Abseits

Quo vadis, mein geliebter FCSG?

Aufgrund der aktuellen Lage meines Herzensvereines sehe ich mich gezwungen, abseits des «Groundhoppingalltags» mit einigen Worten zu der momentan vorherrschenden Situation Stellung zu nehmen.

Seit Beginn der neuen Spielzeit ist der Tabellenkeller der Schweizer Super League wieder um einen alten Bekannten reicher. Der FC St. Gallen tummelt sich nun schon seit geschlagenen sieben Runden um den achten Tabellenplatz herum. Den beiden Siegen gegen die Zürcher Grasshoppers und den FC Luzern stehen fünf Niederlagen gegenüber. In diesem Quintett an verlorenen Spielen konnten die St. Galler gerade einmal elf Torschüsse verzeichnen. Kein Wunder, denn die Offensive der «Espen» lässt nun doch schon seit einiger Zeit zu wünschen übrig. Dazu kommen Transfers wie beispielsweise derjenige von Ersatztorwart Dejan Stojanovic, welche jeder vernünftigen Grundlage entbehren. Warum sollte ein Spieler, der seit einem halben Jahr ohne Verein dasteht und des Weiteren seit mehr als einem Jahr auf einen erneuten Einsatz zwischen den Pfosten wartet, einem Junioren aus dem doch so gelobten Vorzeigeprojekt FCO vorgezogen werden? «Der Wechsel folge zur Sicherheit aus der sich herausstellenden Personalnot auf der Torwartposition» wird kommuniziert. Folgerichtig also die Annahme, dass hier nur von einer temporären Vorsichtsmassnahme (im konkreten Falle sind es sechs Wochen Absenz) gesprochen wird. Wenn nun die Verantwortlichen der Meinung sind, dass bereits dieses Szenario unsere Jugend überfordert, stellt sich die Frage, wo denn Einsatz für die «Talente von Morgen» vorgesehen ist. Als sarkastisch veranlagte Person ist man nun wiederum geneigt an den FC Vaduz zu denken. Doch der Humor ist mittlerweile bei den meisten Anhängern (verständlicherweise) dem Unmut gewichen. Zu oft erhält der Fan das Gefühl, dass die Akteure auf dem Rasen nicht vollends für ihren Verein einstehen. Trotzdem kommen noch immer mehr als 10’000 Zuschauer ins Stadion, weil sie an den FCSG glauben. Ihn anfeuern. Die Spieler kämpfen sehen wollen. Zuletzt wurde dieses Motto im Heimspiel gegen Lugano sogar durch eine Choreografie auf den Stehrängen untermalt. Warum also abwarten, bis man am letzten Spieltag vielleicht weinerlich auf der grünen Unterlage sitzt und den verpassten Chancen nachtrauert. Wie heisst es doch so schön? Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Es fehlt an Leadertypen und für den in der Ostschweiz praktizierten Fussball typischen «Chrampfern». Der Abstieg wird jetzt und nicht am Saisonende besiegelt. Bei einem Blick auf die Tabelle sollten zumindest leise die Alarmglocken klingeln. Der Krösus FC Basel liegt mit 21 Punkten nun bereits 15 Zähler vor der Gallusstadt. Klar, die Basler stellen nicht unbedingt ein Gradmesser, trotzdem wäre es wichtig voranzublicken. Zumal man, apropos einundzwanzig, in den letzten 21 Spielen der Super League genau mickrige vier Mal als Sieger vom Platz ging. St. Gallen ist demnach berühmt für seine schwachen Rückrunden, doch wo führt dies hin, wenn nach nicht einmal einem Viertel der neuen Spielzeit bereits eine solche Lust- und Ideenlosigkeit bei den Akteuren verspürt wird? Am nächsten Dienstag steht nun das wegweisende Duell gegen den Tabellenletzten aus Thun an. Die schlechteste Offensive trifft auf die schlechteste Defensive. Immerhin kein Fernsehspiel würde hier der Zyniker wiederum wohl sagen. Doch es gilt ernst. Denn auswärts im Berner Oberland treffen die Grün-Weissen auf einen alten Bekannten. Ex-Trainer Jeff Saibene.

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16. September 2016