Groundhopping

Belenenses Lissabon – Lech Poznan (26.11.15)

Mit dem Estádio do Restelo hatte ich noch eine besondere Rechnung offen. Denn damals, vor nunmehr eineinhalb Jahren, stand man verzweifelt am Flughafen in Manchester und starrte ungläubig auf die Departure-Liste, wo eine dreistündige Verspätung unserer Maschine in Richtung Portugal gemeldet wurde. So konnte man das Finale der Taça de Honra, notabene das Stadtderby zwischen Sporting und Benfica im Stadion Restelo nur noch wehmütig aus der Luft betrachten. Dass man bereits so schnell wieder an den Ort der Niederlage zurückkehren würde, hätte ich nicht gedacht, aber das war ja bereits gestern der Fall. Nur etwas hat sich bis heute nicht geändert. Die portugiesische Staatsairline und damaliger Fluganbieter TAP wurde seither aus Trotz komplett gemieden.

Immerhin wählte EasyJet für mich einen Gangplatz, sodass es beim stets imposanten Landeanflug auf die Hauptstadt nicht noch zu einem schmerzhaften Déjà-Vu kam. Eine Möglichkeit wäre es ja noch gewesen, mit Pascal Mercier’s Nachtzug nach Lissabon zu reisen. Ich bezweifle jedoch, dass jener auch eine Verbindung für schlappe 10 Franken (!) gefunden hätte. Bereits äusserst routiniert wurde anschliessend, wie bereits in Porto und Madrid unser zentral gelegenes Hotel mit der Metro angesteuert. Dort gönnte wir uns eine kurze Pause und entledigten uns dem Gepäck, bevor unser Duo wieder auf die Gassen hinaustrat. Keine zehn Sekunden vergingen, bis uns ein Kleinganove mit den Worten „Cannabis, Koks?“ ansprach. Ah nö, Danke der Nachfrage. Lissabon mal wieder vom Feinsten.

Da mir die portugiesische Hauptstadt allerdings bereits bekannt war und Jonathan auch nach wiederholtem Fragen nicht sonderlich auf eine Stadtbesichtigung pochte, entschieden wir uns für die Fahrt nach Belem. Dort galt es einerseits die Kartenfrage für die abendliche Affiche zu klären und andererseits noch die sommerlichen Temperaturen am Ufer zu geniessen.

So verbrachte man mit ein paar Cerveja der Marke Superbock einen letzten warmen Tag an dem Ort, wo der Fluss Tajo ins Meer mündet. Die Sonnenstrahlen genossen auch etliche Fans der Polen, die durch die Stadt verstreut jeweils durch ihre kahlen Köpfe und dem kräftigen Körperbau leicht auffielen. In gehobener Umgebung, unweit der Promenade, befindet sich dann auch der heutige Austragungsort, wo es beim zuschauerschwachen OS Belenenses über eine Stadionkasse problemlos Karten zum Einheitspreis von 15 Euro zu erwerben gibt.

Vor Anpfiff ging es nochmals zurück in Richtung Hotel und eine verspätete Strassenbahn sorgte dafür, dass man nach Diskussionen mit dem Sicherheitspersonal bezüglich meiner Kamera erst kurz nach Anpfiff im Stadion Platz nehmen durfte. Dabei sollten hier die Verantwortlichen jedem der 1’987 Zuschauer dankbar sein. Ist schon ein äusserst dürftiger Aufmarsch, vor allem für eine Partie auf internationalem Parkett. Etwa 600 Plätze der bereits spärliche Kulisse gingen dann noch auf das Konto der Gäste, die für gewohnt gute Stimmung sorgten.

Eigentliches Highlight ist allerdings die Spielstätte selbst. Leider kam dies durch die Jahreszeit und die daraus resultierende frühe Dämmerung nicht sonderlich zum Tragen. Ansonsten bietet die offene Tribünenseite jeweils einen genialen Meerblick. Diesem hätte unser Duo dann wohl auch immer wieder Beachtung geschenkt, denn was da auf dem Rasen gezeigt wurde, war ganz tiefes Niveau. Zeigt sich jeweils schon, dass in der Europa League trotz allem noch immer einige kleine Teams den Weg ins Teilnehmerfeld schaffen. Folgerichtig kam man nicht über ein 0:0 hinaus, wobei die Gastgeber zu allem Elend auch noch einen Strafstoss in den Lissabonner Nachthimmel ballerten. Schlussendlich waren es auch die beiden Mannschaften, die in der Gruppe mit dem FC Basel und Florenz die Qualifikation für die KO-Runde nicht schafften.

Apropos Basel, dieses wurde am Folgetag mit dem Flugzeug erfolgreich angesteuert und bei der anschliessenden Heimfahrt sorgte ein Ur-Bebbi im Zugabteil mit einem mächtigen Hass gegenüber der Stadt Zürich und dessen Einwohner für Unterhaltung. Unterhaltsam dann wohl auch gleich das ideale Stichwort für eine Reise mit weitgehend unterhaltsamen Spielen, einem unterhaltsamen Begleiter und Momenten, die dieses Hobby so interessant machen.

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26. November 2015