Groundhopping

FC United of Manchester – Altrincham FC (01.01.17)

Der Neujahrstag beginnt für uns nachdem die Sonne ihren Zenit bereits überschritten hat und in der Wohnung langsam wieder Leben einkehrt. Glücklicherweise befindet sich der Austragungsort für die heutige Partie in der Agglomeration von Manchester, sodass ein allzu langer Anreiseweg wegfällt. Remember Aston Villa vor zwei Jahren. So aber ging es per Taxi gemütlich zum Bahnhof Victoria, wo wiederum Mirko wartete, der zum Start in ein weiteres Hoppingjahr die gleiche Partie auserwählte. Der letzte im Bunde verschluckte die Silvesternacht und er grinste uns erst wieder vom Perron in Moston an, wo wir nach kurzer Fahrzeit eintrafen. Von der soeben genannten Haltestelle sind es noch wenige Minuten Fussmarsch bis zum Broadhurst Park, der Heimat vom FC United of Manchester.

Weder der Verein noch das Stadion würde wohl in seiner heutigen Form existieren, wenn es im englischen Oberhaus weiterhin Stehplätze und Eintrittskarten zu fairen Preisen gäbe. So aber hatten im Jahre 2005 diverse Anhänger der Red Devils die Idee, den Fussball wieder zu dem zu machen, was er einmal war. Ein Volkssport für den einfachen Mann der Arbeiterklasse! Und damit dem ehemaligen Clubbesitzer Malcolm Glazer und seinen kommerziellen Absichten mit der United einen Riegel zu schieben. Zwar hegen sie auch weiterhin Sympathien zum erfolgreichsten Verein auf der Insel, doch ihren Traum haben sie in diesen wenigen Jahren vom einfachen Protest bis in die Realität umgesetzt. Am heutigen Tage spielt der FCUM in der Conference North, der sechsthöchsten Spielklasse, in ihrem selbstgebauten Stadion. Aufgrund der breiten Fanbasis aber auch der speziellen Entstehungsgeschichte schauen hier an Spieltagen deutlich mehr Zuseher als bei der Ligakonkurrenz vorbei, darunter heute diverse Gleichgesinnte. Eine lustige Szene folgte am Ticketschalter, wo wir nach dem Beziehen der Karten zum Preis von 5 Pfund drei anderen St. Gallern in die Arme liefen. Anschliessend führt den Matchbesucher eine Treppe hinauf in die Bar, wo nicht nur kulinarisch einiges geboten wird, sondern begleitet vom Kult-Fangesang „Dirty Old Town“ das erste Hopfenerzeugnis im neuen Jahr genossen werden durfte. Englischer Fussball mit Stehplätzen, schöner Zaunbeflaggung und preiswerter Verköstigung bei Sonnenschein. Fussballherz was willst du mehr.

Der Hauptgrund für das hiesige Aufkreuzen war aber grösstenteils eine Enttäuschung, zumal die Partie auf äusserst dürftigem Niveau ausgetragen wurde und auch stimmungstechnisch noch mehr gegangen wäre. Und dies obwohl die Ausgangslage eigentlich ein torreiches Spiel garantiert hätte. Der ewige Konjunktiv. Zu Gast war mit dem Fussballclub aus Altrincham nämlich nicht nur der Verein, der in der Tabelle klar am wenigsten Punkte sondern auch noch das miserabelste Torverhältnis aufweist. Der Start verlief vielversprechend, denn United of Manchester, übrigens im klassischen Rot-Weiss, ging bereits nach wenigen Augenblicken mit einem Tor in Führung. Anschliessend zeigten sie aber Schwächen im Abschluss und als wäre dies noch nicht genug fiel quasi mit dem Pausenpfiff das überraschende 1:1. Das gleiche Bild im zweiten Abschnitt, in dem der Gastgeber die spielbestimmende Mannschaft blieb, es jedoch verfehlte, ein Tor zu schiessen. So änderte sich vor stolzen 3’030 Zuschauern nichts mehr an der mageren Punkteteilung gegen das Schlusslicht.

Mittlerweile hatten wir unseren Standort unter die Tribüne verlegt, wo wie in England üblich Bier und Cider konsumiert werden können. Eine Person unserer Reisegruppe sorgte mit seinem Magenvolumen bei den anwesenden Engländer für Eindruck und mit steigendem Alkoholpegel für Belustigung bei unserer Reisegruppe. Nach dem fussballerischen Auftakt im Jahre 2017 verabschiedeten wir uns von Mirko, der die Heimreise antrat, während wir uns zurück in die Wohnung begaben. Da wir die letzten beiden Abende jeweils bis am nächsten Morgen unterwegs waren, entschieden wir uns vernünftigerweise für eine weitere „Night out“. Diesmal im Sankeys, einem bekannten Club in unmittelbarer Gehnähe. Und so endete auch dieser Tag eben eigentlich erst am Folgemorgen, als das Trio aus Namensvetter, Jonathan und mir als letzte Widersacher kurz vor vier Uhr dem Schlafverlangen Tribut zollten.

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18. Januar 2017