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FC Luzern II – FC Sursee (24.04.15)

Langsam aber sicher schrumpft die Liste an Spielstätten mit Tribünen, die in der Schweiz noch besucht werden „müssen“ unter die Marke von sechzig. Grossen Anteil daran haben vor allem die Spiele unter der Woche, da man hier die Möglichkeit hat einen Kick in der Region mitzunehmen ohne dafür gleichen einen ganzen Samstag opfern zu müssen. So auch heute, wo in der Leuchtenstadt aus mir nicht bekanntem Grunde ein Spiel der viertklassigen 1. Liga classic auf den Freitagabend vorverschoben wurde. Zwar nicht gleich um die Ecke, aber doch gerade noch nach einem Arbeitstag zu realisieren zumal man danach sowieso ins Wochenende scheidet, sodass eine späte Rückkehr keinen grosse Bedenken auslöst.

Anpfiff war um 20 Uhr und etwas vor Spielbeginn erreichte auch ich die moderne Spielstätte nach etwas mehr als zweistündiger Anreise. Das renovierte Leichtathletikstadion liegt unmittelbar neben dem prunkvollen gelb-goldigen Neubau in dem die erste Mannschaft jeweils um Punkte kämpft. Schöne Geste von wem auch immer finde ich im Übrigen, dass man den Anhänger zuliebe hinter dem Heimbereich die Stehtribüne des alten Allmend-Stadion stehengelassen hatte, welches vorher an gleicher Stelle als Heimstätte der Luzerner diente. Trotzdem meine Abneigung gegen den FCL wird auch dadurch nicht minder. Meines Erachtens einfach ein unsympathischer Verein mit ebensolchen Fans. Da musste man heute aber auf der Hut sein, zumal ich doch ein paar Aktive unter den 130 Zuschauern ausmachte, die ebenfalls den Wucherpreis für diese Partie bezahlt haben.

Einer der wohl nichts bezahlt hatte ist der Ex-Basel- und Nationalspieler Benjamin Huggel, der plötzlich neben mir an der Cateringtrese stand. Huggel arbeitet neben seinem Job beim Schweizer Fernsehen in der Nachwuchsabteilung der Luzerner. Darauf sich kurz unterhalten und seine Frage, warum ich mit meinem St. Galler Dialekt den hier aufkreuze, wobei er mich mehr oder weniger gelungen nachäffte. Kurz über meine Leidenschaft aufgeklärt ehe man auch schon zum „Gegenschlag“ ausholte, der dem Beni zuerst ein verlegenes Lachen und dann ein etwas beschämendes „in der Hitze des Gefechtes“ über die Lippen brachte. Besprochene Szene war notabene der legendäre Ausraster im Skandalspiel der EM-Barrage gegen die Türkei, als der Basler einem türkischen Betreuer beim Hinauslaufen noch einen heftigen Kick in den Rücken mitgegeben hatte. Kann mir vorstellen, dass dies mit Stollenschuhen noch recht schmerzhaft sein kann. Obwohl natürlich auch klar gesagt werden muss, dass man auf türkischer Seite mit Provokationen und Tätlichkeiten ebenfalls nicht geizte.

Die viertklassige Partie dann eher mittelmässig mit wenig zwingenden Torchancen. Die leicht zu favorisierenden Hausherren kamen schlussendlich unmittelbar nach Wiederanpiff auch als erste zum Torerfolg und ein paar Zeigerumdrehungen später machten sie mit dem 2:0 alles klar. Der Assist zum zweiten Treffer an diesem Abend lieferte übrigens der Luzerner Nachwuchstorhüter Jonas Omlin. Daran änderte sich bis zum Schluss nix mehr und für mich ging es danach mit dem Zug wieder zurück in die Westschweiz.

Eine letzte Info zum Schluss noch von meiner Seite. In der selben Liga wie diese beiden Kontrahenten spielt übrigens auch der FC Grenchen, seinerseits abgeschlagener Tabellenletzter. In 23 Partien haben die Solothurner nicht weniger als 129 (!) Gegentore hinnehmen müssen. Mit einem einzigen Sieg und beinahe sechs Gegentreffer pro Spiel klingt dies für mich doch sehr nach Negativrekord. Da darf man sich als St. Galler Anhänger ja eigentlich gerade noch glücklich schätzen.

Kleiner Nachtrag vom 12.05.15: Vor wenigen Minuten gab Benjamin Huggel bekannt, sein Amt als Nachswuchstrainer beim FC Luzern niederzulegen. Er übernimmt die Black Stars Basel. Diese spielen in der selben Liga wie der FC Luzern II und stehen im Moment nur einen Rang hinter ihnen.

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24. April 2015