Groundhopping

Shabab Al Ordon – Al Salt (23.02.19)

Nach extrem eindrucksvollen und faszinierenden Ausflügen in die Felsenstadt von Petra und die Wüstenwildnis rund um das Wadi Rum stand am Samstag ein Doppler in der Hauptstadt Amman auf dem Programm. Bis in die Nachmittagsstunden hatten Flavio und ich die acht Kilometer Fussweg vom Hotel über die Altstadt bis zum Stadion, das nach König Abdullah II. benannt ist, hinter uns gebracht.

Dabei bekamen wir durch unsere ungewöhnliche Marschroute vor allem ärmliche Quartiere, in die sich sonst kein Tourist verirrt, zu Gesicht. Jede unbebaute Stelle wird in dieser überraschend steilen Gegend von Ziegen als Weideplatz genutzt. Dabei fällt es offenbar nicht nur den Tieren schwer, zwischen all dem Abfall und verdorrtem Boden noch grüne Grashalme zu entdecken. Mit ökologischen Prinzipien scheint sich in Jordanien definitiv niemand tiefgründiger auseinanderzusetzen.

An der Spielstätte angekommen, erwarben wir für drei Dinar (keine fünf Schweizer Franken) zwei Karten für die Gegentribüne, schliesslich sollte die überdachte Haupttribüne auf den Bildern zu sehen sein. Die dafür notwendige Kamera fand den Weg ins Innern allerdings erst nach langer Diskussion und dem Versprechen, sie auf keinen Fall zu benutzen.

Im Innern nervte ich mich im Gespräch mit Flavio über die mediale Neurose, unter der im Nahen Osten doch einige Vertreter zu leiden scheinen. Meine Stimmlage und die fremde Sprache machte unseren Sitznachbarn auf uns aufmerksam und es entwickelte sich ein Gespräch. Sumos und Saddam (er selbst nannte verschmitzt seinen bekannten Namensvetter bei der erneuten Nachfrage nach dem Vornamen) waren zwei Fussballfans aus Salt. Wir sind also im Gästeblock gelandet, was jedoch nicht weiter schlimm war – im Gegenteil, man lud uns gar zum Tee ein und erzählte viel Interessantes. So zum Beispiel, dass der Capo soeben die zahlreicht mitgereisten Al-Salt-Fan gebeten hatte, während dem Spiel doch bitte auf Fluchwörter zu verzichten; schliesslich zahle der Verein eine allfällige Strafe für verbale Entgleisungen selbst. Saddam versuchte uns weiter die Regel bezüglich ausländischen Spielern im Kader zu erläutern und stellte sich dabei als geografisches Genie heraus, als er nach langem Nachdenken die einzigen beiden dunkelhäutigen Akteure eindeutig dem Herkunftsland „Afrika“ zuzuordnen wusste.

Wie bereits beim ersten Spiel „kümmern“ sich wiederum unverhältnismässig viele Polizisten um die anwesende Fanschar. Von den rund 400 Zuschauern drückt der Grossteil den Gästen die Daumen und unterstützt und sie lautstark. Dennoch geht das Spiel mit einem 1:0 Heimsieg leider zuungunsten von Al Salt aus, die uns mittlerweile als Fans adoptiert hatten. Ja Sumos lud uns gar zu sich nach Hause ein und wollte uns bekochen, da er sich laut eigenen Aussagen nach der kleinen Tortur am Einlass besonders gegenüber mir dazu verpflichtet fühlte, etwas für das Image von Jordanien zu tun.

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13. März 2019