Groundhopping

VfR Aalen – FC Nürnberg (14.12.14)

Kaum kehrte ich im April dieses Jahres von meiner Tschechien-Tour zurück, ging es auch schon relativ spontan nach Karlsruhe und somit auf einen der, sagen wir mal, „unterhaltsamsten“ Tagesausflüge dieses Jahres. Am heutigen Sonntag sollte es nun also zu einem Rezidiv kommen, erneut mit einer Partie in der zweiten Bundesliga und erneut mit meinem Nachbarn Flavio, der mich damals auch nach Karlsruhe begleitete. Dieses Mal wurde aber nicht Karlsruhe, sondern die Heimat des VfR Aalen angesteuert.

Da es wieder einmal relativ früh aus dem Haus gehen sollte, sagte man Offerten von Kollegen am Vorabend ab und ging stattdessen relativ früh ins Bett. Mit der Zeit lernt man eben! Ganz im Gegensatz zu meinem Mitfahrer, der am Morgen nur noch ein Schatten seiner selbst war. Spätestens auf der Fähre Richtung Friedrichshafen ging es ihm aber wieder besser und man verbrachte den Rest der Reise plaudernd im Zugabteil und beide waren überrascht, wie schnell Aalen erreicht wurde. Gesprächsthema Nummer 1 war natürlich unser lieber FCSG, der im Moment in der Winterpause schlummert. Erst auf so einer Reise wird einem bewusst, wie viel man bereits nur aufgrund und dank diesem Club erlebt hat. Auch ein Thema war natürlich der Cupfinal, weiterhin natürlich ein Traum, der aber langsam in Griffnähe kommt. Das Los hat uns nämlich ein Gastspiel beim SC Buochs beschert und mit einem Sieg bei diesem Fünftligisten wäre man bereits im Halbfinale. Reelle Chancen also, es wäre aber nicht der FC St. Gallen, wenn er in Nidwalden ohne Probleme in die nächste Runde einziehen sollte.

Jetzt aber zurück zum heutigen Duell, welches zwar aus tabellarischer Ansicht nicht viel Brisanz mit sich bringt, trotzdem gibt es da einige Punkte, die durchaus interessant sind. So wären heute zwei Club-Tore gleichbedeutend mit dem 99. und dem 100. Gegentreffer für Aalen in der 2. Bundesliga. Der Gastgeber verfügt mit 13 Treffer zudem über den schwächsten Sturm der Liga, hat aber mit elf verschiedenen Spielern die grösste Variabilität an Torschützen aufzuweisen. Einer dieser ist Jürgen Gjasula, welcher ein paar Jahre seiner Karriere beim FC St. Gallen und in Basel verbracht hatte. Nach der Ankunft blieb für uns nicht mehr viel Zeit und es ging darum direkt zur Scholz Arena, welche etwas erhöht und abseits vom Stadtzentrum zu finden ist. Die zwei Tickets waren hinterlegt, danach ging es ohne Einlasskontrolle ins Stadion. Platz fanden wir auf der Stehrampe der Heimfans, wo man sich etwas abseits der aktiven Fans hinstellte. Trotz der Nähe zu den Heimfans waren an diesem grauen Nachmittag vor allem die Glubb-Anhänger zu hören, welche die ganze Hintertortribüne und auch Teile der Gegentribüne für sich beanspruchten. Insgesamt war das Ganze mit 11’184 Zuschauern sehr stimmungsvoll.

Zum Einlauf der beiden Mannschaften präsentierten die Heimfans eine Zettelchoreo, wo mit viel Fantasie das Wort „Derbysieger“ zu sehen war. Der Fussballkenner weiss natürlich, dass man hier auf das Ostalb-Derby in Heidenheim von letzter Woche (0:1) anspielt, welches man etwas überraschend für sich entscheiden konnte und so dem FCH die erste Heimniederlage in der 2. Bundesliga zufügte.

Heute fanden aber die Franken besser in die Partie und bereits in der 11. Minute konnten die viertausend Gästeanhänger ein erstes Mal jubeln. Nach einer starken Ballannahme und einer noch besseren Flanke von Sylvestr konnte Niclas Füllkrug zum 0:1 für den Club einköpfen. In der Folge blieb das Team vom Schweizer Rene Weiler, abgesehen von wenigen Nadelstichen der Rasensportler, das spielbestimmende Team im ersten Durchgang. Nach dem Seitenwechsel war es erneut Niclas Füllkrug, welcher in der 60. Minute einen Freistoss via Pfosten und Torwartrücken zum 0:2 ins Netz zirkelte. Nach diesem Doppelschlag des Nürnberger Stürmers erwartete man eine Reaktion des Heimteams und die kam dann auch. Allerdings unter gütiger Mithilfe von Club-Verteidiger Bulthuis, der im Strafraum etwas ungestüm zu Werke ging und prompt zeigte der Schiedsrichter auf den Punkt. Die Verantwortung übernahm Jürgen Gjasula, der in der 64. Minute lässig zum 1:2 Anschlusstreffer einschob. Es folgte eine spannende Schlussphase, schlussendlich blieb es aber beim knappen Resultat und somit dem zweiten Dreier der Saison in der Fremde für die Nürnberger. Für einen letzten Aufreger sorgte noch Penaltysünder Bulthuis, der nach einer dummen Aktion noch mit gelb-rot vom Platz flog.

Nach dem Spiel ging es für uns wieder zurück in die Heimat, wobei die Rückfahrt etwas länger dauerte, da der Zug an jedem Provinzbahnhof anhielt. Zum Glück sorgt da das Abendprogramm der Deutschen Bahn für genügend Unterhaltung. Diese reicht von elektrosensitiven Leuten mit aufgeklebten Glitzersternchen auf der Stirn bis hin zu Alkoholleichen auf der Heimfahrt vom Weihnachtsmarkt. Irgendwann erreichte man dann Friedrichshafen und per Fähre (auf welcher man noch den klaren Abend und ein kaltes Bier genoss) ging es über den See in die Schweiz.

Insgesamt ein netter Tagesausflug mit einem FCN der nun als „Derbysiegerbesieger“ optimistisch auf den nächsten Samstag schauen kann, wo man im eigenen Derby die Fürther zu Gast haben wird. Die Tabelle schaut auch schon wieder etwas freundlicher drein und wer weiss, was mit einem Derbysieg und einer guten Rückrunde noch alles möglich ist.

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14. Dezember 2014