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TSG Hoffenheim – FSV Mainz 05 (15.03.14)

„Früher waren es Fans und Spieler, heute sind es Kunden und Produkte“ ist eine der Aussagen die mir besonders geblieben ist. Sie stammt aus der Dokumentation „Hoffenheim – Das Leben ist kein Heimspiel“ die ich mir als Vorbereitung zum Besuch in Sinsheim zu Gemüte geführt habe. Es zeigt das „Märchen“ eines Dorfclubs auf seinem Weg in die Bundesliga.

Wer sich nicht aktiv mit Fussball beschäftigt und in Sinsheim zu Gast wäre, dem würde sicherlich nichts auffallen das zeigt, dass der Verein noch vor ein paar Jahren in der Regionalliga gekickt hatte. Super modernes Stadion, volle Ränge und erfolgreicher Fussball. Zu verdanken hat man dies alles einzig und allein einer Person: Dietmar Hopp. Als Sportmäzen hat er seinen Jugendverein bis in die Bundesliga geführt. Bereits 290 Millionen Franken soll der Milliardär und SAP-Mitgründer in die TSG investiert haben. Der Erfolg blieb nicht aus. 2007 wurde die TSG Vizemeister in der damals noch drittklassigen Regionalliga, der Aufstieg in die 2. Bundesliga war Tatsache. In dieser konnte man sich wiederum den Vizemeistertitel sichern und spielt seither in der Bundesliga mit. Die beste Platzierung war ein 7. Rang, zuletzt haben die Hoffenheimer in den hinteren Rängen Platz genommen. In der Vorgängersaison (12/13) konnte sogar nur ultraknapp dank Dortmunder Hilfe der Abstieg verhindert werden. Dieser Abwärtstrend lässt sich durch die vielen namhaften Abgänge erklären. Denn nicht nur Demba Ba oder Luiz Gustavo, sondern auch David Alaba, Ryan Babel, Timo Hildebrand, Vedad Ibišević, Gylfi Sigurðsson oder Eren Derdiyok gehören zu den prominenten Fussballern mit Hoffenheim-Vergangenheit. Heute ist es vor allem Roberto Firmino, der versucht, den Glanz der „alten Zeiten“ aufrecht zu erhalten. Vielleicht muss die TSG aber schon bald wieder einem Traditionsteam Platz machen, denn auch dieses Jahr läuft es ihnen nicht wirklich gut.

Fussball gespielt wurde an diesem Samstagnachmittag auch noch und zwar gegen die Rheinhessen aus Mainz, die zuletzt mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Es durfte ein Torfestival erwartet werden, denn in den letzten vier Spielen der Hoffenheimer gab es im Minimum jeweils vier Treffer. Auch dieses Mal legten die Hoffenheimer forsch los, denn nach zwei Minuten zeigte Schiedsrichter Siebert schon auf den Punkt nach einer Regelwidrigkeit vom Mainzer Abwehrchef Noveski. Die Verantwortung übernahm Salihovic, der zwar den Torwart verlud, sein Schuss ging jedoch knapp über das Tor. Die Kraichgauer liessen sich trotz der verpassten Führung nicht aus dem Konzept bringen und kamen in der 6. Minute zu einer weiteren Grosschance. Diesmal sündigte Volland im Abschluss. Zehn Minuten später scheiterte erneut Volland am Mainzer Torwart Karius. In der 23. Minute dann eine Szene, wie sie wohl noch nie keiner der 24’741 Zuschauer erlebt haben dürfte. Hoffenheim-Kapitän Andreas Beck stiess in vollem Tempo mit einem an der Seitenauslinie postierten Sky-Kameramann zusammen. Für Beck ging das Spiel nach kurzer Pflege weiter, der Kameramann erlitt laut Sky eine Gehirnerschütterung wurde auf einer Trage von Sanitätern unter aufmunterndem Applaus aus dem Stadion getragen. Auch für die Kamera war der Arbeitstag frühzeitig beendet.

In der Folge beruhigte sich das Geschehen und es ging mit einem, für Hoffenheimer Verhältnisse, untypischen 0:0 in die Pause. Kurz nach dem Seitenwechsel dann also doch noch das erste Tor, nachdem die Mainzer nach einem Eckball den Ball nicht richtig wegbringen, trifft Eugen Polanski volley in der 49. Minute mit einem Gewaltsschuss à la Roberto Carlos zum 1:0 für die Kraichgauer. Für das 2:0 in der 52. Minute ist dann der bereits erwähnte Roberto Firmino zuständig, der mit einem Rechtsschuss wiederum volley unhaltbar für Keeper Karius vor dem eigenen Anhang in die Maschen traf. In den folgenden Spielminuten hatte das Heimteam sogar die Möglichkeit auf zwei weitere Tore, die Chancen wurden jedoch versiebt. Stattdessen stand es in der 67. Minute nur noch 2:1, da Maxim Choupo-Moting eine Hereingabe von Stefan Bell zu verwerten wusste. Sechs Minuten später klingelte es erneut im Kasten von Torhüter Casteels, da Benedikt Saller von Hoffenheim-Verteidiger Niklas Süle unglücklich angeschossen wurde und der Ball sich dann über den Goalie hinweg ins Tor senkte. Das 2:2 war Tatsache!

Nun musste sich die Turn- und Sportgemeinschaft zusammenraffen, wollte sie hier das eigentlich bereits entschiedene Spiel nicht völlig aus der Hand geben. Scheinbar waren sie sich dies nicht bewusst, denn nur zwei Minuten später, in der 75. Minute also, erzielte Shinji Okazaki mit dem 2:3 aus Sicht des Heimteams, seinen zehnten Saisontreffer. Wer dachte, dass die TSG nun noch einmal alles nach vorne werfen würde, hat weit gefehlt. Im Gegenteil, in der 92. Minute war es erneut der Japaner Shinji Okazaki, der mit seinem Saisontreffer Nummer 11 zum 2:4 Entstand traf. Ein weiteres Mal gab es viele Treffer in einem Spiel mit Hoffenheimer Beteiligung.

Gespielt wurde in der Rhein-Neckar-Arena, ein solides Stadion mit Baujahr 2009, welches Platz für 30’150 Zuschauer bietet. Da es nur über einen Rang verfügt, erinnert es ein bisschen an die SGL arena in Augsburg, die ganz ähnlich daherkommt. Es befindet sich, wie alle neuen Stadion, etwas abseits der Stadt Sinsheim und ist per S-Bahn und zu Fuss bequem erreichbar. Zu erwähnen gilt es die gute Wahl von hochklappbaren Vario-Sitzen im Gästeblock.

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15. März 2014