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Betis Sevilla – Real Madrid (18.02.18)

Seit jeher trage ich (unterschwellig) eine Verbundenheit zu grün-weissen Vereinen in mir. Das beginnt in St. Gallen und führt über St. Etienne, Wien bis nach Avellino. So drücke ich denn auch am heutigen Abend dem Heimteam die Daumen, wenn die Königlichen auf den Rasen des umgebauten Stadions treten.

Bis es zum Hauptspiel der Spanienreise kommen sollte, blieb genügend Zeit für einen Stadtrundgang. Und dieser hatte es in sich. Bisher hat mich von der Innenstadt her nur Rom bei der ersten Begegnung derart umgehauen. Vor allem der „Plaza de Espana“ ist in seiner Grösse und Schönheit kaum zu überbieten. Doch auch das Quartier „Santa Cruz“ versetzte Adrian und mich in die farbigen Gassen einer kubanischen Küstenstadt. Der Reisezeitraum entpuppte sich mit seinem wärmenden Sonnenschein und den gemässigten Touristenmassen als ideal. Wer weiss, vielleicht geht es im nächsten Februar wieder auf die iberische Halbinsel. Die Heimat von Real Betis Balompié findet sich im Süden der Stadt und ist wie der Verein selbst in den Farben Andalusiens gehalten. Trotz kleinerem Palmarès überbietet die imposante Schüssel diejenige des Rivalen um mehr als zehntausend Sitzschalen. Seine Anhänger findet der Fussballclub in der Arbeiterschaft des Quartiers Heliopolis, während Sevilla rund um das Geschäftsviertel Nervion erhöhte Präsenz markiert. Bei den heutigen Kartenpreisen ist das Arbeitertum aber definitiv nicht vertreten und auch der Durchschnittsspanier dürfte sich diese Karten kaum leisten können. Traurige Entwicklung, die es zu boykottieren gilt. Ab nächstem Jahr nur noch zu Rayo Vallecano; am besten im Februar!

Zum Einlauf der Mannschaften präsentierten die Zuschauer eine Schalparade, während der aktive Kern mit einer kleinen Choreografie und dem Text „Tretet auf diesen Rasen, verteidiget dieses Trikot – Der Traum von jedem, der dafür sterben würde“ die klare Marschrichtung vorgab. Im Gästeblock hingegen wie erwartet keine Spur von Ultras Sur und Konsorten. Mit 53’486 Zuschauern war das nach einem ehemaligen Präsidenten benannte Stadion bis auf den Bereich der Madrilenen ausverkauft. Zurecht, denn Betis, wobei das „s“ nur angehaucht wird, spielt bis anhin eine äusserst ansprechende Saison.

Auch heuer starteten die Hausherren besser in die Partie, liessen vor dem Tor aber vorest die Kaltschnäuzigkeit vermissen. Damit bewahrheitete sich die alte Leier, als Youngster Asensio einen Abpraller zur Führung der Zidane-Elf einköpfte. Wer (wie zugegeben auch ich) dachte, dass der Gastgeber nun einbrechen würde, sah sich getäuscht. Mit ansprechender Unterstützung im Rücken drehten sie das Spiel. Das letzte Tor vor der Pause gehörte allerdings wieder den Hauptstädter, sodass es mit Gleichstand und Beifall in die Kabinen ging. Im zweiten Abschnitt zeigte Real Madrid schliesslich was eine Spitzenmannschaft ausmacht und zog davon. Damit war neben dem Spielwitz der Béticos auch die Stimmung eingefallen, die erst mit dem späten Anschlusstor wieder aufflammte. Doch Routinier Benzema traf in der Nachspielzeit zum 3:5 Schlussstand und machte damit auch die kühnsten Hoffnungen auf einen Punktgewinn von Grün-Weiss zunichte.

Aus sportlicher Hinsicht eines der besten Spiele, das ich bisher erlebt habe. Schön torreich, packend und mit Cristiano Ronaldo als Torschütze in dieser steilen Baute. Muss man ja auch mal gesehen haben! Das anschliessende Verkehrschaos liess uns kalt, da unser Hotel in Fussnähe der Spielstätte lag. Kurz noch eine nächtliche Stärkung, ehe das Licht nach einem gelungenen Tag ausgeknipst wurde. Am darauffolgenden Vormittag folgte die Zugfahrt zurück nach Malaga.

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13. März 2018