Groundhopping

TSV 1860 München II – FC Augsburg II (11.10.14)

Nachdem es vor genau zwei Monaten nicht geklappt hatte das älteste Stadion in München zu besuchen, da das für Samstag geplante Amateurderby auf den Montag verlegt wurde, ging es nun für dieses Wochenende in die bayerische Hauptstadt um den letzten grossen Ground in München zu kreuzen. Getarnt war das Ganze als Städtetrip mit meinem Vater, der zurzeit auch Ferien geniesst und unbedingt mal nach München wollte. Da meine deutsche Liebe, der FC Augsburg, an diesem Wochenende zu Gast bei den Löwen sein sollte und ich so erstmals ein Spiel der Regionalliga sehen konnte, machte die Entscheidung noch einfacher. Da man die beiden Tage welche man in der drittgrössten Stadt Deutschland verbrachte voll auskosten wollte, ging es am Samstagmorgen bereits mit dem ersten Bus in Richtung Innenstadt zum Bahnhof. Neben uns waren zu diesem Zeitpunkt nur noch ein paar letzte Besoffene und Alkoholleichen unterwegs. Zudem war es mal beeindruckend zu sehen, wie viel Abfall an einem Freitagabend produziert wird und dann einfach auf den Boden geschmissen oder liegengelassen wird. Krass, was da die städtischen Putzequipen jeweils in der kurzen Zeit für Arbeit leisten. Respekt!

Die Fahrt nach München über Lindau empfand ich als relativ kurzweilig, zumal ich mit dem hochinteressanten und schockierenden Aufklärungsbuch „FIFA MAFIA“ von Thomas Kistner auch die passende Lektüre bei mir hatte. Pünktlich um zwanzig vor zehn fuhr man in den Münchner Bahnhof ein. Den restlichen Vormittag waren wir mit Shopping und dem Abklappern von Sehenswürdigkeiten beschäftigt, begünstigt von der Tatsache, dass ich schon diverse Male in München zu Gast war und so die Stadt kannte. Nach dem Mittagessen rückte dann der „historische“ Moment näher, denn nach exakt 2325 Tagen oder besser gesagt knapp sechseinhalb Jahren Abstinenz sollte mein Vater erstmals wieder ein Spiel mit mir zusammen live im Stadion sehen. Die letzte Partie zusammen war nämlich das Eröffnungsspiel der St. Galler Arena im Mai 2008, als die Schweizer Nationalmannschaft den Fussballzwerg Liechtenstein mit 3:0 abfertigte.
Die heutige Partie brachte etwas weniger Brisanz mit sich, trotzdem war es ein kleines Derby und zwei Städte mit Mannschaften und Anhängern, die nicht viel füreinander übrig haben.

An den Tickethäuschen des Grünwalder Stadions, welches mit vollem Namen übrigens „Städtisches Stadion an der Grünwalder Strasse“ heisst, dann zwei Einlassberechtigungen für insgesamt 14 Euro für den Gästeblock erworben und hinein ging es in die gute Stube. Genau rechtzeitig zum Anpfiff.

Auf dem Papier war die Partie eigentlich eine klare Angelegenheit, die Löwen grüssen nach 14 Spieltagen von der Tabellenspitze, während die heimschwachen Augsburger lediglich auf Platz neun liegen. Auf der Gegentribüne fanden sich dann auch ein paar Hundert relativ aktive Fans der Sechzger ein, die ihr Team nach vorne trieben und auch mit Pöbel gegen Augsburg nicht geizten. Zumindest die Augsburger auf dem Rasen liessen sich davon aber nicht beeindrucken und kamen in der 22. Minute zu einer ersten guten Möglichkeit. Nach einem Freistoss der Fuggerstädter sprang der Ball einem Verteidiger der Blau-Weissen an die Hand und der sonst nicht sehr kompetent wirkende Schiedsrichter zeigte auf den Punkt. Die Offerte wurde aber nicht angenommen, Thommy scheiterte am starken Eicher im Tor der Gastgeber. Die Führung wurde in der 32. Minute dennoch Tatsache, Merveille Biankadi traf volley unten links zum 0:1. Es sollte der einzige Stürmertreffer der Partie bleiben. Die Offensivabteilung der Augsburger agierte das ganze Spiel über äusserst stümperhaft und zu leger. So wirds nichts vom Traum der 1. Mannschaft meine Herren! Für die Gastgeber, die spielerisch mindestens ebenbürtig waren, nahm das Unheil in der zweiten Halbzeit seinen Lauf, als zwanzig Minuten nach Wiederbeginn ihr Verteidiger mit einer roten Karte vom Platz flog. Somit nahmen sich die Münchner selber aus der Partie und das wunderschöne Freistosstor vom Penaltysünder Erik Thommy in der 87. Minute zum 0:2 war die definitive Entscheidung zugunsten der Augsburger. Somit klettern sie nach diesem relativ überraschenden Sieg vor 1’060 Zuschauern vorübergehend auf den achten Tabellenplatz, während die Hausherren aufgrund dieser Niederlage auf den zweiten Tabellenplatz rutschen. Trotzdem dürfen die Löwen weiterhin von der 3. Liga träumen. Letztes Jahr blieb es den anderen Amateuren der Stadt ja vergönnt, als sich Fortuna Köln in diesem Stadion mit einem Last-Minute-Treffer den Aufstieg in die Drittklassigkeit sicherte.

Platz bietet das Stadion übrigens für mehr als 12’000 Zuschauer, wobei ein Grossteil davon hinter den Toren in den beiden Stehplatzbereichen untergebracht wird. Die Haupttribüne ist verhältnismassig klein und die Gegentribüne, auf der sich auch die Heimfans befinden, erinnert an die Tribüne in Unterhaching. Voll wird es hier allerdings nur bei den Derbys gegen die Bayern Amateure, ansonsten sollte es kein Problem sein, Tickets auch vor Ort zu erwerben.

Nach dem Ende der Partie ging es per U-Bahn wieder zurück in die Innenstadt, wo wir zuerst einmal etwas tranken und dann später noch etwas assen und schlussendlich das Nachtquartier aufsuchten, wo man noch die historische (und schöne) Niederlage der ewigen Kontrahenten gegen das polnische Team um Superstar Robert Lewandowski mitverfolgte.

Nach einer Nacht, in der ich so gut geschlafen habe wie schon lange nicht mehr, standen am Sonntag noch zwei Termine beziehungsweise Orte an, die man noch besuchen wollte. Zum einen das Schloss Nymphenburg, zum anderen den Olympiapark von München. Was wir jedoch nicht beachtet hatten war die Tatsache, dass heute der Münchner Marathon mit mehr als 20’000 Teilnehmer zum 29. Mal über die Bühne gehen sollte. Somit diverse Verspätungen im ÖV sowie volle U-Bahnen in der ganzen Stadt waren die logischen Folgen. Schlussendlich schaffte man es trotzdem beide Orte zu besuchen und etwas Positives war dem Marathon auch noch abzugewinnen. Das Olympiastadion war als Ziel des Marathon auserwählt worden und bot uns somit die Möglichkeit auch hier das geniale Stadion einmal von innen zu betrachten. Groundspotting vom Feinsten! Schade wird hier nicht mehr Fussball gespielt.

Am späteren Nachmittag ging es dann langsam zurück in Richtung Bahnhof, wo bereits der Zug zurück in die Heimat bereitstand. Leider stand dieser auch zehn Minuten nach regulärer Abfahrtszeit an Ort und Stelle und allgemeine Unruhe machte sich breit, ehe einem gesagt wurde, dass die Abfahrtszeit kurzfristig um eine Stunde nach hinten verlegt worden sei und ein anderer Zug auf einem anderen Gleis zur eigentlich vorgesehenen Zeit bereits abgefahren ist. Zurück am Bahnhof liess er aber eine Menge erboster Zugfahrer. So macht ihr euch keine Freunde Deutsche Bahn! Immer das Gleiche! Schlussendlich ging es eine Stunde später zurück in Richtung Heimat, die man bei tiefster Dunkelheit nach einem schönen Wochenende zur Überbrückung der Länderspielpause auch wieder erreichte.

PS: Für einmal gibt es auch Touristenfotos aus München, da ich eine neue Kamera besitze und somit wieder etwas hochwertigere Fotos schiessen kann.

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11. Oktober 2014