Groundhopping

SV Wiesbaden – SpVgg Oberrad (07.03.15)

Deutschland gehört definitiv nicht zu meinem „Lieblingspflaster“ wenn es ums Hoppen geht und trotzdem findet man sich doch in relativ kleinen Abständen am Spielfeldrand in der Republik wieder. So auch diesmal, als man bereits vor längerer Zeit den Entschluss fasste, die Mainzer zu besuchen und somit einen weiteren Ground in Deutschlands zu kreuzen. Grund dafür, dass der Besuch „erst“ jetzt erfolgt, war die Tatsache, dass ich bis zu einem Abendspiel der Mainzer gewartet hatte und mir so einen „Doppler“ erhoffte.

Typischerweise spielten Wehen Wiesbaden und die Zweite von Mainz an diesem Samstag aber auswärts (Offenbach zwar mit einem Heimspiel aber erst am Sonntag) und so musste man in den unteren Ligen nach Alternativen suchen, da man den sonstigen Heimteams an diesem Tage bereits irgendwann mal einen Besuch abgestattet hatte und es bekanntlich ein wenig das Wesen des Groundhoppers ist, ein Stadion nur einmal zu besuchen. Schlussendlich ergaben sich zwei Optionen: Ein Regionalligaspiel von Waldhof Mannheim oder die Oberligapartie des SV Wiesbaden. Nach Absprache mit meinem diesmaligen Begleiter Jens entschied man sich für die Variante Wiesbaden, die ich im Nachhinein (trotz der tieferen Spielklasse) nicht bereue.

Und dann kam er auch schon bald, der Tag an dem das Ganze in die Tat umgesetzt werden konnte. Die Planung ist ja immer das eine, die „Ausführung“ dann das andere. Mir macht beides fast gleich viel Spass. Über Basel erreichte man um die frühe Mittagszeit die Börsenstadt Frankfurt, wo gerade noch genug Zeit blieb, um schnelleren Schrittes durch die Stadt zu schlendern und sich der Nahrungsaufnahme zu widmen, ehe auch schon die S-Bahn in Richtung Wiesbaden bestiegen wurde. Vom Bahnhof in Wiesbaden aus sollte dann unweit der Helmut-Schön-Sportpark zu finden sein, doch der Autor dieser Zeilen liess sich von der Karte trügen und so war es doch knapp eine Viertelstunde zügiger Fussmarsch, denn man hinter sich brachte um rechtzeitig zum Anpfiff vor Ort zu sein. Dem heutigen Austragungsort angrenzen tut die Brita Arena, ihrerseits karge Heimstätte des Drittligisten Wehen Wiesbaden. Da weiss der nach dem erfolgreichsten Trainer der Deutschen Elf benannte Sportpark mit seinem Flair doch viel eher zu gefallen. Neben der kleinen Tribüne mit den roten Sitzschalen sind auf der Gegengerade alte Holzbänke und auf der Seite Stehstufen mit Wellenbrechern zu finden, an denen der Zahn der Zeit nagt. 10/10 Punkten!

Einfach sympathisch das Ganze, genau sowas wünschen sich Fussballromantiker wie ich einer bin. Eine alte Oma, die dir deine Eintrittskarte mit einem freundlichen Lächeln in die Hand drückt und nach dem Spiel wohl die Tenues der Spieler waschen wird, ein insgesamt volksnaher Verein, der seinen Trainer auch nach der dritten Niederlage in Folge nicht gleich zum Teufel jagt. Ein Publikum, bei dem man neben den ganz kleinen Junioren auf der Tribüne die etwas älteren findet, mit Sonnenbrille und in lässiger Sitzhaltung den Kater ausbadend, nachdem man am Vorabend noch etwas zu tief ins Glas geschaut hatte, aber nur soweit, dass es fürs heutige Heimspiel des früheren Vereins gerade noch gereicht hat. Einfach authentisch. Ich kann mich nur wiederholen: Fussball wie er sein sollte und wie ich ihn ganz besonders mag.

Auch wir setzten uns auf eine der roten Sitzschalen und kaum abgesessen stiess mich Jens in die Seite und sagt: „Schau mal, da kommt Walter Frosch!“ Und wäre die Pauli-Legende, dessen Weltanschauung mir noch gefallen hatte, nicht leider vor etwas mehr als einem Jahr verstorben hätte ich wirklich geglaubt er sei es. Ein wahrhaftes Abbild des „Zigaretten-Mannes“. Wer sich jetzt fragt Walter Frosch? Zigaretten? Keine Angst, das kultige Interview findet Ihr hier und ansonsten kann ich euch Nachhilfe auf Wikipedia empfehlen.

Gespielt wurde übrigens auch noch! Die Partie der Hessenliga, somit die Oberliga der Region und dementsprechen die fünfte deutsche Liga lockte an diesem milden Märznachmittag 351 Zuschauer an. Die Hausherren eröffneten bereits nach vier Spielminuten und einem Penalty das Score, die weiteren Tore zum klaren 4:1 Heimsieg folgten dann allesamt in der Schlussphase des zweiten Abschnittes. Während der Pause genoss man die bei Besuchen in Germania bereits beinahe obligate und schmackhafte Currywurst.

Nach diesem sympathischen Ausflug ging es erneut zügigen Schrittes zurück zum Bahnhof und in Richtung Mainz, wo ein Spiel mit etwas mehr Event, mehr Klasse und natürlich auch vielmehr Zuschauer zu erwarten war. Was einem nun besser gefällt muss jeder selber wissen…

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7. März 2015