Groundhopping

ZSKA Moskau II – FK Rostow II (14.04.17)

Ihren Ursprung findet diese Reise an einem kalten Dezemberwochenende in München. Nach der Rückkehr vom Spiel in Augsburg wärmen sich Jonathan und ich in seiner Wohnung auf. Man redet, schwelgt und träumt von Reisezielen. Fast automatisch folgt schliesslich ein Blick in das bekannte Reiseportal Kayak. Prompt ist dort ein billiger Flug von München nach Domodedovo zu finden. Dieser Flughafen mit Potenzial zum Zungenbrecher liegt in der Agglomeration Moskaus und wird im April von einer gewissen «S7» angeflogen. Hinter dem Kürzel versteckt sich die «Siberia Airlines», von deren Existenz ich bis zu jenem Zeitpunkt nicht einmal wusste.

Bekanntlich enden die schlechtesten Ideen jeweils in den besten Erinnerungen und so buchten wir diese Flugverbindung ohne gross nachzudenken noch am selbigen Abend. Schliesslich war es für beide von uns ein langgehegter Wunsch, einmal einen Blick hinter den Eisernen Vorhang werfen zu dürfen. Und so fügten sich die Dinge im Laufe des Frühjahrs immer mehr. Statt auf eine Agentur zurückzugreifen, nahmen wir die VISA-Sache selbst in die Hand. Dies ist zwar reinster bürokratischer Terror, spart einem aber gut und gerne einen knapp dreistelligen Betrag. Dieser kann dann wiederum in die Hotelfrage investiert werden, wo wir bei unserer ersten Buchung nach der Frage einer Einladung schlicht ein «No visa support» als Antwort ernteten. Dann halt eben nicht. Diese Einladung braucht nämlich ein jeder visapflichtige Reisende. Also den finanziellen Rahmen für das Hotel etwas nach oben korrigiert und ein zentrales Hotel einer bekannten Kette gebucht. Hier wurde uns sofort tatkräftig unter die Arme gegriffen und ohne Anfrage das nötige Formular zum Ausfüllen zugesandt. Sinn und Zweck der Sache ist es wohl, dass im Kreml Gewissheit herrscht, dass jeder Tourist in absehbarer Zeit das russische Hoheitsgebiet wieder verlassen wird.

Viel offener und freundlicher kommt hier mein lokaler Kontaktmann daher, der mir vorab jeden möglichen Spieltermin während unseres Besuches am Osterwochenende inklusive entsprechender Wegbeschreibung zur Spielstätte heraussuchte. Das Hauptspiel sollte übrigens der Klassiker zwischen Spartak Moskau und Zenit St. Petersburg darstellen.

Kommen wir zur eigentlichen Sache, sprich zur Reise und dem Fussball. Der Flug mit der Gesellschaft aus Sibirien gestaltete sich, abgesehen eines erstmaligen Schwächeanfalls meinerseits, sehr angenehm und auch die Verpflegung vermochte zu überzeugen. Besonders schön sind hier die noch immer vorhandenen kommunistischen Grundzüge zu sehen. Während der ganzen Flugzeit wird nämlich äusserst laut und ausgiebig miteinander kommuniziert, wobei nach dem Servieren des Essens sofort Ruhe einkehrt und sich ein jeder Passagier gierig der Nahrungsaufnahme widmet. Der verfrühten Ankunft folgte eine äusserst gründliche Passkontrolle, ehe wir endlich den Aeroexpress besteigen durften und eine gute halbe Stunde später in der Moskowiter Innenstadt aus dem Zug stiegen. Da die Zeit bereits fortgeschritten war, beschränkten wir uns nach dem Hotelbezug auf einen kleinen Mitternachtssnack, ehe wir im leichten russischen Schneefall den Weg zurück zur Unterkunft in Angriff nahmen und den ersten Reisetag damit für beendet erklärten.

Am Freitag wurde die Innenstadt rund um den Roten Platz besichtigt und am Stadion von ZSKA Karten für das Spiel vom Samstag erworben. Die Stadt ist wirklich extrem beeindruckend. Für eine detaillierte Schilderung sowie Bilder möchte ich jedoch auf den nächsten Beitrag verweisen. Da die Zweitvertretungen der Vereine aus der «Premjer Liga» in einer eigenen Liga spielen und mit dem Profiteam durch das Land ziehen, kann der Fussballfan jeweils am Vortag des eigentlichen Spiels nach Wunsch noch eine Jugendpartie mitnehmen. Klar hatte ich mir die Gegebenheiten für meinen 30. Länderpunkt etwas pompöser vorgestellt, doch einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. So wurde nach einem unglaublich leckeren Stroganoff das Stadion «Oktyabr» an der westlichen Stadtgrenze angesteuert. Naheliegend, dass der Name des Oktoberstadions von der russischen Revolution herrührt.

Vor Ort folgte die erste Enttäuschung. Statt dem ansehnlichen Hauptplatz mit Ausbau wurde heute auf dem Kunstrasen nebenan, der lediglich über wenige Sitzreihen verfügt, gekickt. Hätte ich dies vorher gewusst, hätte man sich diesen Abstecher wohl gespart. Nichtsdestotrotz betraten wir nun die Anlage, was mit einer kostenlosen und sehr schmuckhaften Eintrittskarte belohnt wurde. Auch das schnelle Spiel auf erstaunlich hohem Niveau wusste durchaus zu gefallen. ZSKA war den Gästen aus der Stadt am Don individuell überlegen und kam vor 150 Zuschauern zu einem verdienten 2:0 Heimsieg. Trotz allem war ein jeder Anwesender wohl froh, als bei lediglich drei Grad Celsius schliesslich der Schlusspfiff ertönte.

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24. Mai 2017