Groundhopping

VV St. Truiden – RSC Anderlecht (29.01.16)

Obwohl Maastricht und Sint-Truiden auf der Karte gerade einmal 40 Kilometer voneinander entfernt liegen, dauert die Fahrt mit dem Zug gute zwei Stunden. Diese Tatsache ist dem Umweg über Lüttich und Hasselt geschuldet, der wohl einfach so gefahren wird, weil sich die Strecke ansonsten von der Anzahl Fahrgästen kaum lohnen würde. Für mich aber kein Problem, so vertieft man sich halt wieder einmal in die aktuelle Lektüre der 11 Freunde oder unterhält sich. Dort fand sich auch ein Artikel zum ersten Akteur, welcher durch eine Crowdfunding-Plattform finanziert wurde. Das junge Spielertalent kommt aus Griechenland, heisst Panagiotis Kynigopoulos und wurde dank 516 Kleinanleger zu seinem ersten Verein im Profifussball gelotst. Und eben dieses Team sollte Sint-Truiden sein. Da war man schon ziemlich überrascht ab der unkonventionellen Aktion. Schade war der Herr am heutigen Abend nicht einmal aufgeboten. Die Idee könnte man für den Herzensclub in der Ostschweiz aber gerne einmal abschauen, zumal 500 Fussballfanatiker wohl etwas mehr Sachverständnis mitbringen wie unser momentaner „Team-Manager“ Christian Stübi.

Hiermit bewegen wir uns aber auf der Ebene vom Wunschdenken, zu dem auch die Hoffnung auf ein Zimmer mit Blick auf das Spielfeld gehört. Denn vorab hatte man sich bei der kleinen Anzahl Hotels in diesem Ort für das Stayen entschieden, welches in den Stadionkomplex eingebaut ist und von einigen Zimmern einen exquisiten Blick auf den Rasen bietet. Die Dame an der Rezeption hatte glücklicherweise für meinen Wunsch Verständnis und buchte uns kurzerhand um, sodass unsere geniale Aussicht für den Aufenthalt so aussehen sollte.

Nachdem man sich genügend lange an dem wohl einmaligen Erlebnis ergötzt hatte, stattete unser Duo der Innenstadt einen Besuch ab, die etwas weniger imposant als die heutige Spielstätte daherkommt. Ziemliches Pech also, dass genau bei unserem Besuch das ganze Zentrum einem grossen Sandkasten gleicht. So blieb immerhin genügend Zeit für die Verpflegung und einige Unterhaltungen, ehe es gegen Abend hin zurück ins Zimmer ging.

Schon interessant, wenn man die ganzen Abläufe, sei es nun vor oder nach dem Spiel mitverfolgen kann. Vom kalten und beissenden Wind bereits etwas in Mitleidenschaft gezogen vergrub ich mich unter der Decke, ehe man kurz vor Anpfiff die reservierten Plätze auf der Haupttribüne betrat. Von dort aus verfolgte man zusammen mit dem 12’101 Zuschauern im ausverkauften Stadion eine unterhaltsame Partie, bei welcher die Gäste bereits früh in Führung gingen. Der junge Ausnahmekönner Youri Tielemans war vom Punkt aus erfolgreich und liess die in sehr ansprechender Anzahl mitgereisten Gästefans jubeln. Eine ganze Hintertortribüne war in den Händen der violetten Anhängerschaft. Der Ausgleich kam aber noch vor dem Seitenwechsel und täuschte somit etwas über die Dominanz der Hauptstädter hinweg. Diese konnten sie in der Schlussphase mit dem 1:2 wieder herstellen, sodass die drei Punkte an den RSC gingen. Auf den Rängen zeigten die Heimfans anfangs eine Blockfahne mit der Aufschrift „Willkommen zur Apokalypse“ und zündeten etwas Rauch und diverse Böller, die zum Teil auch auf dem Feld landeten und für einen kurzen Unterbruch sorgten.

Ich meinerseits verzog mich in der Pause gesundheitsbedingt ins Zimmer und war von da an quasi Zuschauer aus der Privatloge. Sowas ist auch nicht alltäglich und tröstete ein wenig über die Grippe hinweg, welche sich langsam aber sicher in meiner Wenigkeit eingenistet hatte.

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29. Januar 2016