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Sturm Graz – SK Rapid Wien (29.04.18)

„Mit diesem Spiel wirst du garantiert nichts falsch machen“ versicherten mir bereits im Voraus diverse Personen aus dem Freundeskreis und meine Ratgeber sollten einmal mehr Recht behalten. Es war ein würdiges Duell auf dem Rasen und den Rängen zwischen den zwei derzeit besten Fanlagern der österreichischen Republik.

Bis es am Sonntagnachmittag dazu kommen sollte, war Sightseeing in der zweitgrössten Stadt des Landes angesagt. Besonders deren Kern mit diversen Häusern im Renaissance- und Barockstil hinterliess einen bleibenden Eindruck. Wer sich einen Überblick verschaffen will, ist mit der „Erklimmung“ des Schlossbergs mit seinem Uhrturm bestens beraten. Besonders bei Sonnenschein bietet sich dem Betrachter eine traumhafte Aussicht auf die Hauptstadt der Steiermark. Am Abend lädt, begünstigt durch das stattfindende Lichtfestival, die kunstvolle Murinsel auf selbigem Fluss zum Verweilen ein.

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Das im südlichen Stadtteil Liebenau gelegene Stadion ist per Tram oder S-Bahn erreichbar. Zum Topspiel der Runde hatten sich 14’573 Zuschauer rund um die Spielstätte versammelt. Zum Glück hatten wir für das Duell im ehemaligen Arnold-Schwarzenegger-Stadion die Karten für die Haupttribüne im Voraus gekauft. Während die Heimseite aufgrund des Halbfinals im Cup (gleiches Duell einige Tage zuvor) für das zweite Aufeinandertreffen kein besonderes Intro vorbereitete, präsentierte Rapid Wien rund um die Gruppierung „Lords“ eine zweiteilige Choreografie. Für mich sucht diese Gruppe im extrem innovativen Rapid-Kollektiv mit Werken wie in Ried oder Grödig ihresgleichen.

Der Sportklub Sturm lässt sich davon aber nicht beeindrucken und geht früh in Führung. Während ich bereits jetzt dem Heimsupport höchstmögliche Lautstärke attestiere, lässt der zweite Treffer nach einem Eckball die Lautstärke nochmals um einige Dezibel in die Höhe schnellen. Das war ganz grosse Klasse, was die Jungs rund um die Brigata, heute mit Unterstützung aus Karlsruhe, zusammen mit den Jewels und der Grazer Sturmflut an Stimmung hervorzaubern. Dennoch muss ich den Grazer Fans, auch bedingt durch deren speziellen Dialekt, ein gewisses ländliches Flair attestieren. Auf der grünen Unterlage überzeugt bei Schwarz-Weiss vor allem Peter Zulj und Patrick „Black Friday“ Eze. Überraschend gelingt Rapid vor der Pause der Anschlusstreffer. Nun ist im Gästeblock erhöhte Lautstärke angesagt und Fackeln brennen gefühlt die ganze Spielzeit über. Gestört hat es weder den Stadionsprecher noch die anderen Zuseher. Erfreuliche Zustände, wie ich sie sonst nur von den Derbys im schwedischen Stockholm kenne.

Trotz der kurzfristigen Neuauflage des Klassikers war der Hass zwischen den Kontrahenten beidseitig zu spüren. Während im Gästeblock ein Transparent mit der Aufschrift „Anti Graz“ hochgehalten wurde und Sturm dies jeweils mit einem identischen „Pro Graz“ konterte, war es auf dem Rasen zum Pausenpfiff Rapid-Spieler Thomas Murg und ein Betreuer von Sturm Graz, die sich derart in die Haare gerieten, dass ersterer beinahe seinen Antipoden angesprang.

Trotz allem zollte die Grazer Nordkurve per Spruchband Steffen Hofmann, dem österreichischen Totti aus den gegnerischen Reihen, Respekt. Auch für den komplexen Klatschrhythmus zum Schlachtruf „Auf die Schwoazn“ gilt es dem Heimpublikum Bestnoten zu attestieren. Für den vollends gelungenen Nachmittag sorgten nochmals gleich viele Tore im zweiten Durchgang. Durch den hochverdienten 4:2 Heimsieg sichern sich die Grazer unter Coach Heiko Vogel die Vizemeisterschaft.

Einziger Wehrmutstropfen einer gelungenen Reise stellte, bedingt durch den Einzug von Salzburg ins EL-Halbfinal, das verschobene Cupfinal in Klagenfurt dar. Das Duell gegen die Brause, für welches zwei Einlassberechtigungen bereitlagen, wäre unbestritten der nächste grosse Auftritt der Sturm-Fans geworden. Immerhin hat der SK Sturm mit seinem Finalsieg gegen RB die Neuansetzung gerächt. Dem sympathischen Verein in Schwarz-Weiss sei es definitiv gegönnt.

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16. Mai 2018