Groundhopping

RB Salzburg – SK Rapid Wien (01.08.15)

Heute nun also die erstmalige Begegnung zwischen dem Schweizer Hopperjüngling mit einem Hang zur fussballbedingten Romantik und dem gigantischem Plastikspielzeug von Unternehmer Dietrich Mateschitz. Wie ein Date. Ein Date mit einem Prototypen, quasi der ältesten Lieblingstochter einer steinreichen Familie mit vielen Kindern. Oder besser gesagt ein Spielbesuch wie kein anderer zuvor. Darum auch einmal ein „literarischer Selbstversuch“ eines Spielberichtes wie kein anderer zuvor. Nämlich in der Erzählform eines Dates. In der Hauptrolle wie bereits erwähnt, mein unverkennbares eigen als Zuschauer und stellvertretend für den SK Rapid Wien, sowie mein Gegenüber am heutigen Abend, die reiche Tochter eines österreichischen Industriemagnaten. RB Salzburg. Vorhang auf für eine nicht alltägliche Neuinszenierung. Hauptdarsteller der Autor selbst, Musik und Ton: Wolfgang Amadeus Mozart.

Möge man mir schwer zu deutende Sätze und Anspielungen in dieser Premiere verzeihen. Bei Fragen/Unklarheiten verweise ich auf die Kommentarfunktion am Beitragsende. Oder fragt euren Arzt oder Apotheker. 😉

Der Himmel über Wals-Siezenheim war beinahe wolkenlos, als man zu besagter Stunde per Taxi vor die Lokalität chauffiert wurde. Kurzer Blick auf die Uhr, gerade noch rechtzeitig. Kritisch wurde die auf einer Anhöhe gebauten Anlage begutachtet, man schlängelte sich durch abertausende Menschen der Marke Salieri, gab denjenigen, die mich zu irgendeinem Gewinnspiel eines Brausekonzerns überreden wollten eine forsche und abweisende Antwort und steuerte zielgerichtet auf den Eingang zu, stets mit dem einen Gedanken im Hinterkopf.

Ich habe es nicht vergessen, dass besagte Dame bereits einen guten Jungen von einem Tag auf den anderen in die Wüste geschickt und ausgeblendet hatte. Ich habe nicht vergessen, wie sie ihr altes Umfeld von einem Tag auf den anderen Tag für ein neues eingetauscht hatte.

Zurück zum Eingang, vor dem sich bereits eine Schlange bildete. Doch kein Wunder, denn die Lokalität war mit 17’500 Zuschauer gut gefüllt und nach kurzer Begutachtung durch den hiesigen Türsteher ging es hinein, leicht nervös Ausschau haltend. Meine Begleitung stand irgendwo im Nirgendwo. Es gab ein kurzes Hallo, wir setzten uns und schon bald umfassten meine Hände ein Salzburger Stiegl. Ein vertrautes Gefühl; ein Gefühl, das mich sofort entspannt. Mein Date wirkt schön, wenn auch für mich beinahe ein wenig zu perfekt. Nicht freizügig angezogen, im Gegenteil, ein Rollkragenpullover und somit gegen oben hin alles geschlossen.

Zu Beginn sowohl sie als auch ich mit vorsichtigem Abtasten, ehe beide etwas aus sich herauskommen und ich mich zu meiner eigenen Überraschung doch in recht souveräner Manier präsentiere. Ihr Auftreten hingegen verfehlt die gewünschte Wirkung. Vielleicht mag sie da einfach aufgrund der wenigen Erfahrung noch nicht mithalten. Denn mit Geld kann man nicht alles kaufen, wobei hier noch gesagt werden muss, dass sie wirklich viel davon hat und dementsprechend recht grosszügig mit den Preisen umgeht.

Vom Nebentisch an dringen ständig ätzende Geräusche herüber, die mich an die aufblasbaren Klatschpappen die man aus dem Stadion kennt, erinnern. Ich drehe genervt den Kopf ab und wende mich wieder meiner Begleitung zu. Sie kommt nun nach Startschwierigkeiten langsam in Fahrt erzählt flüssig und Dinge von sich, die durchaus zu gefallen wissen. Nach etwas mehr als Viertelstunde lande ich dann einen ersten Treffer, wobei sie zu stottern beginnt und aus dem Rhythmus fällt. Kaum jemand hätte es mir zugetraut, doch eine solche Chance lasse ich mir natürlich nicht entgehen.

Doch wider Erwarten wirkt sie von nun an etwas dominierender in unserem Gespräch und ist für eine stolze Dame sehr aktiv, wirklich zu mir durchdringen kann sie aber nicht, nein, dafür bin ich dank meiner langjährigen Erfahrung zu abgeklärt. Kurz bevor ich mich in Richtung Toilette verabschiede spreche ich noch einmal etwas an, was sie erneut aus der Rolle wirft. Diese Dame, welche doch anscheinend so perfekt ist. Mein zweiter Treffer. Ich stehe auf, während sie sich auf dem Mobiltelefon mit einem sinnfreien Spiel die Zeit bis zu meiner Rückkehr vertreibt.

Den zweiten Teil des Abends beginnt mit einem Funkeln in ihren Augen, als hätte sie ihre Hoffnung noch nicht aufgegeben, ein Funkeln, dass aber auf eine gewisse Art irgendwie künstlich wirkt. Mein Funkeln ist da hingegen echt, jedoch umgeben von einem dunklen Aura, vielleicht weil ich zu wenig geschlafen hatte. In der Folge übernimmt sie grosse Teile des Gespräches, stichelt immer wieder nach und drängt mich in die Defensive. Irgendwann entdeckt sie meinen schwachen Punkt und nutzt ihn prompt aus. Treffer für sie. 1:2. Ein junger Herr, sein Name lautet Dimitri Oberlin wenn ich mich nicht irre läuft zu der Zeit gerade zur Jukebox und lässt eine Münze lässig in den Schlitz rollen, wenig später ertönen die Toten Hosen, wobei ich jedoch durch das Stimmengewirr nur noch „was für Eltern muss man haben, um so verdorben zu sein“ klar verstehen konnte.

Mein Joker mag nicht zu stechen, so BERIChtete ich halt von anderen Sachen oder höre ihr zu. Obwohl sie sich nun sehr engagiert, merke ich, dass es zwischen uns nicht passt und bleibe daher eher passiv und reserviert. Die Verabschiedung zieht sich hin. Doch irgendwann ist Schluss. Eine weitere Niederlage für sie, wenn auch eine von überraschender Natur. Doch wer stets alles hatte, fällt auch einmal auf die Nase. Der Anblick gefällt mir, denn sie muss lernen. Auch ich musste damals lernen, hatte jedoch stets ein treues Umfeld. Dies kann sie von sich nach ihrem Wandel nicht behaupten.

Ich gebe zu, es gibt definitiv bessere beziehungsweise sachlichere Möglichkeiten, konstruktiv Kritik am Projekt Salzburg zu äussern. Doch was ich suchte war einerseits die literarische Herausforderung, bezüglich der Transferierung fussballerischer Aktivitäten in einen Fliesstext, andererseits die bewusste Abhebung von den diversen Platituden gegenüber dem Produkt.

Was man als Leser davon hält ist jedem selbst überlassen. Zufrieden mit dem Text bin ich selber nicht ganz. Im Gegenteil, ich zerbrach mir lange Zeit den Kopf, in welcher Variante ich den Besuch hier niederschreiben soll. Entschieden habe ich mich schlussendlich für Fassung drei. Irgendwann ist man eben einfach am Zeitpunkt angelangt, an dem man den Text selber nicht mehr anschauen kann.

Sicher ist jedoch, dass man hier und heute Leuten begegnete, die vergessen haben, für welche Werte sie, die Austria und auch Salzburg ursprünglich einmal eingestanden sind. Süchtig nach dem Erfolg hinterfragt man neuartige Projekte mit gewaltigen Ressourcen nicht mehr genug und verkauft sein eigen sogar als Werbefläche für einen Club, der lediglich die noch effizientere Vermarktung eines klebrigen Tauringetränks zum Ziel hat.

Am Tage darauf dann die Rückfahrt, zusammen mit vielen Bayern-Fans, die sich das Münchner Amateurderby gegen die Löwen anschauen wollten. Sicherlich eine nette Partie, die mit meiner Rückkehr in die Romandie aber nicht zu kombinieren gewesen werde. 10 Stunden Zugfahrt reicht. Doch ich komme wieder. Schliesslich hatte man noch eine Rechnung offen. Mitunter mit Burghausen und natürlich mit dem neuen/alten Stadion des einzigen Clubs der Stadt, nämlich der Salzburger Austria.

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1. August 2015