Groundhopping

Hellas Verona – Chievo Verona (20.02.16)

Nun also das Derby della Scala in seiner 16. Ausgabe. Damit gehört das Rencontre in Verona sicherlich zu einem der jüngeren Duelle zweier Stadtrivalen. Dies rührt vor allem daher, dass Chievo Verona noch nicht sehr lange seinen Platz im italienischen Profifussball gefunden hat. Nichtsdestotrotz wollte unser Reisegruppe diesem Aufeinandertreffen mit erhöhtem Stimmungsfaktor einmal beiwohnen, was sich bekanntlich gut mit dem vorgängigen Spiel in Vicenza kombinieren liess. Zurück in Verona sollte es vom Bahnhof aus zu Fuss für eine ziemlich genaue Punktlandung bis hin zum Anpfiff reichen, wobei unser Trio da allerdings die Warteschlangen nicht berücksichtigt hatte. So wurden die ersten lauten Gesänge noch von aussen vernommen, ehe der Ground geentert werden durfte und man nach kurzer Suche endlich seine Plätze einnehmen konnte.

Die sechstgrösste Spielstätte des Landes verfügt über eine Laufbahn und vier Stockwerke, wobei davon das unterste für die Fans gesperrt ist. Benannt nach einem lokalen Sportförderer gefällt es mir vor allem aufgrund der doch recht steilen und imposanten Bauweise. Die Tifosi von Hellas sind in der Südkurve untergebracht, während die Gäste (wie auch Chievo) ihren Support von der Nordseite aus an den Mann bringen. Es gab im Laufe der Partie dann auch die eine oder andere Szene, in der von der Heimseite brachiale Gesänge kamen, insgesamt war das Dargebotene für ein Derby aber doch etwas wenig. Vor allem vom Anhang des Sinnlosclubs aus Chievo kam äusserst wenig, obwohl man gegenüber dem wohl designierten Absteiger Hellas doch ziemlich angenehm im Mittelfeld der Tabelle steht.

Eben auch dieser Ausgangslage geschuldet war unsere Reisegruppe ab der Tatsache überrascht, dass vermehrt Hellas das Spiel zu gestalten versuchte. In ihren Reihen übrigens der Altmeister Luca Toni. Dieser war es dann auch, der die Gastgeber nach einer halben Stunde mit einem zuerst noch abgewehrten Penalty in Führung schoss. Als eine gute Stunde gespielt war, doppelte der „Underdog“ nach, sodass man die Weichen langsam in Richtung Sieg stellte. Chievo, das in feindlichem Blau-Weiss auflief, vermochte mittels Penaltys zwar nochmals verkürzen, dann aber war es der Ex-Aarauer Artur Ionita in der Nachspielzeit, der die meisten Teile der 22’469 Zuschauer mit dem Treffer zum 3:1 endgültig zu erlösen vermochte.

Trotz der Unterstützung der bekanntlich rechtsradikalen Anhängerschaft wird es für Hellas wohl ein Ding der Unmöglichkeit, in der laufenden Spielzeit die Klasse zu halten. Unserem Trio blieb nach dem Schlusspfiff noch genügend Zeit für eine schmackhafte italienische Pizza, ehe man per Zug den Rückweg nach Milano antrat. Dort folgte die wohl brenzligste Szene der ganzen Reise, als der letzte Bus nach Chiasso einfach nicht auftauchen wollte. Die Mitarbeiter rund um den Busbahnhof wollten etwa gleich viel Bescheid wissen wie wir, sodass es nur äusserst glücklichen Umständen geschuldet war, dass wir den versteckten Kleinbus doch noch zu Gesicht bekamen und nach einer äusserst holperigen Fahrt ohne Komfort an der Grenze zur Schweiz aussteigen durften. In Chiasso blieben noch einige Stunden zur Überbrückung, glücklicherweise im warmen Bahnhofsgebäude, ehe uns die Bundesbahn wieder in die Gallusstadt brachte. Als Organisator ist man in solchen Situationen immer doppelt froh, wenn schlussendlich alles gut ausgeht.

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20. Februar 2016