«Same colors as Sunderland», lautet eine beliebte Pointe aus einer Anekdote meiner Zeit im Sprachaufenthalt im Nordosten Englands. Es war die ernst gemeinte Antwort eines Newcastle-Fans auf die Frage, warum er seit vielen Jahren auf den Verzehr von Schinken verzichte.

Als Fremder dürfen einem aber beide Klubs aus der Region Tyne and Wear sympathisch sein – auch wenn das in den Augen der Bewohner hier eigentlich nicht möglich ist. Für die Menschen aus Newcastle ist Sunderland lediglich eine Haltestelle im städtischen Metronetz, für die lokalen «Mackems» hingegen ist die Industrie- und Hafenstadt an der Mündung des Flusses Wear in die Nordsee längst Lebenssinn. Der Name Sunderland geht auf das altenglische sundor-land (geteiltes Land) zurück – zwei Brücken verbinden bis heute das Zentrum der 275’000-Einwohner-Stadt mit dem Stadion.

Kaum in einem Land gleichen sich die Innenstädte und Bewohner derart wie in England – so sind wenig überraschend auch hier trotz giftiger Bise viele in kurzen Hosen unterwegs und tragen das Trikot der lokalen «Black Cats», als würde dieser Stolz allein ausreichend vor der Kälte schützen. Dabei liegt der letzte Titel von Sunderland über 50 Jahre zurück – ein Pokalsieg gegen den damaligen Krösus Leeds. Immerhin hat der Klub, dessen Besitzer der schweizerisch-französische Doppelbürger Kyril Louis-Dreyfus ist, im Sommer nach harzigen Jahren die Rückkehr in die Premier League geschafft. Die Leidensgeschichte der Fans ist auch in der Serie «Sunderland ’Til I Die» gut dokumentiert.

Zurück im Oberhaus spielt Sunderland als Siebter eine sehr solide Saison und hat jüngst auch das Derby gewonnen. Im Duell der Aufsteiger geht der Gastgeber dank eines durchdachten Passes des Schweizer Captains Granit Xhaka in Führung, während dessen Bruder Taulant einige Sitze neben mir sichtlich stolz unter den 46‘675 Zuschauern verweilt. Das Stadium of Light besitzt übrigens – sehr ähnlich wie beim Rivalen – lediglich auf zwei Seiten einen Oberrang.

In diesem sind auch die über dreitausend Gästefans untergebracht, die nach dem Seitenwechsel den prompten Ausgleich bejubeln dürfen. Auch in der Folge ist Leeds näher am Sieg, vermisst beim 1:1 aber die gewohnte Unterstützung der überraschend passiven Anhängerschaft. Allgemein wird das Stimmungspotenzial nicht abgerufen, das ich der Partie für englische Verhältnisse attestiert hätte.

Nach dem Krebs-Tod des sechsjährigen Sunderland-Fans Bradley Lowery im Jahr 2017 wurde die «Bradley Lowery Foundation» gegründet – ein Name, dem man rund um den Klub bis heute immer wieder begegnet. Spenden sind hier möglich.