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Everton FC – Leicester City (07.01.17)

Wer über die englische Stadt Liverpool spricht, bedient sich bei der Suche nach einer passenden Gesprächsgrundlage in den meisten Fällen entweder bei den Beatles oder dem Verein von der Anfield Road. Nur die wenigsten verbinden den Fussballclub Everton mit der Stadt am River Mersey. Und dies obwohl der Verein bereits lange Zeit vor den Reds existierte. Ja, es kommt sogar nach besser. Der LFC, für viele durchschnittliche Fussballfans schlichtweg DER Traditionsverein schlechthin, findet seine Ursprünge nämlich in einer Abspaltung von Everton. Dies nachdem es vierzehn Jahre nach der Gründung der Toffees vereinsintern zu einem verheerenden Streit kam, welcher nicht nur die Gründung vom Stadtrivalen, sondern auch den Umzug der Blau-Weissen in den Goodison Park zur Folge hatte.

Apropos Parks, die Grünfläche namens Stanley Park ist auch gleich der einzige Flecken Erde, der die beiden Stadien voneinander trennt. Zur Herkunft des Übernamens «Toffees» ranken sich die Legenden, wobei mir die Erklärung, dass es sich hierbei um die beliebte Bonbon-Süssigkeit eines Ladens in Stadionnähe handelt, als die plausibelste erscheint. Ein weiteres Merkmal im Quartier Everton stellt der ehemalige Gefängnisturm «Prince Rupert Tower» dar, der mit seiner unverkennbaren Form nebst dem lateinischen Spruch „Nil satis nisi optimum“ das Wappen des Erstligisten ziert. Zu Deutsch bedeutet der Leitsatz etwa soviel wie „nur das Beste ist gut genug“.

Wer schliesslich an Spieltagen am Stadion aufkreuzt, fühlt sich direkt in Zeiten wie die goldene Ära unter Dixie Dean zurückversetzt. In den engen Strassen rund um das Stadion herrscht nämlich viel Gewusel, es riecht nach Essen und überall sind Fanartikel zu kaufen. Dieses mittlerweile recht selten gewordene Gefühl des klassischen Fussballs wird auch ins Stadioninnere getragen, wo Charaktertypen wie Leighton Baines, für mich übrigens optisch eine Mischung aus Radfahrer Bradley Wiggins und dem jungen Paul McCartney verkörpert, sich für die kommende Partie aufwärmen. Dank dem FA Cup war es für uns zwei auch als Nicht-Everton-Mitglied möglich, im schönsten Stadion der Insel gute Plätze zu erwerben. Vielfach sind bei Spielen im Ligaalltag nämlich nur noch Karten, die mit der Bemerkung «Obstructed View» versehen sind, zu ersteigern. Vor allem die enorm hohe Haupttribüne sowie allgemein die kompakte Bauart hat es mir angetan. Trotz Pokalspiel war die Hütte sehr gut gefüllt, schliesslich war mit Leicester City aber auch der amtierende Überraschungsmeister zu Gast. Dieser hatte in einer ausgeglichenen Partie zwar anfangs etwas das Nachsehen, konnte vor den Augen von 35’493 Zuschauer mit einem Doppelschlag von Musa in der Mitte des zweiten Abschnitts die Zügel aber herumreissen. Trotz Bemühungen auf der Heimseite blieb es, sehr zur Freude der zahlreich mitgereisten und lautstarken City-Anhängern, beim 1:2 für die Foxes.

Eigentlich müde von der frühmorgendlichen Zugfahrt an die Merseyside und dem langen Fussmarsch nach Spielende zurück in die Innenstadt, entschieden wir uns dennoch für eine «Night out». Diese sollten wir nicht bereuen. Doch, Liverpool kann was. Nebst den Beatles und Everton natürlich.

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13. Februar 2017