Groundhopping

FC Oberwallis Naters – FC Stade Lausanne-Ouchy (25.03.15)

Die Flutlichtspiele unter der Woche haben sich ja nun fast schon als fester Spieltag eingependelt. So bevorzugte ich auch am vierten Mittwoch in Folge den Spielfeldrand der heimische Couch, wo man durchaus einige nette Länderspiele hätte bestaunen können. Aber eben. Glotze aus, Stadion an! Nehmt euch dies zu Herzen.

Gespielt wurde im Oberwallis zwar lediglich auf Amateurniveau beim FC Naters, der meinen Quartierverein Lausanne-Ouchy empfängt. Wobei wir bei meinem zweiten Ratschlag angekommen wären. „Support your local Team“. Und klar, der Ausflug heute gründete nicht nur auf dieser Tatsache, aber trotzdem empfehle ich euch, statt einen ganzen Samstag lang die Spieltagskonferenz auf einem Pay-TV-Sender doch mal eher bei einem Spiel eures Quartiervereines vorbei zu schauen. Viel bereuen kann man nicht. Klar wird man keine Alaba-Freistösse oder Bale-Temporushes sehen, viel eher aber den den ehemaligen Grundschullehrer von nebenan oder den Nachbarsknaben, der doch erst noch vor ein paar Jahren bei den C-Junioren gekickt hat. Lasst euch überraschen; meistens positiv.

Um ein Haar verpasste ich dann den Zug ins Oberwallis, doch die Freude, dass man das Gefährt doch noch erreichte wurde schnell von Tatsache getrübt, dass mein Schirm wohl noch immer an der heimischen Garderobe hängen musste und für den heutigen Abend waren starke Regenfälle angesagt. Immerhin kann an dieser Stelle gesagt werden, dass ich mit dem Ausflug an die hinterste Ecke der Schweiz nun nach lediglich zwei Monaten bereits für die Hälfte des Preises meines Generalabonnements Strecken gefahren habe. Nene SBB, mit Abzocke wirds bei mir diesmal nix.

Zwei Stunden nach der Abfahrt erreichte ich den Bahnhof in Brig und von dort aus brachte mich der Bus bis zur Sportanlage Stapfen. Zielort ebendieses Busses ist übrigens ein kleiner Weiler namens „Bitsch“. Die Gemeinde hat tatsächlich Probleme mit Dieben, die in der Nacht jeweils das Ortsschild abschrauben. Ich meinerseits unterlasse es hier jetzt, mit konkreten Wortspielen zu glänzen.

Spätestens wenn dich im Bus jeder persönlich begrüsst merkt man, dass hier alles noch etwas „traditioneller“ abläuft. Obwohl, so richtig verstehen tut man die hier nämlich gar nicht. So rätselte ich auf der Hinfahrt über zwei junge Knaben im Bus, welche Sprache die echt sprechen. Getippt hätte ich übrigens auf Armenisch. Stellte sich dann aber heraus, dass es doch nur die „fünfte Landessprache“ nämlich die Extreme unseres Walliserdeutsches war. Geografisch ist der kleine Ort im Übrigen auch recht interessant. Wie bereits erwähnt liegt er beinahe zuhinterst im Tal und somit ist Milano hier wesentlich näher gelegen als zum Beispiel Lausanne. Auch nur wenige Kilometer vom heutigen Spielort entfernt, schmelzt der Aletschgletscher vor sich hin.

So wie der Gletscher plätscherte in der Anfangsphase auch das Spiel etwas vor sich hin. Insgesamt allgemein eine ganz wässerige Angelegenheit das Ganze, schliesslich regnete es in Strömen. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde nahmen die Lausanner ein Geschenk der heimischen Innenverteidigung dankend an und trafen zum 0:1. Der Favorit und Aufstiegskandidat aus dem Welschland gab sich auch in der Folge keine Blösse und spielte das Ganze souverän runter, wobei sie schön verteilt über die Spieldauer zu drei weiteren drei Treffern kamen und somit vor 150 Zuschauern einen hochverdienten 0:4 Auswärtssieg feiern durften. Notabene gut möglich, dass man die Gäste in der nächsten Saison in der Promotion League sehen wird, wenn dies so weitergeht.

Für den ehemaligen St. Galler Cupgegner Naters hingegen, entwickelt sich die Saison immer mehr zum Problem, liegt man nun doch recht nahe an den Abstiegsrängen, obwohl man im letzten Jahr noch vom Aufstieg hatte träumen dürfen. Apropos Träumen, für mich ging es nach Spielschluss zu Fuss bis zum Bahnhof nach Brig, wo mich der EuroCity mit seinen modernen Viererabteilen zum Augen schliessen veranlasste und mich langsam wieder gen Heimat brachte.

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25. März 2015