Dass in Island auf ansprechendem Niveau Fussball gespielt wird, ist spätestens seit der EM 2016 bekannt. Damals drangen die «Vikinger» bis in den Viertelfinal vor, boten auf dem Weg dorthin dem späteren Europameister Portugal Paroli und eliminierten Fussballnation England. Auch auf nationaler Ebene hat der isländische Fussball trotz lediglich 400’000 Einwohnern einen grossen Schritt gemacht – belegt durch die jüngsten Vergleiche auf internationalem Parkett. So sind auch die beiden Hauptstadtklubs Vikingur und Valur Reykjavik in der Qualifikation zur Conference League unterwegs und nebenher seit über einem Monat unbesiegt.
Passend zum Spitzenkampf im isländischen Oberhaus präsentiert sich die Kulisse – trotz des generell hohen Preisniveaus auf der Insel, wo beispielsweise ein Fussballticket mit 23 Franken zu Buche schlägt und ausserdem nur digital angezeigt wird. Auf der einzigen Tribüne auf der Gegengerade hat sich eine kleine Gruppe Vikingur-Fans eingefunden, die das Spiel stehend verfolgt und einschlägige Gesänge anstimmt, wie man sie sonst eher in Stadien von Carlisle bis Truro hört.
Apropos England: Der ehemalige Premier-League-Stürmer Gylfi Sigurdsson musste noch vor der Pause – nachdem sein Torwart die rote Karte gesehen hatte – aufgrund einer Systemanpassung frustriert seinen Platz räumen. Wenige Augenblicke zuvor hatte Valur die Führung erzielt. Trotz dieses doppelten Nackenschlags bewiesen die Gastgeber Moral und kamen nach dem Seitenwechsel in Unterzahl zum Ausgleich. Der hielt bis zur vorletzten Spielminute, ehe das Siegtor für die Gäste grosse Gefühlsausbrüche auslöste – nicht gerade wie beim Eyjafjallajökull, aber doch laut genug, um die Hälfte der 1’640 Zuschauer mitzureissen.
Das späte 1:2 ist bitter aus Sicht des aufopferungsvollen Heimteams und sorgt für eine Konsolidierung im Titelrennen, das unterjährig und mit Meister- und Abstiegsrunde bis Ende Oktober ausgetragen wird: Valur steht neu an der Tabellenspitze innerhalb des punktgleichen Trios um Vikingur und Breidablik.



















