der die bereits triste Atmosphäre auf einen fast schon spöttischen Tiefpunkt senkt. PSM, zuletzt mit fünf Niederlagen, war noch 2023 Meister, hinkt derzeit den Erwartungen aber weit hinterher. Ein Platz im hinteren Tabellenmittelfeld ist für den «Juku Eja», den roten Fisch, deutlich zu wenig. Mit seinem durch die niederländische Kolonialherrschaft verliehenen Gründungsdatum 1915 gilt er als ältester Fussballklub des Landes und längst als Institution. Zum Duell zwischen dem 13. und dem 17. an einem Montagabend kamen schliesslich gerade einmal 1’035 Zuschauer, nebst der Distanz unter der Woche auch der sportlichen Bedeutungslosigkeit geschuldet. Diese verteilten sich zu allem Übel noch auf vier Stimmungskerne, wobei die kleine Schar schwarz gekleideter PSM-Fans hinter dem Tor beim 0:0 noch den besten Eindruck hinterliess. Für das bescheidene Remis gegen die Gäste aus Sumatra bekam die Mannschaft nach Abpfiff von Jenar und einigen anderen Fans auf dem Rasen noch ein paar saftige Worte mitgeteilt, ehe es für uns eher schleppend wieder zurück nach Makassar ging.

Deutlich reizvoller als der Spielbesuch ist die Natur auf Sulawesi. Nebst 16 Millionen Einwohnern beherbergt die Vulkaninsel zwischen Borneo im Westen und den Molukken im Osten auch viele unberührte Landschaften. Touristisch kaum erschlossen und wirtschaftlich eher vom Binnenhandel mit Seide geprägt, kann man etwa im Nationalpark Maros Pangkep rund um das Karstgebiet Rammang Rammang eine enorm vielfältige Flora und Fauna mit Mangroven, Makaken und Schmetterlingen bestaunen.