Groundhopping

SV Austria Salzburg – Austria Klagenfurt (31.07.15)

Wochenendtrips stehen bei mir in diesem Jahr bekanntlich besonders hoch im Kurs. Ich finde es halt einfach angenehm, wenn man nicht zu viele Ferientage opfern muss um den geliebten Fussball sehen zu können. So gibt es auch nicht einmal lange Ferien denen man danach monatelang nachtrauert sondern ist immer wieder auf Achse. Das aktuelle Wochenende rund um den Schweizer Nationalfeiertag sollte zwei Partien, jeweils eine auf österreichischem sowie eine auf deutschem Boden, mit sich bringen. Konkret gemeint ist damit zuerst den Heimauftakt der Austria miterleben, ehe am nächsten Tage ein Besuch bei Wacker in Burghausen anstehen sollte. Ziemlich bald aber wurde bekannt, dass die in Burghausen geplante Partie der Regionalliga Bayern vorverschoben wurde und nun zeitgleich mit jener der Austria stattfinden würde. Es war also nun einmal mehr an der Zeit umzudisponieren. Und es wurden Prinzipien gebrochen. Denn man sah, dass die Pest aus Salzburg an jenem Wochenende den Wiener Sportklub Rapid empfangen sollte. Und wenn ich mir jemals ein Spiel des Salzburger Produktes ansehen sollte, dann gegen Rapid. Zudem bot sich mir so die Möglichkeit, die in den Medien und Fanforen überpräsente Kritik an der Fussballabteilung des Brausekonzernes auf das Gründliche zu testen und allenfalls zu bestätigen.

Begleiter für die Tour sollten zwei Kollegen aus dem Umfeld spielen, wobei der eine jedoch noch vor dem richtigen Beginn der Reise bereits wegfiel, da der gute Herr zur Abfahrtszeit anscheinend noch friedlich im Land der Träume weilte. Prinzipiell schreibe ich ja meinen Mitreisenden am Morgen nochmals wenn es richtig früh raus geht. Diesmal erfolgte die „Kontrolle“ allerdings schon am Vorabend, was sich prompt rächen sollte. Naja schade, so ging es also „nur“ zu zweit auf in Richtung Mozartstadt, wo ein hoppertechnisches Traumwochenende bevorstand. Ich meine in welcher Stadt auf unserem Planeten haben die beiden Rivalen am gleichen Wochenende ein Heimspiel? Berlin, Hamburg, Sevilla? Mitnichten!

Die Anreise gestaltete sich dank dem altbewährten Bayern-Ticket äusserst kostenfreundlich, ganz im Gegensatz wenn man statt der Route über München via Innsbruck nach Salzburg gefahren wäre. Nach Ankunft direkt einmal das Gepäck im Schliessfach verstaut und ab in Richtung Schwanenstadt, welches kurz vor Linz liegt. Denn dort sollte die von Fans ins Leben gerufene Austria ihr erstes „Heimspiel“ im Profifussball bestreiten. Der Makel mit dem Exil trat ein, weil man in Salzburg mit dem Stadionumbau noch nicht bis zum Saisonstart fertiggeworden ist. Eigentlich galt lange Zeit das nähergelegene Vöcklabruck als Ausweichstätte, nach den Tumulten rund um das Pokalspiel gegen Sturm Graz hat man seitens der Gemeinde aber eine weitere Zusammenarbeit abgelehnt. Dass es zu Ausschreitungen kam ist zumindest in gewisser Weise „verständlich“, zumal man das erste Mal seit der Gründung einen namhaften Verein mit einer guten Fanszene als Gegenüber hatte. Das motiviert natürlich Althauer und Szenegänger. 😉

Was nicht bedeutet dass ich das dort Geschehene gutheisse; trotzdem steckte etwas mehr dahinter als vielen Leuten bewusst war. Nun aber zurück zur Zugfahrt an den heutigen Austragungsort. Dort teilte man das Abteil mit zwei Austria-Fans, welche es fertig brachten, sogar ohne Fahrkarte bei der Kontrolle noch einen ermässigten Preis auszuhandeln. Zudem reklamierte der eine sogar noch über die zu hoch aufgedrehte Heizung.

Man stelle sich mal vor, da bezahlen die nur ab den letzten Halt obwohl sie seit Salzburg im Zug hockten, schaffen es mit viel Wortwitz und etwas Schwindel den Preis zu drücken und dann reklamiert der eine mit dem Bier in der Hand noch stinkfrech über zu hohe Temperaturen. Ich feier solche Leute ja! In der Schweiz hätte das aber wohl etwas anders ausgeschaut. So etwa mit dreistelliger Busse und Rauswurf und nicht mit zwei tief zugedrückten Augen. Nach einer knappen Stunde Fahrt erreichte man den besagten Austragungsort, wo man ungewolltes Dorf-Sightseeing betrieb, da das Stadion am anderen Ende der Häuseransammlung lag. Viel mehr zu sehen als einen Supermarkt für den Biernachschub unserer neuen Austria-Freunde gab es allerdings nicht zu sehen. Insgesamt waren die zwei doch recht umgänglich und ich erfuhr doch noch das eine oder andere Detail über den Club, was mir vorher nicht bekannt war. So zum Beispiel, dass man bei der Gründung des Vereines extra die Farbe violett wählte, um politisch neutral zu wirken und als Verein dazustehen, der für jeden ein Zuhause bietet.

An der Spielstätte angekommen merkt man schnell, dass hier noch alles recht provisorisch ist, zum Beispiel, wenn man Matchtickets an der umfunktionierten Tierkörpersammelstelle verkauft werden. Charmant-makaberer Fussballflair hier im Salzburger Umland!

Trotz Exil fanden 2’650 Zuschauer den Weg nach Schwanenstadt. Darunter auch eine Busladung mit jungen Casuals aus Klagenfurt, die mit ihrem typisch englischen Support jedoch nicht gegen die lautstarken Heimanhänger ankamen. Immerhin pyrotechnisch ging diese Runde an die Gäste, nach dem Fall Vöcklabruck aber verständlich, schliesslich will man nicht die wohl letzte Möglichkeit auf Profifussball vergeigen. Zu lange war der bemerkenswerte Weg zurück.

Spielerisch präsentierten sich die beiden Aufsteiger zu Beginn ebenbürtig, allenfalls mit leichten Vorteilen für die Klagenfurter, was ihnen praktisch mit dem Pausenpfiff die Führung bescherte. In Abschnitt zwei dann anfangs eine Druckphase der Gastgeber, welche prompt zum 1:1 Ausgleich führte und den Lautstärkepegel auf eine ziemlich ansprechende Höhe anschwellen liess. Anschliessend gab es auf beiden Seiten noch Chancen auf den Lucky Punch, es blieb jedoch beim gerechten Unentschieden im Stadion Vor der Au, wo lediglich die Haupttribüne nicht aus provisorischem Stahlrohr besteht. Trotz fehlender Überdachung der Fantribüne ein sehr guter Auftritt von den Herren rund um die Union Ultra und den Lunatics.

Somit habe ich nun also die halbe Liga komplettiert, was nach Schlusspfiff mit Longdrinks gebührend gefeiert wurde, allerdings ist das Trinken solcher Dinger innerhalb von zwei Minuten (weil der Zug wartet) nicht die beste Idee, wie sich dann auf dem Rückweg herausstellen sollte.

In Salzburg nur die Austria!

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31. Juli 2015