Groundhopping

SC Buochs – FC St. Gallen (11.03.15)

Die Schweiz ist so ziemlich das einzige Land Europas, indem es möglich ist, sich in der Liga auch als Fünftplatzierter in der Tabelle für die Ausscheidungsspiele auf europäischer Bühne zu qualifizieren. Trotzdem bringt es mein grün-weisser Herzensclub in der letzten Zeit fertig diese gute Ausgangslage durch spielerische Stimmungsschwankungen zu verspielen und das Ganze wird langsam zum Ding der Unmöglichkeit. So gilt es also mit dem „zweiten Joker“ zu stechen und der erfolgshungrigen Ostschweiz den Cupsieg und die damit verbundene Europa-League-Qualifikation zu schenken. In diesem Jahr steht man bereits im Viertelfinal und trifft im Nachholspiel auf das fünftklassige Buochs, ihrerseits das einzige verbleibende Team, welches im laufenden Wettbewerb noch ohne Gegentreffer blieb. Die Schweiz bleibt wohl auch das einzige Land, wo man im Cup-Viertelfinal auf so ein kleines Team treffen kann.

Höchste Zeit also diese gute Chance zu nutzen, denn der Sieger an diesem Mittwochabend sollte in einem Monat den Krösus FC Basel zuhause zum Halbfinal-Showdown empfangen. Dies wurde bereits ausgelost, da unsere Partie wie gesagt unter einer wettertechnischen Absage in der Vorwoche litt. Da dies aber erst am Spieltag entschieden wurde hatte ich eine Anreise in die Innerschweiz mitsamt Übernachtung bereits vollständig geplant und dementsprechend eine Unterkunft gebucht und so einmal mehr Geld sinnlos in den Sand gesetzt, da meine Unterkunft nicht stornierbar war. Naja was solls, nach dem gewohnten Ärgernis wurde also eine Alternative für die kommende Woche gesucht und später auch gefunden wobei ich im Nachhinein sagen muss, dass diese Spielabsagen gar nicht mal so schlecht war.

Denn am eigentlichen Datum besuchte man nun das Leman-Derby zwischen Lausanne und Servette praktisch vor der Haustüre und traf dabei noch Philip und seine Kompanie aus dem Breisgau, die auch aus fussballtechnischen Gründen an diesem Mittwochabend zugegen waren. Es gab dann einige nette Gespräche und die Niederlage gegen Frau Holle konnte schnell vergessen werden. Am darauffolgenden Mittwoch sollte es dann aber klappen und so musste man einmal mehr etwas der „hart erarbeiteten“ Überzeit entbehren, um rechtzeitig beim Treffpunkt in der Hauptstadt zu erscheinen. Dort warteten bereits Samuel und einer seiner Kumpel auf mich, kurze Zeit später stiess noch der Vierte im Bunde hinzu und man war komplett.

Dass es überhaupt zu dieser Konstellation hier kam war übrigens äusserst glücklich und so speziell dass man sagen kann, solche Geschichten schreibt eben nur der Fussball, auch wenn es hier eigentlich nicht um das Spiel an sich geht. Aber der Reihe nach: Als ich von der Spielverschiebung erfuhr machte ich mich auf die Suche einer neuen Unterkunft, wobei ich dabei eher etwas Billigeres finden wollte, da mein „Ausflugsbudget“ nach der Falschbuchung doch schon arg gebeutelt war. Somit entschied ich mich, ein preisgünstiges Nachtquarter in der Berner Altstadt über die medienpräsente Plattform Airbnb zu buchen, da man am nächsten Tag ja sowieso bereits wieder früh morgens bei der Arbeit in Lausanne anzutraben hatte. Die Übernachtung war nötig geworden, da es mit den öffentlichen Verkehrsmittel zu dieser späten Stunde nicht mehr bis zurück an den Genfer See gereicht hätte.

Wie bei Airbnb üblich kam ich also nach der Buchung mit dem „Vermieter“ in Kontakt, wobei es sich herausstellte, dass er Giuliano heisst und in Bern studiert, ursprünglich aber aus St. Gallen stammt. Zu allem Überfluss war er auch noch St. Gallen Fan und wollte auch nach Buochs. Nach der Neuterminierung war er aber verhindert, konnte mir aber noch einen Platz im Auto von Samuel organisieren. Die drei Jungs sind Studienkollegen von ihm und stammen ursprünglich ebenfalls aus der Ostschweiz. Im späteren Gespräch stellte sich sogar heraus, dass sie aus einem mir bekannten Quartier kommen und man in etwa mit den gleichen Leuten verkehrte. Auch die gleichen Schulen hatte man besucht. Was für ein Zufall! Im Auto auf der etwa zweistündigen Fahrt über den Brünig in den Kanton Nidwalden war also für Gesprächsstoff gesorgt und die Fahrt war äusserst amüsant und kurzweilig und wurde lediglich durch einen Pinkel-Notfallhalt einer nicht näher bekannten Person unterbrochen. 😉

Vor Ort trennten sich unsere Wege dann, da ich noch ein Ticket besorgen musste und später zu meinen eigentlichen Kumpels stand, die direkt aus St. Gallen angereist sind. Da diese auf der Hinfahrt anscheinend ebenfalls mit dem Bierkonsum nicht geizten, entwickelte sich ein flotter und unterhaltsamer Abend. Auf dem Feld trug der FCSG zum Glück seinen Anteil dazu bei und gewann (meinerseits etwas überraschend) gegen den Underdog diskussionslos mit 0:5.

Auf dem Seefeld war mit 4’400 Zuschauern übrigens einen Platzrekord zu verzeichnen. Für den Besuch aus der Ostschweiz wurden für diese Partie extra noch zwei Stahlrohrtribünen aufgebaut. Allgemein mag der Sportplatz mit der kleinen Tribüne zu gefallen, schliesslich liegt er wunderschön direkt am Ufer des Vierwaldstättersee und manch ein Gästefan setzte sich während der Halbzeitpause ans Seeufer und genoss die Aussicht.

Nach Spielschluss traf man sich wieder mit Samuel und Co. und es ging zurück nach Bern, wobei ich froh war auf dem Rücksitz schlafen zu dürfen und heimchauffiert zu werden. Danke nochmals! Unweit von meiner Bleibe wurde ich ich ausgeladen und von Giuliano in Empfang genommen. Dieser verfügt über eine schön eingerichtete WG, die er mit zwei weiteren Studenten teilt. Für mich war ein kleines aber nettes Zimmer bestimmt und die Einladung von ihm, noch eine Runde FIFA zu spielen lehnte ich dankend ab und legte mich stattdessen kurz daraufhin schlafen. Am nächsten Morgen ging es bereits vor Sonnenaufgang wieder zurück in die Romandie und zur Arbeit, wobei ich an diesem Tag solange gearbeitet hatte wie noch nie, woraus sich schliessen lässt, dass man so Ausflüge definitiv wieder einmal machen kann.

Zum Schluss noch einen Ausblick auf die wichtige Partie am 8. April: Meiner Meinung nach ist mit einer starken Mannschaftsleistung und einem guten Support im Rücken vieles möglich. Basel liegt uns im Moment und ich hoffe doch schwer, die Euphorie wird die Grün-Weissen auf dem Platz in den heiss ersehnten Cupfinal tragen. Um es mit einem Satz aus einem „Fan-Chant“ auf den Punkt zu bringen: „Oh wie wäre das so schön…“

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11. März 2015