Eine leichte Enttäuschung bleibt: Obwohl der Name an die Stadt San Benedetto del Tronto erinnert, entstammen das Unternehmen und seine Quelle den venezianischen Alpen. Passen würde der übersüsste Eistee aber auch problemlos an die «Riviera delle Palme», wie der beliebte Badeort an der Adriaküste sowie das dortige Stadion heissen. Die 50’000 Einwohner geniessen hier das mediterrane Klima und leben primär vom Tourismus sowie der Fischerei. Am Strand finden sich trotz der milden Temperaturen noch keine Touristen, zumindest aber einige angespülte Flaschen und Dosen, darunter auch ein San-Benedetto-Eistee.
Auch am Stadion stehen Palmen unter der Tribüne des «tempio del tifo», wie die Fans zwischen die markanten Aufgänge hinter der Heimkurve geschrieben haben. Die Spielstätte wurde 1985 infolge der Stadionkatastrophe im alten Stadio Fratelli Ballarin eröffnet. Eine Gedenktafel erinnert an die Toten des Brands im Ballarin, das seinen Namen wiederum einer Tragödie verdankt: jener von Superga, bei der die Gebrüder Ballarin beim Flugzeugabsturz starben. Trotz Renovationen und stetigen Anpassungen ist es in die Jahre gekommen, aber immerhin vollständig überdacht und weist über 13’000 freigegebene Plätze aus.
Viel Änderung erfuhr auch die US Sambenedettese in der jüngeren Vereinsgeschichte. Nicht weniger als acht verschiedene Namen trug der Klub in diesem Jahrhundert, seit 2023 mit den Buchstaben «US» als Zusatz, und die Fans sind froh, können sie an diesem 4. April den 103. Geburtstag ihres Klubs feiern. Trotz der langen Historie spielte «Samba» nie erstklassig; 1989 agierte der Klub aus den Marken letztmals in der Serie B. Heuer ist Sambenedettese nach vier Jahren in der Serie D wieder drittklassig unterwegs.
Ein umgehender Wiederabstieg scheint derzeit aber nicht völlig unwahrscheinlich, und so braucht es gegen den Tabellenführer aus Arezzo einen Exploit, um zumindest einen Punkt an der Stadt am Fluss Tronto zu behalten. Dieser gelingt den Hausherren prompt, die gegen den Favoriten auf bescheidenem Niveau ein 0:0 ergattern. Wäre nicht der VAR, hätten zumindest ein Penalty für Arezzo sowie ein sehr schöner Treffer für Samb als Highlights genannt werden können; so aber zerstören die Unterbrechungen den Spielfluss und machen das Geschehen vor 5’379 Zuschauern zu einer zähen Angelegenheit.
Zu den Anwesenden zählen überraschenderweise trotz Gästeverbot auch ein Dutzend Fans aus Arezzo. Sie alle tragen entweder einen Schal oder schwenken eine Fahne, scheinen einander aber nicht zu kennen und sind nicht als Gruppe unterwegs – etwas, das ich so auf jeden Fall noch nie gesehen habe. Koordinierter präsentiert sich das Bild auf der Gegenseite, wenn auch die «Curva Nord Massimo Cioffi» einen eher bescheidenen, aber gemessen an der tabellarischen Situation erwartbaren Auftritt abliefert. Ihren Namen verdankt sie dem Fan Massimo Bruni, der 2003 während eines Spiels vom oberen Rang hinunterstürzte und nach fast zwei Jahren Leidenszeit schliesslich verstarb.
Auch die Folgen der Ausschreitungen 2017 in Vicenza, bei denen die Polizei Luca Fanesi schwer verletzte und straflos davonkam, während einige Samb-Fans bis zu diesem Jahr laufende Stadionverbote ausgesprochen bekamen, sind weiter spürbar. So ist San Benedettos Kurve zumindest an diesem Tag weit entfernt von einer Zeit unter der Leitung der legendären «Onda d’urto» (Schockwelle) oder inbrünstigen Gesängen wie «È la mia vita», die bis nach Süddeutschland für Gänsehaut sorgen.
Danke für meh als e halbs Läbe a minere Siite – mach‘s guet, Calvin!












