Groundhopping

FC Locarno – FC Baden (20.09.15)

Nachdem unser Zimmer in der Nacht noch von irgendwelchen besoffenen Poltergeistern heimgesucht wurde, lief man nach der morgendlichen Dusche einem dieser Herren doch direkt in die Arme. Die Augen noch halb geschlossen, standen die Haare bereits in jede erdenkliche Richtung ab, sodass er mit seinem Pullover und dessen Aufschrift „Praha-Drinking-Team“ sowie der Alka-Seltzer-Tablette im Glas zu seiner Rechten ein durchaus amüsantes Bild abgab. Der Grund unsererseits, dass uns solche Nachwirkungen nächtlicher Eskapaden erspart blieben war der zeitige Pflichttermin im schönen Locarno, welches wir im Anschluss an eine kurze und ereignislose Zugfahrt erreichten.

Vor dem Spiel blieb dank der frühen Abfahrt somit noch genügend Zeit für einen Abstecher auf den Cardada, den Hausberg des Städtchens. Oben angekommen genoss man vor allem das Panorama von der Aussichtsplattform über den Lago Maggiore und die Bergwelt. Hinunter ging es abermals per Bahn, sodass noch Zeit blieb, die kulinarischen Bedürfnisse bei warmem Sommerwetter zu stillen, ehe sich unser Duo noch für einige Zeit an den See setzte und flanierte beziehungsweise doch noch etwas Schlaf nachholte.

Für 8 Franken wurde einem anschliessend Einlass ins Stadio Lido gewährt; allerdings erst nach den peniblesten Einlasskontrollen, die ich je erlebt habe. Da wurde sogar meine Zahnbürste argwöhnisch begutachtet und der Rasierer beinahe als tückisches Wurfgeschoss mit Gefahrenpotenzial abgetan. Ziemlich genervt wandte ich mich aufgrund dieser Malträtur an den einzigen Offiziellen der der deutschen Sprache mächtig war und uns widerwillig den Grund für das Prozedere zu erklären versuchte. In Mendrisio sei bei der letzten Partie eben „etwas passiert“. Müsste ich jetzt im Nachhinein raten, würde ich sagen eine Pyro wurde gezündet. Oder waren es tatsächlich irgendwelche Chaoten, die mit einem Böller das Tessin sprengen wollten? Es wird wohl kaum ein nennenswerter Zwischenfall gewesen sein, ansonsten wäre man von den Aspiranten aus dem Umfeld bereits durch mobile Kommunikation informiert worden oder hätte dies den in solchen Fällen gängigen Seiten entnommen. 😉

Somit also zusammen mit dem Dutzend Badener Fans einfach einmal mehr Opfer von paranoiden Sicherheitschefs geworden. Wäre ja noch einigermassen verständlich gewesen, falls die Verantwortlichen statt dem einen obligaten Sicherheitsmenschen für einmal einen zweiten positioniert hätten, aber dass quasi jeder Gästefan seinen eigenen Bewacher hatte finde ich dann doch arg übertrieben. Klar, dass Baden mit ihrer Anhängerschaft in der vierten Liga weiterhin eine Rarität bleibt, aber gerade als ehemaliger Profiverein sollte man doch zumindest in einem gewissen Rahmen das Gefahrenpotenzial einer Fangruppierung richtig einschätzen können. Regelübertretungen gab es natürlich nicht und wenn dann nur auf dem Rasen, wo der Gästetorhüter aufgrund einer klassischen Notbremse bereits früh des Feldes verwiesen wurde. Den fälligen Strafstoss verwandelten die Tessiner souverän. Auch in der Folge diktierten sie die Partie und führten nach 20 Minuten, wohl auch durch die Überzahl bedingt, schon mit zwei Längen. Dies freute auf der Heimseite die wenigen Supportwilligen, mitunter einen im Auto sitzenden Fan, der ständig irgendwelche Rhythmen auf der Hupe spielte. Erinnerungen an das gestrige Spiel kamen auf, wo der Aussenseiter auch früh klar im Hintertreffen lag, schlussendlich aber noch die Kehrtwende erzwang. Und tatsächlich war es dann auch so. Im zweiten Abschnitt drehten die Aargauer mächtig auf und konnten unter der Obacht vom 230 Zuschauer trotz Unterzahl dank einem späten 2:2 dem Aufstiegsaspiranten zumindest den einen Punkt abluchsen.

Für uns ging es in der Folge mit der Erkenntnis, das Mallorca der Deutschschweizer wie auch einige neue debattierfreudige Kumpanen gefunden zu haben, wieder in die Heimat.

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20. September 2015