Groundhopping

VfL Osnabrück – Hansa Rostock (02.04.17)

Im Zug nach Osnabrück fand unser Trio zwar nicht das grosse Glück (Sorry für den Insider) dafür aber nochmals ein wenig Schlaf, ehe der Intercity kurz vor dem Mittag den Ort des Geschehens unweit der niederländischen Grenze erreichte.

Die Friedensstadt an der Hase bietet knapp 160’000 Einwohnern eine Heimat. Diese gehört, um es vorweg zu nehmen, definitiv nicht zu den schönsten Plätzen auf der Erde. Da wir aber Fussballfans (oder eben doch Krawallhopper?) sind, war das Hauptaugenmerk sowieso auf die ankommenden Rostocker gerichtet. Gut abgeschirmt werden jene nach der Ankunft sogleich von der Bereitschaftspolizei zu den Bussen geleitet. Viel mehr als ein paar verstohlene Blicke können auch wir nicht auf die Kogge-Fans werfen und die harschen Befehle der Ordnungsmacht zeigen, wie angespannt die vorherrschende Lage ist. Es scheint, als ob sich die Hanseaten anfangs weigern, die bereitgestellten Busse zu besteigen. Das gewohnte Szenario also, welches wir drei nur zu gut auch aus der Heimat kennen. Jenes Wissen war es nun auch, das uns mitteilte, dass hier aufgrund der hohen Polizeipräsenz nicht mehr viel passieren würde. So galt es den Weg in Richtung Bremer Brücke anzutreten. Interessant zu sehen, dass auch hier im Norden die Zivis und SKB’s nicht minder auffällig durch die Gegend torkeln als in den unsrigen Breitengraden. Der Weg zum Stadion führt an heruntergekommenen Spiel- und Coiffeursalons mit ausgebleichten Werbeplakaten sowie dreckigen Fensterscheiben vorbei, die anschliessend durch einige schöne Reihenhäuser abgelöst werden. Offensichtlich hat auch hier die Gentrifizierung Einzug gehalten!

Wie schon am Vortag in Hannover fanden sich unsere Plätze auf der Haupttribüne in der Nähe der Rostocker Anhängerschaft. Ein Blick durchs Rund liess einem positiv stimmen, zumal volle Ränge, eine kompakte und akustikfördernde Bauweise heutzutage nicht mehr bei jedem Stadionbesuch vorzufinden sind. Zum Anpfiff hatten sich 11’044 Zuschauer für dieses Nordderby bei besten Bedingungen an der Bremer Brücke eingefunden. Auf dem Platz präsentierte sich Osnabrück von Anfang an klar besser. Ihnen gegenüber stand ein arg beschränkte Truppe Hanseaten, die vor allem in der Abwehr gravierende Schwächen aufwies. Wer die Tabellensituation kennt, weiss aber, dass dieses Kräfteverhältnis anzunehmen war. Umso erstaunter waren wir aber über das Gezeigte auf den Rängen. Während im Heimblock bei hoher Mitmachquote die Mannschaft ordentlich unterstützt wurde, kam aus dem Gästeblock, abgesehen von einigen Rufen gegen die Staatsmacht, so gut wie kein einziger Fangesang. Grund dafür war nicht etwa der frühe Rückstand. Optisch unschwer zu erkennen, fehlten nämlich vor der „Action Connection“ und der „Suptras“ Zaunfahne das entsprechende Klientel. Hier kann nur vermutet werden, dass jene Herrschaften eben von der Polizei festgesetzt wurden.

Pünktlich zur zweiten Halbzeit war der Gästeblock, sehr zu unserer Freude, schliesslich proppenvoll und auch mit einem Vorsänger ausgestattet. Während die Trainer in den Kabinen ihre Ansprache hielten, fingen wir den Hauptgewinn des Pausenspiels. Ein originalsignierter Spielball der Mannschaft wurde quasi direkt in die Arme von Cedric geworfen. Da wir aber keine Frevler sind, wurde der Ball grosszügigerweise den Jungspunden eine Reihe hinter uns weitergereicht. Deren Vater bedankte sich artig mit einer Runde Bier. Guter Typ!

Wie erwähnt, stand nun auf dem Zaun im Rostocker Bereich der Capo bereit, der mit seiner engagierten und charismatischen Art die Anhänger zu gesanglichen Höchstleistungen pushte. Nur auf dem Platz wollte dem FC Hansa nichts so recht gelingen. Zwar schossen sie in der Schlussminute den Ausgleich, jedoch nur um auf noch bittere Art und Weise in der Nachspielzeit mit 2:1 zu verlieren. Verständlicherweise haben hier in der Gästekurve einige die Schnauze voll. Hansa polarisiert eben. Ich jedenfalls war beeindruckt vom heutigen Auftritt. Jetzt ist es aber an der Zeit, nach Köln in Richtung Nachtquartier aufzubrechen.

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28. April 2017