Groundhopping

Atlético Madrid – Galatasaray Istanbul (25.11.15)

Mit dem letzten Heimspiel von Atletico Madrid in der Gruppenphase der Königsklasse konnte ein besonderer Glückstreffer gelandet werden, da das Stadion direkt an der Autobahn Ende Saison nach mehr als 50 Jahren nun als Spielstätte ausgedient hat. Dabei hätte ich indes nicht mehr daran geglaubt, hier noch eines Tages vor dem Abriss aufzukreuzen. Für mich als Hopper ist es aber jetzt umso schöner, dass sich das Ganze doch noch irgendwie arrangieren liess. Das Programm in Madrid präsentierte sich beinahe deckungsgleich mit demjenigen des Vortages. Nach einer frühen Abreise und dem Bezug des Nachtquartiers blieb demnach viel Zeit für Kulturelles im Stadtzentrum. Dieses präsentiert sich mitunter dank einigen prunkvollen Gebäuden als ziemlich sehenswert. Nachdem man vorerst nur mit den Augen konsumiert hatte, zog es uns um die Mittagszeit in eine Markthalle, wo man die traditionellen Paella (selbstgarniert mit Trockenfleisch) mit einem guten Tropfen Weisswein den Gaumen herunterspülte.

Ursprünglich nicht damit gerechnet, war nun sogar noch Zeit genug, um dem Stadtrivalen Real Madrid einen Besuch abzustatten. Hier wird für saftiges Geld ein geführter Rundgang angeboten oder für die etwas kleinere Geldbörse die „unguided tour“. Da weder Jonathan noch Ich gross Lust verspürten mit irgendwelchen Pappnasen im Presseraum der Reihe nach als grinsender und posierender Clubpräsident Fotos zu machen, während sich zwanzig andere Tourteilnehmer einfach nur schweigend am Rest des Raumes ergötzen, entschieden wir uns für letzteres. Als Fazit kann man sagen, dass die Schüssel, alleine bereits vom Steilheitsgrad her, mindestens so imposant wie das Camp Nou ist. Abgesehen vom wirklich eindrücklichen und kompakten Stadion ist das Rundherum meiner Meinung nach allerdings viel zu glamourös und perfekt angerichtet. Regelrecht „galaktisch“ und hat daher nicht mehr gross etwas mit der Art von Fussball am Hut, den ich so liebe.

Da ist mir der „Arbeiterclub“ Atlético schon eher sympathisch. Vor dem Besuch wurde noch etwas Shopping betrieben sowie in einer Cerveceria zu Spottpreisen Gerstensaft vertilgt.
Die Metro bringt einem in die Nähe des Stadions, durch dessen Haupttribüne, wie bereits erwähnt eben die Autobahn führt. Speziell! Weiter findet man hier entlang auch den Fluss Manzanares. Das Cateringangebot hielt sich wie immer in Spanien arg in Grenzen, was aber Jonathan, dem durchaus eine gewisse Affinität bezüglich Stadionessen nachgesagt werden kann, nicht störte. So hiess es statt Bratwurst und Bürli heute einfach Sandwich und Chips. Besonders gern isst der Spanier ja aber diese Art Kerne, die mehr Abfall als sonst was produzieren und so waren auch die Sitze neben uns übersät mit den Hülsenfrüchten.

Trotz der Nähe zum Gästeblock war vor allem Atleti zu hören. Der Preise für die Plätze mit 30 Euro, auf die Champions League bezogen, wie auch die Stimmung ganz in Ordnung. Die mitgereisten Lämmer von Galatasaray wurden von Antoine Griezmann früh zum Schweigen gebracht, ansonsten wäre der Kampf um die Stimmungshoheit wohl etwas ausgeglichener gewesen. Dieser Griezmann, der übrigens in meiner Traumelf einen Stammplatz auf sicher hätte, sorgte auch im zweiten Abschnitt für Jubel auf den Tribüne, als er seinen Doppelpack zum 2:0 schnürte. Zeitweise konnte man als einer der 35’753 Zuschauer meinen, man befinde sich beim FC Barcelona, nicht nur wegen dem ähnlichen Stadion sondern auch der Leichtigkeit wie die Madrilenen Podolski und Co. austanzten. Offensiv blieben die Türken absolut harmlos und ein Atletico in dieser Verfassung braucht auch seinen Stadtrivalen überhaupt nicht zu fürchten.

Das Duell der Hauptstädte ging also klar an die Spanier. Bereits wie am Vorabend ging es für uns nach Schlusspfiff zurück in die bescheidene Schlafeinrichtung. Dabei war man trotz der Kälte rundum zufrieden. Vor allem weil man der Abrissbirne doch noch zuvorgekommen war.

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25. November 2015