Groundhopping

RSC Anderlecht – KVC Westerlo (27.12.15)

Das Rekordjahr, gesehen im fussballerischen Sinne, sollte mit dem 128. Spiel in der belgischen Hauptstadt ein Ende nehmen, wobei man dafür gegen die Mittagszeit in Richtung Brüssel aufbrach. Die Stadt selbst war rund um den grossen Platz gut bevölkert und auch wir zwängten uns durch den Weihnachtsmarkt, der hier wohl etwas länger dauert als in den heimischen Gefilden. In der Folge gab es eine Zweiteilung, wobei ich mich der Gruppe der Kulturbanausen und Fussballfreunde anschloss.

Brüssel war meiner Wenigkeit ja bereits geläufig und für einen kleinen Abstecher zum Manneken Pis hatte es auch so noch gereicht, bevor die Bar geentert wurde. Fern vom Tageslicht wurde nun also die Zeit vertrieben, ehe ein Blick auf die Uhr uns bald schon aufbrechen liess. Der belgische Rekordmeister ist im gleichnamigen Stadtteil beheimatet und dominiert eigentlich seit Jahren die nationale Liga, ehe es nun langsam zur Wende kommt und vermehrt die Indianer aus Gent und der Club Brügge den Ligakrösus darstellen. Trotz allem kann sich der Royale Sportclub bei allen Heimspielen jeweils über eine hohe Auslastung des Stadions freuen, so auch heute gegen den Tabellenletzten aus dem Provinzstädtchen Westerlo.

Einzig die Unterstützung liess beim Gastgeber zu Wünschen übrig, da verteilt im ganzen Stadion drei Gruppierungen etwa gleich schlecht ihre Lieblinge anfeuern. Die 21’000 Zuschauer bekamen trotz der eigentlich klaren Ausgangslage ein enges Spiel zu sehen, welches das Heimteam nur durch ein Penaltytreffer von Abgänger Gillet knapp mit 2:1 für sich entscheiden konnten. Nach dem Tor war die Spannung dann aber draussen und mitunter auch der fehlenden Stimmung geschuldet, widmete man sich in der Folge etwas mehr dem Götternektar und avisierte damit quasi selbst zum Manneken Pis.

Nachdem der letzte Schiedsrichterpfiff im laufenden Jahre erklang, ging es per Metro zurück in die Innenstadt, wo unser Quartett noch bei einem Zwischenhalt in einer Spelunke in der Rekordzeit von einer knappen Viertelstunde insgesamt 12 Biere einer Art Degu-Platte geleert hatte. Da kann man ruhig auch mal stolz drauf sein. Am Abend wurde dann im bekannten Rahmen weitergemacht, wobei einigen Mitreisenden doch eine gewisse Affinität bezüglich der belgischen Biersorten nachgesagt werden kann. Zu viel wird es allerdings, wenn in den frühen Morgenstunden der eine noch immer Zeilen von Wind of Change lallend, welcher er Stunden zuvor in einer Karaokebar vortragen durfte, mit dem Pizzakarton auf der Treppe steht, während der hinter ihm postierte Kollege quasi in Zeitlupe von ebendieser fällt.

So wurde am Folgetag natürlich bei den meisten aufgrund der körperlichen Verfassung gut ausgeschlafen, während für mich und Marty noch kurz ein Besuch im schönen alten Stadion von Berchem Sport anstand. Am späten Abend ging es per Heimflug dann zurück in die Heimat und das Fussballjahr 2015 sollte damit bereits wieder Geschichte sein. Rückblickend waren die Highlights der Spiele aus den 17 Ländern sicherlich Marseille, Newcastle oder St. Étienne, wobei eigentlich jede Reise und Fussballpartie ihren gewissen Reiz hat.

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27. Dezember 2015