Groundhopping

Vicenza Calcio – US Avellino (20.02.16)

Zusammen mit Cedric und Sergio grüsste man an diesem Wochenende Bella Italia. Diese Konstellation der Reisegruppe gab es letztmals im Oktober des vergangenen Jahres, als unser Trio gemeinsam die serbische Hauptstadt Belgrad bereiste. Dieses Mal erlaubte rares Terminglück ein Doppler auf der Achse zwischen Vicenza und Verona, wo man neben dem Spiel in Vicenza gegen Avellino auch Zeuge des doch ziemlich brisanten „Derby della Scala“ in Verona werden sollte. Das Groundhopping manchmal eben keine Ferien im eigentlichen Sinne darstellen, zeigte sich bei der vorausgehenden Reiseplanung, wo finanzielle Aspekte gegenüber dem Komfort eine grössere Rolle spielten. So sollte man insgesamt von Freitagabend bis Sonntagmorgen unterwegs sein, während diesem Zeitraum aber bewusst auf ein Hotel verzichten. Daher wurde am Freitagabend mit einer späten kostenfreien Hinfahrt ins Tessin viel Geld gespart, ehe man nach ziemlich harter Überbrückung bis in die Morgenstunden von einem Sparpreis in die Stadt Verona profitierte.

Schlaf wurde wenn möglich im Zug nachgeholt, ehe man gegen neun Uhr die Stadt in der Po-Ebene erreichte. Seit der Jahrtausendwende zählt Verona zum Weltkulturerbe, was sich ziemlich schnell offenbart, wenn man den vom Bahnhof aus etwa zehn minütigen Weg in die Innenstadt auf sich nimmt. Sei es das römische Amphitheater, dass sich als erstes vor einem auftut oder der Piazza delle Erbe; schnell wird klar, Verona versprüht mediterrane Wärme und Fröhlichkeit! Lediglich den Balkon von Giulietta hatte ich mir etwas pompöser vorgestellt. Trotz allem lockt die berühmte Erzählung William Shakespeares noch immer genügend (asiatische) Touristen in die lebendige norditalienische Stadt.

Ebenfalls recht annehmbar scheint das Städtchen Vicenza daherzukommen, welches unweit von Venedig liegt und gegen den frühen Nachmittag aufgesucht wurde. So ganz kann dies unsere Gruppe allerdings nicht beurteilen, da die Zeit, welche man in Verona verbrachte, nun in Vicenza fehlte. Dieser Tatsache geschuldet, wurde direkt der Weg zum Stadion angetreten. Jenes wurde nach dem hier geborenen Spieler Romeo Menti benannt, der wie viele andere Spieler beim Flugzeugabsturz von Superga sein Leben liess.

Per pedes ist die Strecke zur Spielstätte in einer guten Viertelstunde zu bewältigen, wo es zu doch recht stattlichen Preisen drei Karten für die Gegentribüne zu erwerben galt, was glücklicherweise trotz arg beschränkten Italienisch-Kenntnissen problemlos vonstatten ging. Wenig später nahm man also Platz auf selbiger Tribüne und wendete seinen Blick abwechselnd auf Heim- und Gästekurve, während einem die Sonne schön warm in den Nacken und später dann ins Gesicht schien. Grundsätzlich wird dies jeweils als störend empfunden, doch am heutigen Tag diente es als gute Ausrede dafür, den Blick des öfteren dem Spielgeschehen zu entziehen. Denn was dort auf der grünen Rasenfläche gezeigt wurde, verdiente wenn dann lediglich das Prädikat Grottenkick. Logisches Schlussresultat daher ein torloses 0:0.

Auch die Zuschauerzahl war eher ernüchternd am heutigen Samstag, so hatten sich nur gerade 7’493 Zuschauer in das weite Rund verlaufen. Dies ist mitunter durch die jüngere sportliche Vergangenheit der lokalen Calcio-Vereinigung zu erklären, welche zur letzten Spielzeit noch bis einige Runden vor Schluss um den Aufstieg mitgeredet hatte. In der jetzigen Saison drohen allerdings mehr und mehr die Lichter auszugehen.

Etwas besser steht die US Avellino da, die wiederum von einer motivierten Schar Tifosi begleitet wurde, welche neben einer gröberen Auseinandersetzung im eigenen Block wie gewohnt gute akustische Unterstützung leisteten. Gegenüber fand man eine zwar gut gefüllte, von der Lautstärke her aber doch etwas enttäuschende Heimkurve vor. Immerhin wurde ab und an etwas mit den in Italien beliebten Rauchtöpfen gespielt.

Dies goutierte natürlich das zahlreich vorhandene Hoppervolk, welches ebenfalls den Doppler mit Verona auf dem Radar hatte. Hinsichtlich der zweiten Partie galt es also gegen Ende der Spielzeit hin aufzubrechen, um in Verona rechtzeitig vor Ort zu sein.

Tags :
20. Februar 2016