Groundhopping

Frosinone Calcio – Spezia Calcio (14.04.18)

Noch im vergangenen Jahr erfüllte ich mir mit der Flugbuchung in die italienische Hauptstadt einen langgehegten Wunsch. Der gewählte Zeitraum von Samstag bis Donnerstag sollte garantieren, endlich das Römerderby besuchen zu können. Durch die englische Woche würde das Gastspiel von Atalanta Bergamo in Benevento einen weiteren Programmpunkt darstellen. In meinem Umfeld zeigten sich die Kollegen Cédric und Thomas vom Rahmenprogramm angetan. Letzterer entschied sich schlussendlich gegen unser Duo und dafür, die Reise nach Rom in Begleitung seiner besseren Hälfte anzutreten.

Die Verantwortlichen der Serie A schwiegen sich über die exakten Anspielzeiten gewohnt lange aus, sodass bis anhin nur der Hinflug nach Rom am Samstag und der Rückflug von Neapel am Donnerstag feststand. Anfang April wurden die Terminierungen endlich bekannt gegeben und der Reiseplan nahm konkrete Formen an. Trotz diversen Möglichkeiten einigten wir uns auf vier Spiele sowie die Entscheidung, das Spiel in Avellino aus wegtechnischen Gründen dem ursprünglich präferierten Duell in Terni vorzuziehen. Das Heimspiel des vorletztjährigen Erstligisten machte am Samstagnachmittag den Auftakt. Rom grüsste mit bestem Wetter und warmen Temperaturen. So kreuzten wir beide mit kurzen Hosen für die Fahrt nach Frosinone am Termini auf. Kürzer war nur der bereitgestellte Zug, der mit zwei Komposition bis ins vier Stunden entfernte Benevento ratterte. Totales Missmanagement oder schlicht Italien in vollen Zügen…

Während der Fahrt kamen wir mit den Glubb-Fans Torsten und Matthias ins Gespräch, die sich ebenfalls, nach zehn Jahren Abstinenz, dem morgigen „Derby della Capitale“ verschrieben hatten. Schliessfächer fanden sich in Frosinone keine, dafür zeigten sich die Freunde und Helfer von der lokalen Polizeistation nach kurzer Diskussion einverstanden, bis zu unserer Rückkehr auf die Rucksäcke aufzupassen. Zu viert wurde ein Taxi geentert und unter Vorlage des Ausweises vier Karten zu je 20 Euro gekauft. Seit der laufenden Spielzeit trägt der ambitionierte Gastgebers seine Spiele im neuen Stadion mit dem Namenszusatz Benito Stirpe aus. Ob sich der ehemalige Präsident über diese Widmung gefreut hätte, ist fragwürdig. So zieren unästhetische Sitzschalen in diversen Farben die Stahlrohrtribünen. Damit erinnert es an die Variante aus Udine, macht durch das Metallgerüst aber einen ungleich provisorischeren Eindruck.

Im Hinblick auf das bevorstehende Duell auf dem Rasen, erwartete die ganze Reisegruppe ein, auf dem Aufstiegsplatz stehendes Heimteam, dass die Affiche dominiert. Einige Zeigerumdrehungen später wurden wir allesamt eines Besseren belehrt. Kein Team wusste dominant aufzutreten; im Gegenteil, es entwickelte sich ein katastrophales Fehlerfestival vor 10’267 Zuschauern. Definitiv eines der schlechtesten Spiele auf Profi-Ebene, welches ich je gesehen habe. So verwundert es wenig, dass die beiden einzigen Tore jeweils vom Elfmeterpunkt aus fielen. Der Ausgleich der Gäste zum 1:1 erfolgte gar erst in der Nachspielzeit. Mich freut es – Frosinone wäre in meinen Augen definitiv keine Bereicherung für die Serie A. Die Heimkurve rund um die Hauptgruppierung „Frusinati“ bot auch nicht viel mehr als ein laues Lüftchen und Gäste gab es nur eine Busladung voll. Einzig die Gruppierung „Über Alles“ auf der Heimseite, schien einen aktiven Eindruck zu machen und sich bei der Namenswahl von deutschen Fanszenen inspiriert haben zu lassen.

Der Fussmarsch zurück zum Bahnhof bot einen passablen Blick auf die erhöhte Altstadt. Wir entschieden uns jedoch gegen einen Besuch und für eine verfrühte Rückkehr in die Hauptstadt, wo wir uns nach einem langen Tag von den beiden Franken verabschiedeten und bald darauf den Weg in die Horizontale suchten.

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25. April 2018