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Dijon FCO – AC Arles-Avignon (28.03.14)

Als Verkehrs- und Handelszentrum liegt die Stadt Dijon als Hauptstadt des Départements Côte-d’Or am westlichen Rande der Saône-Ebene. Die Distanz zum nächsten Punkt der Schweiz beträgt knapp 200 Kilometer. Berühmt ist die Stadt vor allem für ihren Senf, den es vor Ort in diversen Variationen zu ersteigern gibt. Auch kulturell gesehen mag die Stadt mit einigen sehenswerten Attraktionen zu überzeugen, was vermehrt asiatische Touristen anlockt. Die wenigsten sind wohl wegen des Fussballs hier. Und doch gibt es sie, die vereinzelten und abenteuerlustigen Fussballtouristen, die ein verlängertes Wochenende genutzt haben, um der Burgunder Weingegend einen Besuch abzustatten. Durch das schöne Wetter begünstigt, wurde vor allem Sightseeing betrieben, bevor es am Abend zu Fuss zum Stade Gaston Gérard ging, welches 45 Fussminuten entfernt in östlicher Lage, vom Zentrum aus gesehen, zu finden ist.

In fussballerischer Hinsicht trägt der Fussballclub aus Dijon den Profistatus erst seit dem Jahre 2004, also 68 Jahre nach der Gründung des Vereins. In der Saison 2011/12 konnte man sich für eine Spielzeit lang in Frankreichs höchster Liga versuchen. Ende Saison erfolgte jedoch wieder der Abstieg in die Zweitklassigkeit. Gespielt wird, wie typisch in Frankreichs unteren Ligen, am Freitagabend und ebendiese Spiele gehen im bereits erwähnten Stade Gaston Gérard über die Bühne. Dieses wurde im Jahre 1934 erbaut, dazumal jedoch noch als typisches Unterklassenstadion in Frankreich. Die beiden markanten Hintertortribünen, die einem heute sofort ins Auge stechen, wurden erst in einer 2009 durchgeführten Renovierungsphase erbaut und sind der Hauptgrund für die ziemlich hohe Zuschauerkapazität von 15´000. (Man vergleiche die 2. Liga Schweiz mit einer Durchschnittskapazität von knapp 10´000)

Mit dem heutigen Gast aus den beiden historischen Städten Arles und Avignon, durfte man geschichtlich und kulturell gesehen sicher einen Weltmeister begrüssen, fussballtechnisch jedoch eher Mittelmass, zumal sie wie im letzten Jahr im Moment den 11. Platz belegen. Für das Heimteam ist der Aufstiegszug noch nicht ganz abgefahren, es sollte jedoch noch der eine oder andere Zähler eingefahren werden, darum das Heimspiel heute sicher eine gute Möglichkeit, um mit einem Dreier zu zeigen, dass auch die Senfstädter noch ein Wörtchen um den Aufstieg mitzureden haben. Die Statistiken sprechen eindeutig für die heimstarke Equipe aus dem Burgund und gegen das schwache Auswärtsteam aus dem Süden Frankreichs. In den Anfangsminuten wurde wieder einmal mein Eindruck des französischen Fan-Da-Seins gestärkt, nämlich dass es so gut wie keines gibt. Abgesehen von einer Gruppierung einheimischer Jugendlicher, die doch mit einigen Schwenkfahnen aktiven Support zu leisten versuchten und den etwa 20 Gästefans war nicht viel los im Stadion, was das Rundherum betrifft.

Auf dem Platz ging in der ersten halben Stunde so gut wie nichts, dann aber in der 30. Minute ein Freistoss recht zentral vor dem Tor für die Gäste, der Pfosten verhinderte jedoch die Gästeführung. Eine Minute später war es der Linienrichter, der als Spielverderber agierte, als er ein Offsidetor annullierte. In der 35. Minute dann eine Grosschance für das Heimteam und auch dieses Mal scheiterte man am Pfosten. Zwei Zeigerumdrehungen später jubelte dann das ganze Stadion; ein Schuss ans Aussennetz wurde von den meisten schon dringesehen. Es gibt aber dann doch noch ein Tor vor dem Seitenwechsel zu verzeichnen, denn in der 42. Minute schiebt Johan Gastien nach einem Querpass überlegt und unhaltbar zur 1:0 Führung ein. Eine Erlösung für die 7’713 Zuschauer im Stadion. In der 53. Minute hatte Dijon einen Lattenkopfball zu verzeichnen, in der Folge fehlten jedoch die wirklichen Highlights und alles deutete auf einen knappen und unspektakulären Minisieg des Heimsiegs hin. Die letzten 30 Spielminuten gehörten dann aber ganz klar dem Gästeteam, welches viel Raum vorfand, da sich das Heimteam auf die Verwaltung des Vorsprunges konzentrierte. Die Chancen blieben jedoch meist aus, und wenn hatte Dijon mit Benjamin Lecomte einen exzellenten Schlussmann in ihren Reihen.

Eine letzte Chance bot sich den Gästen mit einem Eckball in der 93. Minute. Die Verteidigung des Gastgebers konnte der Ball nicht richtig aus der Gefahrenzone spendieren und so traf Julien Cardy zum 1:1 Unentschieden aus der zweiten Reihe, wobei der ansonst makellose Schlussmann der Hausherren nicht sonderlich gut aussah. Zum Schluss gab es heftige Beschimpfungen und Pfiffe gegen das Heimteam, wobei erkennbar wurde, dass sich das Heimpublikum eher als Kunde, als als Fan sieht der auch in schlechten Zeit seinem Verein ewige Treue schwört.

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28. März 2014