Groundhopping

Paris Saint-Germain – LOSC Lille (25.04.15)

Nein, Fan bin ich trotz einer erneuten Partie mit Pariser Beteiligung nicht geworden, um dies vornweg zu nehmen. Und doch sind die Spiele bei denen das Kürzel PSG auf der einen Seite der Anzeige prangt jeweils durchaus sehr unterhaltsam. So auch dieses Mal, als man mit Kollege Flavio, seinerseits mein Nachbar in der Ostschweiz, am frühen Samstagmorgen in die Stadt der Liebe aufbrach. Grund dafür war zwar keine gemeinsame Flitterwoche sondern der 21. Geburtstag meines Begleiters. Lange Zeit hatte ich mir überlegt, wo man denn dieses Wochenende verbringen könnte. Fragt man andere Hopper gibt es darauf nur eine richtige Antwort: Belgrad! Schliesslich steht dort das „ewige Derby“ zwischen Roter Stern und Partizan Belgrad an. Oder besser gesagt zwischen der berüchtigten Roter Stern Anhängerschaft Delije (Die Mutigen) und dem Anhang von Partizan, die sich Grobari (Die Totengräber) nennen. Natürlich hatten auch wir zwei diese Partie kurzzeitig auf dem Schirm, liessen uns aber durch hohe Flugpreise und der Warnung eines Kumpels vor allfälligen Umterminierungen davon abhalten.

Somit also für die Variante Italien mit sage und schreibe vier Partien in zwei Tagen entschieden. Schlussendlich wurde aber auch diese Variante aus fehlender Attraktivität wieder fallen gelassen und man schaute sich im westlichen Nachbarland nach würdigen Kicks um. Dort stach mir sofort das Heimspiel von Saint-Etienne ins Auge, zumal man dort dank den Magic Fans und den Green Angels auch recht anständigen Support erwarten durfte. Also auf einen Samstagstermin gehofft um die dort herrschende Atmosphäre zu erleben, doch traditionellerweise wurde die Partie schlussendlich auf den für uns ungünstigen Sonntag gesetzt. Auch dieser Plan löste sich also in Luft auf, doch der Grande Nation blieb man treu und entschied sich nach Rücksprache mit Flavio für die Variante Paris, von welcher er ebenfalls sehr angetan war. Somit die Spielfrage also endlich geklärt. Ging definitiv auch schon einfacher. Als Transportmittel wählte man für einmal den Zug, obwohl ich eigentlich eher für das Fliegen bin war es insgesamt die schlauere Idee, dieses Mal den TGV direkt ins Stadtzentrum mit gut drei Stunden Fahrtzeit zu nehmen, anstatt einmal mehr den ganzen Sicherheitskram und dann noch die langwierige Fahrt in die Innenstadt mitzumachen. Und billiger als Fliegen kam das Ganze ja auch noch. So bezahlte man für die Hin- und Rückfahrt einen fairen Betrag. Als letztes musste ich mich noch um Tickets kümmern, was nicht mehr so einfach ist wie zu der Zeit als PSG noch fussballerisches Mittelmass war, schlussendlich gelang es mir aber zwei Karten über den offiziellen Weg zu erwerben. Eintrittsberechtigungen natürlich auf meine Kosten, man wird ja schliesslich nicht alle Tage 21 Jahre alt!

„When Saturday Comes“ wie der Fussballfan zu sagen pflegt machte man sich früh aus den Federn und schrieb dem Kollegen Flavio, ob er sich denn im Zeitplan befinde. Unglaublich, was der wieder einmal auf sich nimmt. Der Teufelskerl arbeitete doch tatsächlich am Abend zuvor noch bis spät in die Nacht sodass die einzige Verbindung um rechtzeitig nach Genf zu gelangen knapp sieben (statt vier) Stunden beanspruchte, drei (geplante) Umstiege beinhaltete und um Mitternacht in der Gallusstadt begonnen hatte. Gott bin ich froh musste ich diese Tortur nicht durchmachen.

Aber hier kurz eine Zusammenfassung der Geschehnisse aus der Sicht von Flavio: Zuerst ging es per Zug wie geplant nach Zürich, welches gegen ein Uhr erreicht wurde. Die nächste Stunde verbrachte er ebenfalls wie geplant im Zug nach Bern, wo auf einen kleinen Bus in Richtung Biel umgestiegen musste. Die Fahrt dauert mehr als doppelt so lange wie der Zug für die selbe Strecke benötigt und da jene Verbindung privat betrieben wird, war das Ganze auch relativ teuer. In Biel also kurz vor vier Uhr am Morgen angekommen, blieb dem armen Kerl noch mehr als eine Stunde totzuschlagen, ehe der Zug in Richtung Genf kam. Somit eigentlich zurücklehnen angesagt, aber denkste. Bis Yverdon kam er noch, ehe die Meldung über einen mit Säure beladenen verunglückten Güterzug die Runde machte. Die SBB schlug danach lächerliche Alternativrouten vor bei denen es zeitlich nicht mehr für den TGV gereicht hatte und zum Glück schrieb ich ihm in diesem Moment und konnte ihn auf das einzige Taxi vor Ort umleiten. Dieses Taxi spulte dann die restlichen gut zwanzig Kilometer bis nach Lausanne ab, wo er im allerletzten Moment noch den Zug nach Genf und somit später auch den folgenden nach Paris erreichte. Was das Taxi an diesem Morgen gekostet hat lassen wir jetzt mal weg. Schöne Bescherung SBB. Was für eine Anreise und dies alles am eigenen Geburtstag. Wie er da so ruhig und gelassen bleiben konnte bleibt mir ein Rätsel. Ich jedenfalls malte mir im Kopf bereits etliche Worst-Case-Szenarien aus.

Schlussendlich hatte sich aber einmal mehr doch noch alles zum Guten gewendet und gegen zehn Uhr fuhren wir auch schon im Pariser Gare de Lyon ein. Fahrt übrigens mit nur einem Stopp und bequemen Sitzen überhaupt kein Problem und für einmal eine echt gute Alternative zum Flugzeug. Da sich das Hotel ebenfalls in Bahnhofsnähe befinden sollte ging es zuerst dahin, wo man sich von seinem Reisegepäck trennte, ehe ein Stadtrundgang angesagt war.

Für mich ist Paris nicht Neues, insgesamt bin ich aber von den letzten Besuchen nicht all zu angetan gewesen wie die sonstigen Kollegen in meinem Umfeld, die jeweils von dieser Stadt schwärmen. Aber nach dem erneuten Besuch muss ich zugeben, so schlimm ist die französische Hauptstadt ja eigentlich gar nicht. Mit der wunderschönen Aussicht von der pompösen Sacré-Cœur, dem Louvre und der bekannten Notre-Dame beweisen die Franzosen neben dem Eiffelturm und dem Triumphbogen doch architektonischen Stil und künstlerisches Feingefühl. Vielleicht ist der Grund, dass Paris mir beim dritten Mal auch immer mehr gefällt vielleicht auch der, dass man mit solch Bauten erst etwas mehr anfangen kann, je älter man wird. Vor lauter Sightseeing beinahe die Nahrungsaufnahme vergessen, schlussendlich aber kurz verpflegt und gestärkt drängte man sich in die Metro in Richtung Prinzenpark. Das Stadion selbst ist von aussen wahrlich kein Prunkstück wie der Name vermuten lässt. Da überzeugt das nebenanliegende Rugbystadion, welches nach dem französischen Leichtathleten Jean Bouin benannt wurde, schon eher. Nach pingeliger Einlasskontrolle, bei der man im Stile einer Quittung noch mal ein zweites Ticket in die Hand gedrückt bekam, ging es hinein. Unsere Plätze situiert im Hintertorbereich auf dem Oberrang. Wir setzten uns schön mittig auf zwei alte Stühle und wunderten uns darüber, wie wenig bei der Spielstätte an Glanz und Glamour von „Herrscher“ Nasser Al-Khelaifi investiert wurde. Ob es sich in unserem Bereich tatsächlich um freie Platzwahl handelte kann ich leider nicht beantworten, da das Spiel mit 45’001 Zuschauer zwar gut besucht, allerdings nicht ganz ausverkauft war. Uns hatte zumindest niemand von den beiden Sitzen gescheucht.

Und dann ging es bei Sonnenschein auch schon los. Und wie. Noch in der ersten Spielminute (1.) traf der Brasilianer Maxwell mit einem satten Schuss zum 1:0 für die Hausherren und eröffnete somit die darauffolgende PSG-Gala. Denn nur drei Zeigerumdrehungen später (4.) traf Edinson Cavani mit einem wunderschönen Heber aus beachtlicher Distanz bereits zum 2:0. Rückblickend war das Ganze wohl eines der besten und unterhaltsamsten Spiele gewesen, die ich je gesehen habe. Noch vor der Pause war dann „Erzengel“ Ezequiel Lavezzi an der Reihe, der mit seinem Doppelpack in Minute 28. und 43. zum Pausenstand von 4:0 erste böse Vorahnungen in Richtung Gästeanhang schickte. Dieser präsentierte sich übrigens äusserst klein und auf dem gegenüberliegenden Unterrang. Das der Schwede Ibrahimovic nach einem verbalen Ausraster noch seine Spielstrafe absitzen musste schien hier niemanden zu stören. Im zweiten Durchgang wurde dort weiter gemacht, wo man vor der Seitenwechsel aufgehört hatte. Nämlich mit Tore schiessen. Zur Abwechslung schlug es in der 59. Minute allerdings auf der Heimseite ein. Marko Baša traf nach einem mustergültigen Eckball zum 4:1. Der Gastgeber liess sich durch diesen ästhetischen Fehler aber nicht beunruhigen und kam in der 73. Minute beim Spielstand von 5:1 zu seinem fünften Treffer. Vom Punkt aus war erneut Edinson Cavani erfolgreich. Den Schlusspunkt zum 6:1 in einer der einseitigsten Partien die ich je gesehen habe setzte dann aber wieder Ezequiel Lavezzi in der 77. Minute mit seinem dritten Treffer des Tages. Ein weiterer Kantersieg für den späteren Meister, wage ich jetzt mal zu behaupten.

Immer noch in Ektase über das soeben gesehene Spektakel machte man sich auf zurück in die Innenstadt, wo man den lauen Abend rund um den Eiffelturm genoss. Dort nahm mir ein Hütchenspieler noch einen Betrag ab, der hier aus Reue nicht näher genannt wird. Ist wohl nicht mit lauteren Dingen zu und her gegangen, aber nun ja, einmal musste ich das einfach tun. Danach ging der Abend mit einem Leffe-Bier dann relativ spät zu Ende. Am Sonntag ging es wie gewohnt nach einem ausgewogenen Frühstück wieder gestärkt zurück in die Heimat. Gelungener Geburtstagstrip ins Hexagon!

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25. April 2015