Groundhopping

Toulouse FC – Paris Saint-Germain (10.02.18)

Eine Eigenschaft, die ich am Stadionhüpfen besonders mag, ist die Tatsache, dass es einem an Orte führt, die ansonsten kaum besucht worden wären. Nicht wenige präsentieren sich daher kaum touristisch. Dazu gehört auch der diesmalige Zielort Toulouse, der zumindest im Februar überschaubar daherkommt. Wie würde das Berliner Kultlabel „Dreierhopp“ jetzt so schön sagen – sicher keen Nullachtfuffzehn!

Den Übernamen „Ville rose“ verdankt die Stadt am Canal du Midi seinen Terrakotta-Ziegeln, die beinahe jedem Gebäude als Aussenfassade dienen. Wie der „Kanal des Südens“, der Toulouse mit dem Mittelmeer verbindet, gelten auch sehenswerte Kirchbauten, darunter die Basilika St. Sernin, als Erbe der UNESCO für geschützt. Cédric und mir hat der sonnige Ort am Fluss Garonne sichtlich gefallen. Der Airbus-Stadt ist die Nähe zum mediterranen Spanien jedenfalls anzumerken. So genossen wir die Zeit bei herrlichem Weisswein aus der Côtes de Gascogne auf dem Platz neben dem Kapitol.

Am Samstagabend stand schliesslich der fussballerische Programmpunkt an. Dafür wählten wir die Metro, welche uns praktisch bis vor das Stadion brachte. Die Spielstätte, welche an der Europameisterschaft 2016 als Austragungsort diente, war mit 31’909 Zuschauern natürlich ausverkauft. Für das Duell gegen die Hauptstädter hatte sich die ansässige Ultrà-Gruppierung (Indians Tolosa) ein Intro mit Spruchband überlegt, wessen Inhalt auf die einstige Wahlkampfaussage eines amerikanischen Cholerikers anspielte. So weit, so gut. Deutlich nerviger war da das kleinere Grüppchen auf unserer Tribüne, welches probierte ihr eigenes Ding durchzuziehen und damit vielen Normalos die Sicht versperrte. Gespaltene Fankurven sind sowieso eine französische Unart, die ich bis zum heutigen Tag nicht verstehe. Pro Stehplätze beim Fussball; hier aber bitte nur in der Virage Est mit dem Zusatz „Brice Taton“. Diese wurde zu Ehren eines TFC-Anhängers so benannt, der vor Jahren in der serbischen Hauptstadt anlässlich einer Partie gegen Partizan Belgrad auf tragische Weise sein Leben liess.

Auf der grünen Unterlage zeigte sich der Gastgeber trotz schwacher Saison lange ebenbürtig. Tief in der zweiten Halbzeit war es schliesslich Rekord-Transfer Neymar, der die mitgereisten Pariser mit seinem Treffer zum 0:1 erlöste. Neben ordentlicher Stimmung im Gästeblock bleibt von diesem Spielbesuch eher wenig in Erinnerung, während vermehrt der kulturelle Teil der Reise zu überzeugen wusste. Nach dem Schlusspfiff wäre noch ein weiterer (unterklassiger) Kick möglich gewesen, dieser wurde aber aufgrund der Kälte und dem beachtlichen Gewusel um das Stadion fallen gelassen.

Für den Sonntag hatte unser Duo ein Mietauto gebucht und das kleine Fürstentum Andorra und damit einen weiteren Länderpunkt im Visier. Die rund einhundert Kilometer bis zu den Ausläufern der Pyrenäen wurden problemlos abgespult, ehe auf 1’700 Höhenmeter eine Mischung aus Schneefall, Stau, fehlenden Schneeketten und geschlossener Passstrasse für die vorzeitige Umkehr sorgte. Zu allem Übel wurde der Alternativkick zurück in Toulouse auf einen trostlosen Kunstrasenplatz verlegt und der Herzensverein aus der Ostschweiz verlor nach Führung noch gegen den FC Zürich. Fussball ist doof!

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16. Februar 2018