Groundhopping

Southend United – Bury FC (18.12.15)

Passende Flüge, ein weihnachtliches Alternativprogramm sowie die Möglichkeit einige Kumpels zu sehen waren ausschlaggebende Aspekte, die mich zu einem letzten Insel-Aufenthalt im Jahre 2015 bewegten. Bei einer dreitägigen Tour stand neben dem Eröffnungsspiel am Freitagabend in Southend unter anderem die Premier-League-Partie von Chelsea und zum Abschluss ein kleines Derby mit meinen „Mates“ in den Midlands um Walsall auf dem Plan.

Das Konzept der Billigfluggesellschaften ist es bekanntlich, möglichst tiefe Flugpreise anzubieten, was wiederum durch leichtere Sitze mit weniger Beinfreiheit erreicht wird. Hauptsächlich spart man aber, indem alternative Flughäfen angesteuert werden. So wird dem Kunden zum Beispiel die Strecke Genf – London verkauft und man findet sich entweder in Gatwick, Luton oder Southend wieder. Diese Städte liegen zwar im Umkreis von London, sind aber immer noch gut eine Stunde vom Zentrum entfernt. So auch der Fall bei meiner heutigen Verbindung von EasyJet nach London Southend. Für knapp dreissig Franken wurde ich allerdings, im Gegensatz zu den meisten der restlichen Passagiere, genau an den Ort chauffiert, den ich zu besuchen plante. Der Flug zurück in die Calvinstadt ebenfalls zum Schnäppchenpreis, diesmal allerdings ab Birmingham am Sonntagabend. Passt also perfekt.

Während man zur Mittagsstunde die Arbeit niederlegte und sich auf den Weg machte, meldete sich der Flight Tracker der EasyJet-App zu Wort, dass mein Flug mehr als eine Stunde verspätet sei. Natürlich ärgerlich, so blieb aber immerhin noch die Möglichkeit in Genf auszusteigen und mich zu verpflegen. Im Anschluss daran wurde der Flughafen schliesslich für einmal ohne Stress angepeilt. Und was sah man da voller Schrecken nach der Sicherheitskontrolle? Last Call für London Southend! Also schnell mal die Füsse in die Hände genommen und intuitiv in die Richtung der Insel-Flüge gerannt, durch die Passkontrolle gehetzt und es gerade noch mit Glück auf den Blechvogel geschafft. Nix da mit Verspätung und eine ärgerliche Ente der App. Das hätte mir jetzt wirklich den letzten Nerv geraubt. Damit dies dennoch geschieht, sorgte ein Pärchen, dem Dialekt zu urteilen aus dem verhassten Zürich, welches eine Reihe hinter mir Platz nahm und den ganzen Flug über abwechselnd jegliche Absturzszenarien oder über Sehenswürdigkeiten in London diskutierte. Elendige Pauschaltouristen! 😉

Dank dem zeitigen Abflug erreichte man Southend nun also doch noch überpünktlich und per Taxi ging es zur Unterkunft. Dabei hatte man vorab wieder einmal auf die bekannte Plattform AirBnB zurückgegriffen, da Hotels für eine Nacht deutlich zu viel kosteten. Somit war also Diane meine Gastgeberin. Diese wohnte fünf Minuten vom Bahnhof entfernt, an welchem am nächsten Morgen der Zug in Richtung London abfahren sollte, was für die Wahl meinerseits ausschlaggebend war. Kaum angeklopft begrüssten mich auch schon ihre stürmisch aber sehr friedliebenden Hunde. Nach einer kurzen Verschnaufpause und etwas Small Talk inklusive der obligaten Frage ihrerseits (You really came here because of football?) verabschiedete ich mich in Richtung Innenstadt.

Da der Verein nur in der dritten Liga spielt könnte man meinen, dass es sich bei Southend-on-Sea um ein kleines Städtchen an der Themsemündung handelt. Dies ist aber nicht so, die Stadt hat gut 175’000 Einwohner und gilt als Mittelpunkt der Region. Sie vermag dann auch mit einem langen Strandabschnitt und einer schönen High Street begünstigt durch das weihnächtliche Flair zu gefallen. Kurz setzte ich mich noch an die Nordsee, ehe der obligate Gang ins Wettbüro anstand, um auf einen Heimsieg für Southend zu wetten.

Irgendwann machte ich mich auf zur Roots Hall, da ich mich noch mit „Artgenosse“ Peter Miles treffen wollte. Dieser Herr ist der Southend-Fan schlechthin und geht mit seinem SUFC seit Lebzeiten durch, wie er es ausdrückt, dünn und dünner. Unter anderem war er auch für das kurze Resümee zur Clubgeschichte auf der Vereinswebsite zuständig. Damit waren interessante Gespräche quasi garantiert, während man im Club-Pub genüsslich am Lieblingsbier (Carling Extra Cold) schlürfte. Peter zeigte sich ab meinem Fachwissen zum englischen Fussball ziemlich beeindruckt und wusste dieses durch diverse unterhaltsame Erzählungen noch zu ergänzen. Unmittelbar vor Anpfiff holte ich am Collection Desk kurz meine Eintrittskarte ab, ehe es vorbei an der alten Clubpub mit dem originellen Namen „Far Post Bar“ zur Gegentribüne ging. Auch hier zeigt sich durch alte Wellblechunterstände und mit Moos überwachsene Tribünenmauern das einzigartige Flair englischer Stadien.

Die sympathische Old-School-Stimmung blieb auch im Innern erhalten, als ich mich unweit der Heimfans in den Stuhl zwängte und mich über deren durchgehenden Support freuen durfte. England kommt langsam wieder, ich fühle mich bezüglich dieser These also bestätigt. Die Hausherren trugen ebenfalls ihren Teil zu einem perfekten Fussballabend bei und spielten die Gäste aus Bury beim 4:1 Sieg teilweise regelrecht an die Wand. Hat wohl nicht nur mir sondern auch den restlichen der 6’127 Zuschauern Spass gemacht. Lediglich die knappe Hundertschaft an mitgereisten Bury-Lads wären wohl besser Weihnachtseinkäufe tätigen gegangen, wie auch die Southend Fans humorvoll verlauten liessen.

Das war eine Reise zurück in die guten alten Zeiten von England. McDonalds könnte es nicht besser ausdrücken, I’m lovin it.

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18. Dezember 2015