Groundhopping

Stuttgarter Kickers – Dynamo Dresden (02.05.15)

Es gibt wohl kaum einen Nicht-Fan der Stuttgarter Kickers, der so auf die Wiedereröffnung des Stadions auf der Waldau hingefiebert hat wie ich. Schliesslich hat man so eine weitere rare Möglichkeit einen Profi-Ground in Süddeutschland zu besuchen. Vor wenigen Monaten war es dann soweit und ein würdiger Rahmen für diesen Anlass wurde mit dem Gastspiel von Dynamo Dresden im Degerloch anfangs Mai ebenfalls relativ schnell gefunden. Apropos finden, mit vier Kollegen hatte man seine Reisegruppe ebenfalls in Rekordzeit beisammen. Neben Lukas, der bereits im letzten Herbst beim Gastspiel von Dynamo Dresden in Süddeutschland (damals in Backnang bei der SG Sonnenhof Grossaspach) mit von der Partie war, sind auch die anderen Mitfahrer ebenfalls gut über Fussball informiert und fast alle nicht zum ersten Mal mit mir unterwegs. Somit also eine flotte Reisegruppe zusammen und man konnte schrittweise die restlichen Punkte auf der „To-Do-Liste“ einer solchen samstäglichen Kaffeefahrt (Bierfahrt?!) ins Schwabenland angehen.

Als Transportmittel wurde wie in Deutschland eigentlich immer der Zug gewählt, wobei man Glück hatte, dass der grosse Streik der Gewerkschaft deutscher Lokführer erst für nächste Woche eine vollständige Lahmlegung des Schienenverkehrs vorgesehen hatte. Ärgerlich solche Eskapaden. Da uns dieser Machtstreit aber nicht betraf finde ich hier nur wieder lobende Worte für die Deutsche Bahn, welche uns sicher und vor allem kostengünstig nach Stuttgart und zurück brachte. Nur die Anfahrroute wurde kurzfristig noch geändert und so ging es einem Kumpel zuliebe nicht via Konstanz sondern etwas früher über Lindau nach Stuttgart, um auf dem Frühlingsfest in Stuttgart auch ja nicht zu kurz zu kommen. So, bezüglich Reise alles abgehakt, weiter geht’s auf der Liste. Nächster Punkt: Fünf Einlassberechtigungen sichern!

Die Ticketbeschaffung bei dieser Partie gestaltete sich überraschenderweise ausserordentlich schwierig oder besser gesagt kompliziert. Dies nicht wegen überdurchschnittlich grossem Andrang, sondern eher aufgrund unnötiger Auflagen und dank dem altmodischen Systems der Kickers. So können Tickets lediglich im Voraus gekauft werden, wenn man ein eigens dafür erstelltes Bestellformular auf der Webseite herunterlädt, dieses ausdruckt und ausfüllt, wieder einscannt und dann den Verantwortlichen wieder zusendet. Da geht’s ja in Omas Dorfladen moderner zu und her. Damit aber noch nicht Schluss. Nachdem ich mir das Ganze schlussendlich doch angetan habe, um im Falle eines ausverkauften Hauses nicht mit leeren Händen dazustehen, kam einige Tage später doch tatsächlich noch eine Mail vom Ticketing-Team der Kickers. Der „werte Kunde aus der Schweiz“ solle ihnen doch bitte fünf Lichtbildausweise per Mail zukommen lassen, damit auch tatsächlich nur derjenige ein Ticket erhält, der dazu berechtigt ist. Einen Moment lang daran gedacht, hier mit einem Mail den Tarif durchzugeben mit wem sie denn hier glauben zu sprechen, schlussendlich aber mit einer höflichen aber bestimmten Nachfrage zufriedengegeben. Die Antwort blieb recht wage und nicht nachvollziehbar und so blieb nichts anderes übrig als die Ausweise einzusammeln, zu scannen und schlussendlich einzuschicken, ehe das Einverständnis seitens der Kickers-Verantwortlichen kam und die Karten zwei Wochen später im heimischen Briefkasten zu finden waren. Sind ja fast schon Verhältnisse wie in Italien…

Somit also mit allen Punkten mehr oder weniger einfach fertig geworden und am Freitagabend mit Vorfreude den Zug nach St. Gallen bestiegen. Dort angekommen ging es auf direktem Weg ins Reich der Träume, schliesslich wollte man die wenigen Stunden bis zum frühen Aufstehen noch möglichst sinnvoll nutzen. Kaum die Augen geschlossen klingelte aber auch schon wieder der Wecker und es ging in Richtung Bushaltestelle, wo bereits Nachbar Claudio (jüngerer Bruder von Flavio, der ebenfalls oft mit mir auf Tour geht) mit einem breiten Grinsen auf mich wartete. Zusammen also den ersten Bus bestiegen, am Bahnhof den dritten Kumpel aufgegabelt und sogleich Vorräte für den grossen Durst angeschafft. Beim nächsten Halt stieg dann noch Mitfahrer Nummer vier hinzu, ehe die Truppe zwanzig Minuten später kurz vor Lindau von Lukas komplettiert wurde.

Dort wurde auf den Interregio, der bis nach Stuttgart fuhr umgestiegen und die Fahrt verlief feuchtfröhlich mit einem improvisierten Boxenstopp in Friedrichshafen. Während der eine zum nächsten Laden hetzte und für „Göttertranknachschub“ sorgte, fanden wir restlichen uns plötzlich vor dem Zug stehend angeheitert mit irgendeinem zwielichtigen Typen diskutierend. Wild gestikulierend wollte er uns sogleich einen „Business-Deal“ auf Französisch unterbreiten, was ich jedoch mit meinen durch den Umzug in die Westschweiz bedingten Fortschritt im Sprechen unserer zweiten Landessprache missbilligte und man ihn wegschickte. Kannst dir dein gestrecktes weisses Pulver sonst wo hin stecken. Für uns gibt es nur eine Droge: Fussball! (und Bier vielleicht). Um zehn Uhr morgens dann pünktlich den Bahnhof in Stuttgart erreicht, von wo aus es nach einem bierbedingten Zwischenfall direkt weiter an den Wasen ging. Dort hatte man sich noch durch ein Spiegellabyrinth gezwängt und zudem noch Büchsen werfen gespielt. Darüber weiss von unserer Reisegruppe aber nicht nur ich keinen Bescheid mehr.

Kurz nach dem Mittag ging es aber wieder zurück zum Bahnhof und von dort weiter in Richtung Fernsehturm, wo auch das Stadion liegt. Die servierte Pfütze vor Ort und auch andere Umstände führten dazu, dass man sich nun etwas mit dem Konsum zurückhielt und stattdessen inmitten von anderen halbschlauen Gestalten das Treiben auf dem Platz verfolgte. Dieses war zwar nicht auf sonderlich hohem Niveau aber sehr unterhaltsam und kurzweilig. Schlussendlich durften die rund zweitausend mitgereisten Sachsen über einen Last-Minute-Treffer und einen daraus resultierenden 3:4 Sieg für die Sportgemeinschaft aus Dresden jubeln.

Das Spiel war mit 8’000 Zuschauer gut besucht, wobei knapp ein Viertel davon Platz auf der neumodernen Haupttribüne Unterschlupf finden. Gegenüber von der einzigen Sitztribüne findet man einen Teil des ungünstig positionierten Gästeblock sowie den Stimmungskern der Kickers. Polizeiaufkommen vor Ort einmal mehr ungerechtfertigt gross, wobei es am ganzen Nachmittag nur zu einem kleinen Zwischenfall kam, nämlich als Unbekannte im Dresden-Block eine Zaunfahne zu entwenden versuchten. Gibt sicher bessere Ideen als solch eine Kamikaze-Aktion…

Für die Gastgeber ist mit dieser Niederlage Aufstiegszug so gut wie abgefahren und vor Ort machte sich allgemeine Ernüchterung breit. Also schnell weg hier von solch expressionistischen Zuständen und zurück ins Stadtzentrum, wo man sich verpflegte und noch eine weitere Niederlage des anderen Stadtclubs mitverfolgen konnte. Soviel zur Besserung hinsichtlich der Gemütslage. Gegen 18 Uhr bestieg man dann wieder den Zug in Richtung Heimat, wobei ich dort den Preis für den Morgen zahlen musste. In unserem Abteil dann noch ein absoluter Idiot zugegen, der die ganze Zeit rumschreien musste und bestimmt auch irgendwelchen Drogen intus hatte. Vielleicht lebt er aber auch einfach nur in der Nähe eines Endlager für radioaktive Abfälle. Ich weiss gar nicht, gibt es denn so etwas im Dörfchen Fluorn-Winzeln, Landeskreis Rottweil? Denn dort war die Nervensäge beheimatet, wie er immer wieder lauthals durch das Abteil brüllte.

Aber man lässt sich von solch Einfaltspinsel ja nicht die ganze Reise vermasseln. Kurz vor 22 Uhr dann wieder in St. Gallen angekommen, wo einem bereits die nächsten Kumpanen grinsend erwarteten und ein feuchtfröhlicher sowie auf jeden Fall gelungener Tag fand irgendwann früh Morgens in der heimischen Innenstadt sein Ende. Danke Jungs; gerne wieder!

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2. Mai 2015