Groundhopping

Rotherham United – Burton Albion (29.12.16)

Die diesjährige Geburtstags- respektive Neujahrstour beginnt mit einem Kick, der von mir das Prädikat „unattraktivste Zweitligapartie Englands“ verliehen bekommt. Einem geschenkten Gaul wird bekanntlich aber nicht ins Maul geschaut und so nehmen wir die Offerte mit dem Heimspiel des Tabellenletzten aus Rotherham am Anreisetag gerne an. Zwar war ich in der Geburtsstadt von Schiedsrichter Howard Webb bereits vor gut zwei Jahren auf Besuch, damals hatte es allerdings nur für einen kurzen Abstecher ins verlassene Millmoor-Stadion gereicht.

Am heutigen Tage sollte diese gravierende Lücke auf der britischen Stadionkarte also endlich gefüllt werden. Begleitet wurde ich dabei von diversen Leuten aus meinem kollegialen Umfeld. So wählten Adrian, Kai und Jonathan den gleichen Flug wie ich, während Lukas, Cedric und der Namensvetter Andrin erst am späteren Abend direkt nach Manchester fliegen würden. Der Auftakt blieb ihnen somit je nach Ansichtsweise entweder vorenthalten oder schlichtweg erspart. Das Reisequartett zu dem ich auch meine Wenigkeit zähle, traf sich frühmorgens am Bahnhof in der Gallusstadt, wo per Zug der Abflugsort in der Zürcher Peripherie anvisiert wurde.

Dort floss auf die Nachricht einer zweistündigen Verspätung wegen Nebels bald schon der erste Gerstensaft, welcher im Abgang jedoch noch etwas bitterer als gewünscht schmeckte, da nun unsere Zugverbindung in Richtung Manchester zeitlich arg auf der Kippe stand. Schliesslich passte es auf die Minute genau, Schwarzfahrt sowie übergangene Kontrollstellen in der U-Bahn inklusive. Die Zugreise vorbei an Stoke nach Manchester ohne weitere nennenswerte Szenen und auch der Bezug des Appartments in der Innenstadt von Manchester erfolgte wie gewünscht, sodass wir sorgenfrei mit „Carling Extra Cold“ bewaffnet den Zug bestiegen. Bis zum Umstieg in Sheffield lief weiterhin alles ohne Komplikationen, ehe Kai plötzlich feststellte, dass er seinen Turnbeutel (unter anderem mit meiner Kamera drin) in der Gepäckablage hatte liegenlassen. Und da im Königreich das Schienennetz privatisiert ist und beinahe jede Fahrt von einem anderen Operator durchgeführt wird, blieb nach einem erfolglosen Anruf beim mittlerweile geschlossenen Fundbüro nichts mehr anderes übrig, als auf den kommenden Tag zu warten. Die letzte Chance sahen wir nämlich darin, nach Cleethorpes, dem Endhalt des entsprechenden Zuges, anzurufen.

Dies also auch der Grund, weshalb es vom New York Stadium lediglich Fotos von der Handykamera gibt. Die Spielstätte mit dem ungewohnten Namen wurde im Jahre 2012 neu gebaut, steht direkt in Bahnhofsnähe und passt wie auch der Sponsorenname nicht wirklich in die Stadionlandschaft der Insel. Etwas mehr als zehntausend Leute finden in diesem geschlossenen All-Seater Platz, dessen einziges Markenzeichen eine zur Gegentribüne hin treppenartig abfallende Dachkonstruktion ist. Die Kapazität wurde bis auf den Gästesektor mit 9’806 Zuschauern dann auch gut ausgefüllt. Halt schon britisch, so als abgeschlagenes Schlusslicht noch immer die Hütte vollzukriegen. Wie besagt war der Gästebereich mit nur knapp achthundert Anhängern der Albions gefüllt. Beachtet man hierbei aber, dass sich Burton als kleiner Club ebenfalls arg in Abstiegsnot befindet und es sich um einen Donnerstagabend handelt, ist dies doch ganz in Ordnung.

Für uns gab es vor Anpfiff mit einem Chicken Balti Pie noch das typische Stadionessen Englands. Die anschliessende Begegnung sowie die Stimmung ziemlich dürftig, was wohl auch etwas mit dem Resultat zusammenhängte. Burton konnte sich nach Ablauf der 90 Minuten nämlich über einen 1:2 Auswärtssieg und drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt freuen. Auf dem Rückweg trafen wir mehr zufällig auf Ben, einem mir bekannten Groundhopper aus Bradford, mit dem man in Sheffield noch ein Bier trank und einige Worte wechselte. Anschliessend brachte uns der Zug gegen Mitternacht zurück nach Manchester, wo in der Unterkunft die andere Reisehälfte begrüssen werden durfte.

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9. Januar 2017