Groundhopping

VfB Stuttgart – FC St. Gallen (09.07.16)

St. Gallen international! Ich gebe es ja zu, es handelt sich wieder nur um ein Testspiel, bevor es in zwei Wochen (ich hüte mich bewusst vor dem Worteinschub «endlich») wieder losgeht. Und dies obwohl man guter Dinge sein kann, wenn man die Resultate aus den bisher absolvierten Testpartien analysiert. Vier Siege stehen nur einer Niederlage bei einem Verhältnis von 32:6 Toren gegenüber. Klar ist darunter das eine oder andere Spiel gegen einen unterklassigen Gegner zu finden, dennoch könnte es zumindest ein Indiz sein, dass in dieser Spielzeit endlich wieder alles besser werden könnte.

Von der aktiven Fanszene wurde für diesen Test aufgerufen und auch ich war (wieso auch immer) richtig motiviert wieder einmal auswärts zu fahren. Die üblichen Aspiranten fielen aber reihenweise aus, sodass nur der Namensvetter und ich zur genannten Stunde am Bahnhof vorstellig wurden. In Aussicht ein kultig-asozialer Samstagsausflug. Gemeinsam mit etwa sechzig Anhängern der Grün-Weissen wurde nun also die Regionalbahn in Richtung deutsche Grenze bestiegen, während sich eine Sektion der Freunde der dritten Halbzeit per Bus langsam nach Villingen im Schwarzwald bewegte. In Konstanz angekommen stellte man fest, dass die Zugstrecke bis nach Singen gesperrt ist und sich die Fahrgäste doch bitte auf den Schienenersatzverkehr begeben sollen. In diesem Falle ein normaler Stadtbus, der nicht nur viel zu klein war, sondern auch noch über keine Klimaanlage verfügte. Die Szene also schön gemeinsam den Bus bestiegen und nun folgte die wohl qualvollste Stunde der Neuzeit. Die Tatsache, dass man bei Temperaturen um die dreissig Grad eine derart lange Zeit in einem voll bepackten Bus verbringen muss, ist sicherlich selbsterklärend. Als sich der Busfahrer, weil im Bus gesungen wurde, auf halber Strecke plötzlich weigerte weiterzufahren, gab es eine kleine Verschnaufpause, ehe der Herr glücklicherweise zur Weiterfahrt überredet werden konnte. Nach der langersehnten Ankunft in Singen folgte der Umstieg auf die Regionalbahn bis Villingen. Vom Bahnhof aus wurde nun in Richtung Irish Pub marschiert, wo bereits die Busfahrer auf uns warteten. Friedliches Eintrinken war angesagt, ehe sich der nun knapp dreistellige Tross zu Fuss in Richtung Stadion bewegte. Der Marsch wurde von etwas Pyro und Böller unterlegt und am Gästeeingang angelangt wurde jener einfach mal so überlaufen. Der Eintritt hätte übrigens acht Euro gekostet.

Unter der Tribüne auf der Gegengerade positionierte man sich und wurde darüber informiert, dass der Herzensclub im Stau stand und die Partie darum um eine Stunde nach hinten verschoben wurde. Zeugt schon wieder einmal von grossartigem Organisationstalent, wenn bedenkt wird, dass es die Anhängerschaft trotz Zugausfall rechtzeitig schafft und die Herrschaften, welche nur in den Bus zu steigen haben, dabei versagen. So blieb immerhin genügend Zeit für die Verpflegung, wobei hier die Villinger ebenfalls organisatorische Defizite offenbarten. Ein Essensstand für 2’800 Zuschauer sei dann doch eben etwas wenig, würde ich jetzt einfach mal behaupten. Immerhin waren die Preise konsumfreundlich ausgerichtet. Um 16 Uhr folgte dann der Anpfiff zu diesem Testkick der übrigens mit 4:1 Toren an den Absteiger ging. Einen guten Auftritt lieferte deren Stürmer Simon Terodde ab, der meiner Meinung nach definitiv Bundesligaformat besitzt. Gesehen hatten wir jedoch nur die Tore 1-3, da die Anlage nach sechzig Minuten aus Protest und Desinteresse gegenüber dem Spielformat geschlossen verlassen wurde. Gespielt wurde nämlich 4x 30 Minuten, was einem die Haare zu Berge stehen lässt. Wer zur Hölle kommt auf die Idee, zwei Stunden sinnloses Gebolze in dieser Hitze sei Feinkost für den Zuseher? Während der Partie gab es nur vereinzelt Support und kurz noch ein paar Spruchbänder an die Freunde aus Reutlingen, die am heutigen Tage heiratsbedingt abwesend waren.

Somit die Polizei nun etwas überfordert, innerhalb kurzer Zeit wurde der Mob von Robocops und Kastenwagen umstellt und zurück in Richtung Innenstadt eskortiert. Auch auf dem Rückweg gab es erneut Böller und vereinzelt Kontakt mit der Staatsmacht, die bereits präventiv mit dem Pfefferspray fuchtelte. Ziel war jedoch noch nicht der Bahnhof, sondern nochmals kurz das Irish Pub, welches bereits vor dem Anpfiff angesteuert hatte. Hier freute sich die Dame hinter dem Tresen bereits auf uns, wie folgender Ausruf eindeutig bewies: «Ach ne, jetzt kommen die besoffenen Schweizer wieder.»

Der Höhepunkt des Tages war dann aber zweifelsohne die Aktion der Polizei in Singen, wo sie die Fussballfans auf dem Perron zurückhielten, bis der Saunabus zurück nach Konstanz abgefahren war. Da noch ein Termin in der Heimat anstand, musste auf das Taxi zurückgegriffen werden, was das eingerechnete Budget doch leicht sprengte. Ach Deutschland du und ich, ich glaub‘ das wird so nichts.

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21. Juli 2016