Es ist Synonym für die bekannteste Stadionkatastrophe: das Hillsborough in Sheffield. Damals im Frühling 1989 starben 97 Fans beim FA-Cup-Halbfinal nach einem Fehler der Polizei. Doch bereits vier Jahre zuvor hatten Fans der «Reds» traurige Bekanntheit erlangt, als sie am 29. Mai 1985 anlässlich des Finals des Europapokals der Landesmeister in die Katastrophe von Heysel involviert waren. Im Vorgängerwettbewerb der Champions League standen sich im Brüsseler Stadtteil Laeken Liverpool und Juventus Turin gegenüber.

Noch vor Anpfiff stürzte damals eine Wand ein, nachdem Liverpool-Anhänger den benachbarten Sektor gestürmt und die dort anwesenden Juventus-Fans panisch die Flucht ergriffen hatten. Das Resultat der Tragödie waren 39 Tote, darunter 32 Italiener. Besonders tragisch: Der betroffene Sektor sollte eigentlich neutralen Zuschauer vorbehalten sein. Da ein korrupter Uefa-Offizieller jedoch ein italienisches Reisebüro mit den Tickets dafür ausgestattet hatte, fanden sich im besagten Teil des maroden Stadions aber vor allem italienische Fans ein.

33 Jahre später hat das Stadion nicht nur einen beinahe kompletten Neubau hinter sich, sondern trägt mit «König-Baudouin-Stadion» auch einen neuen Namen. An das Heysel und die Katastrophe von damals erinnern nebst einer Sonnenuhr und einer Gedenktafel nur noch die runden Ecken, sowie die Sitzplätze im gesamten Stadion – eine direkte Konsequenz aus den Geschehnissen im Norden Brüssels.

Mit dem belgischen Cupfinal zwischen Anderlecht und Gent stand im Nationalstadion abermals ein Spiel an, das grosses Interesse weckte. Die Tickets für die 46’000 Zuschauer waren in Windeseile vergriffen, alleine Fans des Hauptstadtklubs hatten 42’000 Kartenanfragen eingereicht. Da diese das jeweilige Kontingent von 20’000 Tickets pro Klub klar überstiegen, verfolgten viele RSC-Anhänger das Spiel auf Grossleinwand im Stadion des Rekordmeisters.

 

Gents späte Genugtuung

Deswegen aber nicht minder imposant präsentierte sich der Aufmarsch der Anderlecht-Supporter rund um die Fanmeile am Atomium. Hier fieberten sie bei Sonnenschein, Musik und Bier zuversichtlich dem 10. Cuperfolg der Geschichte entgegen. Zuletzt holte sich der Royal Sporting Club den «Beker van Belgie» 2008 – ausgerechnet gegen die KAA Gent.

Diese avancierte in der Reprise 14 Jahre später prompt zum Spielverderber und nahm Revanche. In einem defensiv geprägten Spiel ohne zwingende Strafraumszenen fiel die Entscheidung nach 120 torlosen Minuten erst im Penaltyschiessen. Hier hatten zum Schluss gleich zwei Spieler von Anderlecht gepatzt, die anschliessende Ekstase rund um das 4:3 und den 4. Cuptitel für Gent entschädigte für den bis dahin bescheidenen Auftritt im Sektor der «Buffalos».