Groundhopping

Pully Football – Stade Nyonnais II (12.05.15)

Wie jeder Genosse meiner Gattung habe auch ich gewisse Ansprüche für einen Spielbesuch. Für die einen ist es ein gewisses Mindestniveau bezüglich der Spielklasse, dann gibt es solche die erst wenn aktiver Support vorhanden ist zufrieden sind und wiederum andere sind der berüchtigten Sektion Allesfahrer zuzuordnen. Ich sehe mich da keiner dieser drei exemplarischen Gruppen klar zugeordnet, schliesslich braucht es für einen Matchbesuch der mich zufriedenstellt lediglich eine Tribüne. Und wo Regeln sind gibt es bekanntlich auch Ausnahmen. Und der heutige Abend mit dem Besuch im Nachbardorf Pully stellt einen solchen Bruch im Regelbuch meiner Grundvoraussetzungen dar. Der dort vorhandene Sportplatz verfügt nämlich über keinen nennenswerten Ausbau. Jedoch, und jetzt kommt’s, liegt er wunderschön unter einer Zugbrücke am abfallenden Gelände hin zum Genfersee und ist alleine deshalb schon des Fotosujets wegen einen Besuch wert.

Und heute schien auch noch die Sonne, darum sollte die Brücke auf dem Foto gut zu sehen sein. Zudem wird in Pully oft auf die künstliche Unterlage ausgewichen, doch heute wurde für einmal auf natürlicher Unterlage gespielt. Des weiteren war vom Heimteam am heutigen Tage immerhin die erste Garde im Einsatz, wodurch trotz des Wochentages auch ein „anständiges“ Zuschaueraufkommen erwartet werden durfte. Abgerundet wird der Entscheid durch die Tatsache, dass ich durch den frühen Anpfiff der Partie nur den Beginn vom Champions-Aus der Bayern gegen die Rot-Blauen aus Barcelona verzichten muss.

Aufgrund jüngster Vorkommnisse heute einmal ganz auf den Zug als Transportmittel verzichtet und stattdessen das Sportzentrum Rochettaz mit dem Bus anvisiert. Leider verstrichen auch hier die Minuten zu schnell, sodass meine Umsteigeverbindung nicht mehr zu realisieren war und man die letzten zwei Kilometer zu Fuss gehen musste. Auf die ist glücklicherweise Verlass, wie auch Forrest Gump wohl sagen würde. Und so erreichte man doch noch rechtzeitig den Spielfeldrand, zu deren linker Hand die Brücke zu finden ist, während man auf der rechten Seite neben dem Kunstrasenplatz eine schöne Sicht auf den See hat. Zu sehen gab es ein Spiel der sechsten Spielklasse gegen die Zweitvertretung aus Nyon. Diese liegt relativ abgeschlagen am Tabellenende und erste Hoffnungen auf einen Punktgewinn wurden bereits in der Mitte der ersten Halbzeit zerschlagen, als das deutlich besser positionierte Heimteam vor 40 Zuschauer mit 1:0 in Führung ging. Dass es zur Pause aber immerhin Unentschieden stand war einem grob fahrlässigen Fehler in der Hintermannschaft der Gastgeber zu verdanken, die sich somit selbst um die Führung brachten.

Im zweiten Abschnitt kam es dann noch schlimmer für den eigentlichen Favoriten, als der wenig stilsichere Torwart der Hausherren einen ungefährlichen Schuss nicht festhalten konnte und der Gästestürmer Mehmet Begzadic prompt zur Führung des Tabellenletzten einschob. Dessen Namen findet Erwähnung hier, weil der Teufelskerl doch tatsächlich noch zwei Treffer nachlegte und so mit seinem lupenreinen Hattrick grossen Anteil am 1:4 Auswärtssieg hatte. Wer weiss, vielleicht bringt dieser unerwartete Sieg ja die Hoffnung zurück für die Gäste im Abstiegskampf.

Für den Rückweg war auf den kleinen Bus dann glücklicherweise Verlass, sodass man rechtzeitig vor dem Schirm sass und den Beginn von Ende der bayrischen Vorherrschaft im Fussball miterlebte. Hoffe ich zumindest.

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12. Mai 2015