Groundhopping

Hull City – Everton FC (30.12.16)

Tag zwei beginnt mit erfreulichen Neuigkeiten aus Cleethorpes, wo meine Kamera nach einer Zugfahrt quer durch das Vereinigte Königreich doch noch aufgetaucht ist. Sie wurde von einem Reinigungsmitarbeiter in der Gepäckablage gefunden und verbrachte die Nacht im Bahnhofsbüro. Glück gehabt! Auch die zweite Partie weist etwas den (Vorsicht Neologismus) „geschenkten-Gaul-Charakter“ auf, zumal ursprünglich nur einige Paarungen aus den unteren Ligen für Freitag angesetzt waren, ehe das Heimspiel von Hull vorverschoben wurde. Und da die Premier League eben doch etwas mehr Reiz versprüht und die Ticketbeschaffung hier, auch für unsere Gruppengrösse, einfacher ausfällt, arrangierte ich einen Abstecher an die Ostküste Englands. Einziges „Manko“ dabei stellte die Tatsache dar, dass nach dem Schlusspfiff keine Heimfahrt mehr möglich sein sollte und daher bis morgens um 5 Uhr durchgefeiert werden muss. Darf ja mal vorkommen, so einen Tag vor Silvester. Hehe.

Dies auch der Grund, weshalb wir bereits in adretter Kleidung die gut zweieinhalb Stunden Zugfahrt in die Stadt am Ästuar Humber absolvierten, schliesslich legen englische Türsteher doch oftmals Wert auf einen gepflegten Dresscode. Die freie Zeit am Nachmittag wurde für Shopping, etwas Sightseeing und weitere alltägliche Aktivitäten genutzt, die hier aufgrund fehlender Relevanz keine Erwähnung finden. Am Abend traf unsere illustre Reisegruppe wie geplant im Wetherspoon Pub auf den Kollegen Mirko. Schon lustig, den Aachener Hopper treffe ich jedes Jahr wieder einmal. Dazwischen gehen beide in der ganzen Welt jeweils ihre Wege. Es sind mitunter auch solche Pubszenen, die für mich die Faszination Fussball auf der Insel ausmachen. Kurz vor dem Aufbruch in Richtung Spielstätte stiess auch noch Kai zur Gruppe, der die vergessenen Habseligkeiten in Cleethorpes abgeholt hatte. Vor den Toren des Stadions, welches den Namen eines lokalen IT-Dienstleisters trägt, musste für meine Sammlung noch kurz das hässliche Print@Home-Ticket in eine Originalkarte umgetauscht werden, ehe wir nach einer kleinen Stärkung nebeneinander auf der Gegengerade Platz nahmen.

Hull stellte entgegen der Tabellenlage vor 20’111 Zuschauern das aktivere und somit auch bessere Team, weshalb eine frühe Führung die logische Konsequenz bedeutete. Everton mit meinem Liebling Leighton Baines kam in der Folge aber mehr und mehr in die Gänge, obwohl Stürmerstar Lukaku in den Reihen der Toffees einen schwachen Tag einzog. Ein Team, das in der weltbesten Liga zur erweiterten Spitzengruppe gehört, wird allerdings selten durch einen Einzelspieler ausgemacht und so war der Ausgleich noch vor dem Seitenwechsel Tatsache. Hull im ersten Moment natürlich bedient, rappelte sich aber einmal mehr wieder auf und erzielte durch einen Traumfreistoss die neuerliche Führung. Aber auch dieses Tor brachte die Gäste von der Merseyside nicht in Verlegenheit, die kurz vor dem Schlusspfiff in Person von Ross Barkley den Treffer zum 2:2 Unentschieden markierten. Dies veranlasste die Gästeanhänger zum Wurf eines blauen Rauchtopfs, was zu einem kurzen Unterbruch führte. Zwar war das Stadion gut gefüllt, für die höchste Spielklasse Englands untypisch aber bei weitem nicht ausverkauft. Gründe dafür sind nicht nur von sportlicher Natur, wo Hull als Schlusslicht zwar im Moment sowieso nicht fähig ist die grossen Massen zu begeistern. Nein, der Hauptgrund ist nämlich, dass Kingston upon Hull, wie die Stadt mit vollem Namen heisst, eher für seine beiden Rugby-Teams bekannt ist. Der grössere der beiden Vereine trägt seine Heimspiele ebenfalls im selben Stadion aus und nennt sich Hull FC, während der Name des Fussballvereines mit Hull City Tigers meines Erachtens eher auf den Rugbysport zutreffen würde. Skurril.

Tut aber weiter nichts zur Tatsache, dass wir anschliessend zu Fuss den Weg zurück in die Innenstadt antraten und nach einer sehr langen Nacht erst am nächsten Morgen um halb neun Uhr müde in unsere Betten in Manchester fielen.

Tags :
12. Januar 2017