Tudo bem? Kurz nach der Rückkehr aus Montevideo steht ein weiterer Abstecher an. Ziel ist Porto Alegre, das Zentrum des Bundesstaates Rio Grande do Sul im äussersten Süden Brasiliens. Die Stadt mit etwas über einer Million Einwohnern liegt am Guaiba, einem seeähnlichen Mündungsgewässer, das einem Fluss gleicht. Nach Argentinien ist es von hier nicht weit – die Hauptstadt Buenos Aires liegt gar näher als Rio de Janeiro.
Der «fröhliche Hafen» ist geprägt von den kulturellen Spuren der Einwanderer, die im 19. Jahrhundert aus Deutschland, Italien und Spanien in die Region kamen. Diese Geschichte ist bis heute in Architektur, Küche und Kultur spürbar. Auch Internacional, einer der beiden grossen Klubs der Stadt, trägt diesen multikulturellen Hintergrund in seiner DNA. Er nennt sich deshalb auch Clube do Povo, «Verein des Volkes», und entstand 1909 als Gegenentwurf zu den elitäreren, etwa bei Grêmio vorherrschenden Strukturen.
Seine Heimspiele trägt Internacional im Beira-Rio aus. Das Stadion liegt direkt am Ufer des Guaiba und war Austragungsort der Weltmeisterschaft 2014. Das Dach des modernisierten Stadions ist so konstruiert, dass es an Palmblätter erinnern soll. Heute wirkt es überdimensioniert, auch wenn der 16. des Klassements mit Flamengo den Tabellenzweiten sowie grössten und beliebtesten Klub Brasiliens empfängt. Gegen den «FC Bayern» des Landes wird es trotz nicht voll besetzter Ränge laut – primär dank der Popular Sul, in der die Gruppen wie Camisa 12, Guarda Popular und Nacao Independente beheimatet sind.
Ungeachtet der langen Anreise, des Termins unter der Woche und rigiden Sicherheitsvorkehrungen wie dem Face Scan am Einlass haben sich auch rund 2500 Gästefans aus Rio de Janeiro eingefunden. Sie verfolgen die Partie über weite Strecken stehend, aber schweigend und sehen, wie «Colorado» – wie Internacional aufgrund seiner roten Vereinsfarbe genannt wird – die Führung erzielt und mehr vom Spiel hat. Erst nach dem Seitenwechsel vermag der Favorit den Druck zu erhöhen und den Ausgleich zu erzwingen. Dabei bleibt es bis zum Schlusspfiff. Für den Gastgeber stellt das 1:1 in einer sportlich anspruchsvollen Saison ein Achtungserfolg dar, was auch der aufmunternde Applaus der 18’359 Zuschauer unterstreicht.















