Groundhopping

Stoke City – Southampton FC (18.04.15)

Nach dem Besuch in Wolverhampton nun also wieder per Zug zurück in Richtung Stoke, welches nach etwas mehr als einer halben Stunde Fahrt pünktlich erreicht wurde. Um trotzdem auf Nummer sicher zu gehen und um zumindest hier ja keine Minute zu verpassen hatten wir uns aber bereits im Voraus auf ein Taxi geeinigt, welches uns gewohnt billig an den „Stadtrand“ chauffierte, wo das noch junge Stadion der Potters ziemlich einsam in der Gegend rumsteht. Rundherum aber schon reges Treiben und auch wir mischten uns unter die Rot-Weissen. Zuerst mussten wir allerdings noch unsere hinterlegten Tickets abholen was wider Erwarten aber bereits beim ersten Schalter überraschend schnell und problemlos klappte. Danach trennten sich die Wege unserer Reisegruppe erstmals, da wir zwei Karten für die alleinstehende Tribüne auf der auch die Saints-Anhänger standen hatten, während sich Mirko einen Eckplatz gegenüber von uns ausgesucht hatte. Die beiden Eintrittsberechtigungen waren im Vorverkauf übrigens ohne grössere Probleme und für einen relativ fairen Preis zu erwerben.

Auch hier wiederum strahlend blauer Himmel und mit Southampton eine Überraschungs-Mannschaft zu Gast, die in letzter Zeit doch für recht grosse Furore gesorgt hat. So verloren die Saints auf die neue Saison hin nämlich abermals einige ihrer besten Spieler, die sie in Südengland jeweils gekonnt ausbilden und dann für gutes Geld an die grösseren Vereine verkaufen und trotzdem schaffen sie es mit wirtschaftlichem und sportlichem Geschick sich in diesem Jahr in der erweiterten Spitze zu etablieren. Eine schöne Entwicklung! Manager der „Ausbildungsmannschaft“ ist übrigens der Ex-Eishockeynati-Trainer Ralph Krüger und Inhaberin ist mit der steinreichen (und fast so schweren) Katharina Liebherr, die den Verein laut eigenen Angaben „nachhaltig“ führt, ebenfalls eine Schweizerin.

Da kann Stoke nicht wirklich mithalten, verbringt es doch seit einigen Jahren eine ruhige aber verhältnismässig auch „erfolgslose“ Zeit im Mittelfeld der Premier League. Und trotzdem scheint man hier auf eine breite Fanbasis zählen zu dürfen, denn mit 26’467 Zuschauern war das Britannia Stadium abermals gut gefüllt und Support habe ich auf diesem Niveau definitiv schon schlechteren gesehen. Womit wir wieder bei den Gästen wären. Dass man über 90 Minuten hinweg (trotz zwischenzeitlicher Führung) nicht mehr als den Schlager „When The Saints Go Marching In“ herausbringt, find ich das schon sehr schwach und unkreativ. Vielleicht liegt dies aber auch einfach daran, dass man in England in den meisten Stadion kein Bier auf den Rängen trinken darf. Könnte mir durchaus vorstellen, dass unter diesen Umständen der eine oder andere Engländer etwas gesangsfreudiger werden würde. 😉

Denn Grund zum Singen hatten sie wie gesagt zu Beginn allemal. In der 22. Minute gingen sie nämlich durch den Franzosen Morgan Schneiderlin mit 0:1 in Führung. Diese Führung hatte in einer eher lauen Partie auch recht lange Bestand, ehe Mame Diouf zwei Minuten nach dem Seitenwechsel (47.) zum 1:1 ausgleichen konnte. Diouf übrigens ähnelt meiner Meinung nach ziemlich dem Rapper 50 Cent, doch das nur noch als Bemerkung am Rande.

Ebenfalls am Rande; die Einwechslung des „Riesen“ Peter Crouch, der Stoke mit seinem unbeholfenen Spiel noch zum Sieg führen sollte. Tatsächlich bekam der über zwei Meter grosse Angreifer noch die eine oder andere Chance, verpasste aber jeweils kläglich. So musste es also ein anderer Einwechselspieler richten, in diesem Falle der Publikumsliebling Charlie Adam, der in der 84. Minute nach einem kuriosen Weitschuss der sich noch an die Latte senkte am schnellsten reagierte und mit seinem 2:1 Siegtreffer die Hintermannschaft der Saints relativ alt aussehen liess. Somit kollektiver Jubel bei den Potters und deren Fans. Neben Crouch fiel mir an diesem Nachmittag wieder einmal der liebe Arni auf, welcher in Sachen lustloses Auftreten seinesgleichen sucht. Konkurrenz bekommt Arnautovic da wohl am ehesten noch von unserem „Mittelfeldstrategen“ Dejan Janjatovic, der jeweils ähnlich unmotiviert über den Platz schleicht. Die Tatsache, dass beide Spieler ursprünglich aus Serbien stammen, tun wir hier jetzt mal als unglücklichen Zufall ab. Der Übername „Potters“ ist übrigens nicht auf den Zauberschüler von Hogwarts sondern vielmehr auf die hier ehemals weitverbreitete Töpfereiindustie (Pottery Industry) zurückzuführen.

Nach einer langen Nachspielzeit leerte sich das meines Erachtens recht speziell gebaute Britannia Stadium wie für England gewohnt schnell und auch wir begaben uns zum Treffpunkt, wo man kurze Zeit später wie abgesprochen den Mirko aufgabelte. Dieser bestand danach darauf zu Fuss entlang dem Fluss zurück zum Bahnhof zu gehen, da beide Parteien noch ausreichend Zeit hatten und nach kurzem Überlegen schlossen wir uns ihm an und nach einer halben Stunde durchwegs idyllischem Fussmarsch entlang dem River Trent erreichten wir wieder den Bahnhof in Stoke. Da auch noch zu diesem Zeitpunkt der Zug unseres deutschen Kumpanen erst in einer Stunde abfahren sollten und wir unsererseits jeden beliebigen Zug zurück nach Birmingham nehmen konnten, bediente man sich noch in einem Off-Licence-Store und setzte sich auf eine nahegelegene Wiese.

Irgendwann ging es dann zurück zum Bahnhof, wo wir zwei uns in Richtung Birmingham verabschiedeten, während Mirko in Richtung Manchester musste, da er am nächsten Tag noch die Partie Manchester City – West Ham besuchen wollte. Sein Bericht zur Tour übrigens hier.

Nach dem Verabschieden erreichten wir die zweitgrösste Stadt Englands ohne grosse Probleme und liessen den Abend in einem netten Pub bei „Fish & Chips“ ausklingen, ehe es in die Horizontale ging. Am nächsten Tag dann inmitten von vorfreudigen Aston-Villa-Anhänger (bezüglich FA-Cup Halbfinale im Wembley, welches man dann etwas überraschend gegen Liverpool gewann) in Richtung Flughafen ging, von wo aus wir zwei durch Herrn Easy wieder pünktlich in die Schweiz gebracht wurden. Somit ging ein abermals gelungenes Wochenende mit drei Partien von der ersten bis in die dritte Spielklasse des Landes zu Ende. Gruss noch an Mirko!

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18. April 2015