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SV Werder Bremen – SV Darmstadt (04.03.17)

Dieses Mal sollte es also klappen. Andrin unterwegs erstmals am Belgrader Derby. Von der Vorfreude geblendet, geriet dabei ein runder Geburtstag in meiner Familie ganz in Vergessenheit. Damit war die Variante Belgrad, trotz bereits gebuchtem Flug, natürlich vom Tisch. Für ein solchiges Ereignis nehme ich das jedoch gerne in Kauf.

Lediglich im Bezug auf den Kumpanen Cedric nagten etwas die Schuldgefühle an mir. Umso schöner, dass der gute Herr auch für die gekürzte Alternative zu haben war. Zwar verspürte diese Variante nicht den gleichen Reiz wie der Klassiker in Serbien; mit einem Heimspiel von Werder Bremen macht man grundsätzlich aber auch nichts falsch, zumal eine Rückfahrt in der Nacht auf Sonntag kostengünstig möglich war. Lediglich die zeitraubende Busfahrt am späten Freitagabend nach Norddeutschland gab einige Punkte Abzug in der Komfortbewertung. Während solch Fahrten denke ich zum Zeitvertrieb oft an die Momente nach dem Ausstieg oder frage mich, wie fest man seinen adipösen Freund wohl lieben muss, um zwölf Stunden auf einer halben Stuhlbreite sitzend ausharren zu können. Armes Frauchen!

Sprich, ich war nicht der einzige Fahrgast, der sich über die Durchsage freute, dass unser Gefährt nun pünktlich Bremen erreicht hatte. Bereits das Bahnhofsgebäude kann sich hier übrigens sehen lassen. Auch sonst besticht die Hansestadt durch eine kleine aber feine Altstadt. Neben den Bremer Stadtmusikanten, die hier ein Denkmal stehen haben, ist auch die Böttcherstrasse sowie das Schnoor-Viertel sicherlich ein Besuch wert. Ebenfalls zum Verweilen einladend ist der Osterdeich. Hier entlang säumen sich bei schönem Wetter und Spieltagen die Menschen am Ufer der Weser. Wir gehörten auch dazu und genossen erste frühsommerliche Sonnenstunden. Wem der Weg zum Stadion zu Fuss zu weit ist, kann mit dem Schiff auf ein untypisches aber sehr originelles Transportmittel zurückgreifen.

Die Begegnung birgt mit dem Darmstädter Trainer Frings als Ur-Bremer einiges an Brisanz, welche durch die Tabellenlage der beiden Equipen zusätzlich verschärft wird. Vor ausverkauften Rängen und somit 41’000 Zuschauern bekam der Besucher unter dem lauen Support zweier linksorientierter Kurven eine schwache erste Halbzeit präsentiert. Im zweiten Durchgang änderte sich das Bild zwar in Bezug auf die Torchancen, die Verwertung ebendieser liess jedoch weiterhin zu wünschen übrig. So muss es also ein Strafstoss richten. Max Kruse im Dienste von Werder nahm die Offerte dankend an und verwertete zum Führungstreffer für die schönsten Farben dieser Welt. Das Schlusslicht aus Darmstadt vermochte in der Folge nicht mehr zu reagieren. Im Gegenteil, in der Schlussminute fingen sich die Lilien per Konter den Treffer zum 2:0; wiederum durch den stark aufspielenden Kruse.

Damit bleiben sie in dieser Saison auf fremden Terrain weiterhin ohne Punktgewinn und müssen sich langsam mit dem Abstieg in die zweite Liga beschäftigen. Traditionalist Werder hingegen spielt weiterhin eine starke Rückrunde und darf sich mittlerweile in Richtung Mittelfeld orientieren. Ob sich für das Gesehene zwei unbequeme Nächte und insgesamt dreissig Stunden An- beziehungsweise Rückreise lohnten, bleibt zu bezweifeln. Doch in diesem Falle sind ja die eingangs erwähnten Umstände zu berücksichtigen.

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31. März 2017