Gut sichtbar am Hang des Pentadaktylos-Gebirges steht der Satz «Ne Mutlu Türküm Diyene» – auf Deutsch: «Glücklich, wer sagt: Ich bin ein Türke». Er stammt von Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der modernen Türkei. Ursprünglich aus weissen Steinen gelegt, ist er heute als Schriftzug gemalt. Rechts daneben zieht sich die nordzypriotische Fahne über rund 400 Meter Breite. Bereits von der Hauptstadt Nikosia ist sie deutlich zu sehen – selbst nachts, wenn die Fahne beleuchtet wird und beim modularen Einschalteffekt zuerst die türkische Flagge im Dunkeln erscheint. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.
Nach der türkischen Militärintervention 1974 und der Ausrufung der Türkischen Republik Nordzypern 1983 entstand ein De-facto-Staat, der international einzig von der Türkei anerkannt ist. Bis heute ist die Besetzung des zypriotischen Nordens Thema in der Gesellschaft – nicht mehr in Form eines eskalierenden Konflikts, sondern eher als verpasste Chance, das Land wirtschaftlich und touristisch stärker zu positionieren und zu einen.
Auch kulturell ist der Grenzübertritt spürbar. Wer in der touristischen Ledrastrasse den Grenzposten von Nikosia passiert und nach «Lefkosa» schreitet, wie die Stadt im Norden heisst, bemerkt sofort die Unterschiede: Minarette mehrerer Moscheen prägen das Stadtbild, die Gassen sind enger, die Läden kleiner, und anstelle etablierter Modehäuser treten Basare und Stände mit gefälschter Ware.
Selbst ein Spielbesuch im Atatürk-Stadion am nördlichen Stadtrand erinnert stark an die Türkei. Sesamringe sind hier ebenso präsent wie die Polizei, und auf den Rängen wird lautstark Polemik geschürt. Rund 250 Zuschauer haben im weitläufigen, sehenswerten Rund Platz genommen und kommentieren jede vermeintliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters.
Beim Duell zwischen Yenicami und Dogan Türk Birligi sind die Gäste spielbestimmend, jedoch steuert das Spiel nach einem schönen Kopfball gegen die Laufrichtung des Torhüters auf ein Remis zu. Je ein Platzverweis in der Schlussphase bringt nochmals Hektik. Die erste Rote Karte mündet nach einem Konter und einer Notbremse in der glücklichen Führung der Gastgeber. Doch mit der letzten Ecke fällt doch noch das verdiente 2:2, sodass Yenicami den erst zweiten Saisonsieg im nordzypriotischen Oberhaus knapp verpasst.


















