Groundhopping

RC Strasbourg – Fréjus-Saint-Raphaël (31.01.14)

Nach ein paar erholsamen Tagen in den Schweizer Bergen ging es am Freitagmorgen dann ziemlich früh in Richtung Frankreich. In Freiburg, wo ich bereits einmal vor etwas mehr als einem Monat zu Gast war, wurde ein Zwischenstopp eingelegt. Um die Mittagszeit hatten wir dann unser Tagesziel erreicht. Sightseeing ist in der doch schön daherkommenden Altstadt der elsässischen Grossstadt für Touristen sehr beliebt, trotzdem war der Andrang auf die Sehenswürdigkeiten noch in einem gemässigten Rahmen, da es sich um einen Wochentag handelt.

Strasbourg dient als Sitz diverser Europäischer Einrichtungen, eine der bekanntesten ist sicher der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Die Stadt wurde von dem römischen Feldherren Drusus im Jahre 12 vor Christus als militärischer Außenposten namens Silberburg gegründet. Im Mittelalter entwickelte sich Strasbourg oder auch Strassburg dann zu einer Freien Reichsstadt. Speziell an Strasbourg oder generell am Gebiet Elsass-Lothringen ist, dass es jeweils einige Zeit unter Französischer Herrschaft stand und dann später dem deutschen Reich angehörte. Heutzutage ist Strasbourg wieder französisch und gehört mit seinen knapp 275´000 Einwohnern zu einem beliebten Touristenziel nicht auch zuletzt dank dem alljährlichen Weihnachtsmarkt. Einige wenige interessieren sich auch für den Fussball, der hier in Strasbourg gespielt wird. Dazu gehörten auch wir.

Der Verein Racing Club de Strasbourg wurde im Jahre 1906, damals noch unter einem anderen Namen, gegründet. Man hatte mit diversen Problemen zu kämpfen, welche meist durch Landabtretungen somit geografisch bedingt waren. Strasbourg verbrachte bereits diverse Zeitstrecken in der obersten Liga Frankreichs, damals noch unter dem Namen „Division 1“ nun als „Ligue 1“ bekannt. Den grössten Erfolg konnten die Elsässer mit dem Gewinn der französischen Meisterschaft im Jahre 1979 verzeichnen. In den letzten Jahren erwischte es einem doch ziemlich hart und man wurde bis in die fünfte Liga Frankreichs durchgereicht. In den vergangenen Saisons hat man sich jedoch wieder ein bisschen gefangen und spielt nun in der „National“, der dritthöchsten Liga Frankreichs, wo man sich im hinteren Mittelfeld befindet. So trifft man am heutigen Spieltag auf Fréjus-Saint-Raphaël, ein kleiner Club aus der gleichnamigen Hafenstadt an der Côte d’Azur, dem es sportlich gesehen besser läuft und der zeitweilig auf Platz 5 zu finden ist.

Das Stade de la Meinau, in dem der Racing Club de Strasbourg seine Heimspiele austrägt, ist ziemlich gross und verfügt bis auf einen kleinen Ecken, der mit Stehplätzen und Wellenbrecher ausgerüstet ist, über 29´200 Sitzplätze. Dieses Kontingent kann der Verein in der dritten Liga jedoch nie und nimmer ausschöpfen und trotzdem sind an diesem Freitagabend 9521 Zuschauer in das im Süden der Stadt liegende Stadion gepilgert. Ein extrem hoher Wert wenn man bedenkt, dass es sich hier um kein Derby oder Schlagerspiel handelt. Der Grossteil dieser Zuschauer hat auf der Osttribüne, in dessen Ecken sich auch der Heimsektor befindet, Platz genommen. Während des Spiel gibt es doch ziemlich flotten Support aus der Heimkurve. Angeführt wird das Ganze von der Ultragruppierung UB90 (Ultra Boys 90) welche fest mit den Fans des deutschen Klubs Karlsruher SC befreundet ist, was sich auch an den Zaunfahnen zu erkennen lässt. Eine weitere Fanfreundschaft wird mit den Harlekins aus Berlin gepflegt, welche Anhänger der Hertha BSC sind. Diese Freundschaft lässt sich daraus erklären, dass bereits Karlsruhe fest mit den Fans alten Dame Deutschlands befreundet ist.

Auf dem Platz zeigten die auf dem Papier schwächeren Hausherren eine ansprechende Leistung. Trotzdem war das Niveau ziemlich bescheiden. Die ersten Minuten konnte man sich eigentlich schenken, da beide Teams relativ selten zu Chancen kamen. Ernsthaft gefährdet wurde das Gästetor dann erstmals in der 31. Minute durch Dimitri Lienard, dessen präzisen Kopfball jedoch dann unhaltbar zum 1:0 im Netz landete. Die Gäste waren bis zum Seitenwechsel höchstens so gefährlich und furchteinflössend wie die Schweizer Armee. Doch weit gefehlt, wer gedacht hat, dass die Südfranzosen in der 2. Halbzeit das Tor der Elsässer unter Dauerbeschuss nehmen würden. Sie blieben weiterhin erschreckend harmlos und so vergingen bis zum nächsten Aufreger mehr 25 Minuten. Wir sind also in der 70. Minute. Dieser Aufreger hatte es jedoch in sich. Ein Foulspiel der Gäste im eigenen Strafraum führte zu einem Penalty, den Benjamin Genghini sicher zum 2:0 verwandelte.

Die letzten 20 Minuten verbrachte die Heimmannschaft ruhig und wurde nur noch einige Male durch Konterangriffe gefährlich. Schlussendlich jedoch drei verdiente Punkte im Kampf um den Klassenerhalt gegen einen enttäuschenden Gegner aus dem Süden der ganz und gar ohne Fans hier zu Gast war.

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31. Januar 2014