Groundhopping

FC Renens – CS Chênois (10.05.14)

In der Romandie ist ja bekanntlich die fussballerische Tristesse eingekehrt, als vor wenigen Tagen klar wurde, dass nur ein Jahr nach dem Abstieg der Genfer auch der Verein aus Lausanne den Gang in die zweite Liga antreten muss. Es gibt da aber auch durchaus Vereine, die sich diesem Trend entgegenstellen, wie zum Beispiel der FC Le-Mont aus Lausanne, der als Leader der 1. Liga Promotion auf bestem Wege ist, in die Challenge League aufzusteigen. Somit entschied man sich, diesen Ground für das (höchstwahrscheinlich) zukünftige Derby aufzubewahren und an diesem Samstagnachmittag mit der 2. Liga interregional Partie zwischen dem FC Renens und der CS Chênois Vorlieb zu nehmen. Sicher auch ein vernünftiger Entscheid, da sich der Ground in unmittelbarer Nähe unseres Hotels befand und zudem nicht alle Mitreisenden so fanatisch dem Fussball gesinnt waren, wie ich dies eben bin.

Also am Samstag dann kurz vor Spielbeginn per Bus zum Stade du Censuy gefahren, welches mit einer grossen Haupttribüne auf der einen Spielfeldseite und einer Gesamtkapazität von 2’300 Zuschauern doch recht ordentlich daherkommt. Beim heutigen Spiel sollte es sich um ein waschechtes Kellerduell handeln, denn das Heimteam belegt zurzeit den zweitletzten Platz direkt hinter dem heutigen Kontrahenten aus der anderen Kantonshauptstadt. Das Niveau war dann natürlich auch recht bescheiden und diverse Szenen brachten meine Begleiter zum Lachen, die sich der Unbeholfenheit der Spieler in dieser Spielklasse nicht so sehr bewusst waren. Zum Einlauf der beiden Mannschaften wurde die Champions League Hymne gespielt, angesichts der Tatsache des Spielniveaus relativ viel Galgenhumor, den man sich hier in Renens erlaubte.

Das Heimteam stand in den Anfangsminuten noch ziemlich neben den Schuhen und so konnte man sich in der 4. Minute beim Heimkeeper bedanken, der mit einem Riesenreflex sein Team vor dem frühen Rückstand bewahrte. Danach ging nicht wirklich viel und einzige Aufheiterung bis zur Pause hin war dann noch ein kurzes Gespräch mit einem Einheimischen, der mich scherzhaft fragte, ob ich Fotos für das Lifesylemagazin Tillate knipsen würde.

Die zweite Hälfte begann dann aber bereits einmal vielversprechend, als die Gäste in der 47. Minute eine 3:1 Situation ausnützten und Carlos Gaio de Fonseca den Ball zum 0:1 im Tor unterbringen konnte. Danach gab es einen kurzen Unterbruch, denn um das Tor zu verhindern, sprang ein Heimverteidiger dem Ball nach, erwischte ihn zwar nicht mehr, dafür prallte er mit seinem Kopf heftig an den Pfosten. Später sollte es für ihn weitergehen und das Heimteam fand nun allmählich besser ins Spiel, trotz Chancen blieb es vorerst bei der knappen Gästeführung. In der 68. Minute die erneute Chance für das Heimteam, welches mit einem Freistoss die Möglichkeit hatte, mit den Gästen resultatmässig gleich zu ziehen. Und tatsächlich, Pajtim Iseni traf sehenswert zum 1:1 Ausgleich.

Nebst den verwaisten Kassenhäuschen und der nicht funktionierenden Anzeigetafel machte auch das Schiedsrichtertrio nicht den Eindruck, auf der Höhe der Aufgabe zu sein. Eigentlich hatte ich dann nur noch mit einer lahmen Schlussviertelstunde gerechnet, um dann schnellstmöglich wieder weg zu kommen, da sich mein Freund, der Heuschnupfen, doch das erste Mal in diesem Jahr recht heftig bemerkbar machte. Doch weit gefehlt, die Schlussviertelstunde hatte es absolut in sich und entschädigte den bisher gesehenen Unterklassenfussball mehr als genug. Beide Teams kämpften und kamen zu hochkarätigen Chancen. Ein Fallrückzieher des Heimteams in der 90. Minute riss dann alle 110 Zuschauer von den Sitzen, doch der Gästetorwart konnte das Leder knapp noch um den Pfosten lenken. Die Schlussphase hat richtig Spass gemacht und das 1:1 Unentschieden ist so durchaus vertretbar.

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10. Mai 2014