Groundhopping

West Ham United – Arsenal FC (28.12.14)

Die englische Liga ist ja bekannt dafür, dass sie als eine der einzigen den ganzen Spielplan bereits zum Saisonbeginn veröffentlicht. Dies vereinfacht die Planung ungemein. Als ich kurz nach der Veröffentlichung sah, dass West Ham United über die Weihnachtszeit zuerst an der Stamford Bridge zu Gast sein wird und anschliessend den Topclub Arsenal empfängt, wusste ich, was an diesem Jahresende auf dem Programm stehen sollte, zumal der Upton Park ja leider schon bald als Spielstätte ausgedient hat.

Für das Spiel Chelsea – West Ham am 26.12 hätte ich es lediglich geschafft ein einzelnes Ticket aufzutreiben, darum war mir die Variante mit Brighton wo alle zusammen an die Partie konnten viel lieber. Bei diesem Kracher hatte ich schon mehr Glück. Eigentlich dachte ich, dass die Tickets für dieses Derby zuerst in den Vorverkauf für Member kommen würden und sich schlussendlich ein paar Tausend Fans um die letzten Restkarten streiten werden. Als ich aber irgendwann im Monat November wieder einmal den Ticketshop der Hammers besuchte, merkte ich das man für das Spiel gegen Arsenal bereits Tickets erwerben konnte. Kein Vorverkauf, nur General Sale! Trotzdem waren die Karten in Windeseile vergriffen, ich schaffte es aber gerade noch, zwei Karten für den Oberrang der Heimkurve zu erwerben. Von einem Schnäppchen kann aber trotzdem nicht die Rede sein, denn für ein Ticket zahlte man knapp 103 Franken oder in englischer Währung 65 Pfund. Sehr happig!

Da wir aber bekanntlich zu viert in London waren begann die Qual der Wahl, wer mich an die Partie begleiten durfte. Andreas fiel schon mal weg, da er sich nicht sonderlich für den Fussball interessierte und freiwillig auf einen Besuch verzichtete und schliesslich erklärte sich auch noch Marty dazu bereit, Andrin zwei und mir den Vortritt zu gewähren. Vielen Dank nochmals für die Kompromissbereitschaft! So ging es also am Spieltag relativ früh in Richtung Upton Park mit grosser Vorfreude auf das spielerische Highlight der Tour. Andreas und Marty hatten sich an diesem Tag übrigens für Shopping in der Innenstadt entschieden. Ein Tipp für alle die es noch vorhaben, eines der letzten Spiele im alten Stadion von West Ham zu sehen: Aussteigen müsst ihr nicht wie man vielleicht vermutet an der Station West Ham, sondern zwei Haltestellen später beim Upton Park. Auch wir stiegen bei Upton Park aus der mittlerweile vollen Tube und hinaus auf die berühmte Green Street, von wo aus man gerade aus am schnellsten zum Stadion kommt. Ihre „Berühmtheit“ hat die Strasse ihrer Vergangenheit zu verdanken, als in den Siebzigern und Achtzigern die Gruppierung „ICF – Inter City Firm“ dort ihr Revier kennzeichnete. Das Ganze wurde später sogar in einer Triologie verfilmt unter dem Filmnamen „Hooligans“. Im Film geht es um die Machenschaften der ICF, bewusst wurde aber der Name für den Film in „GSE – Green Street Elite“ umgeändert. Vor allem den ersten der drei Filme kann ich empfehlen. Links und rechts von der Strasse deuten dann auch immer wieder verschiedene Stände auf die Vergangenheit hin und auch ich liess es mir nicht nehmen, den einen oder anderen „Fanartikel“ der berüchtigten Gruppierung zu erwerben.

Und plötzlich steht man vor dem riesigen Stadion, welches mit den zwei Burgtürmen gleich noch mächtiger daher kommt. Nach einer kleinen Stärkung ging es dann durch typisch enge Eingänge endlich hinein in den Boleyn Ground, wie der offizielle Name für das Stadion lautet. Unsere Plätzen lagen zentral über dem Tor, mit bester Sicht auf das Spielfeld und die etwa fünftausend Gästeanhänger. Als das Vereinslied „I’m forever blowing bubbles“ angestimmt wurde merkte man, wie laut es hier werden kann. Gänsehaut pur!!! Ansonsten war es nur bei Chancen für West Ham und gegen Ende hin laut, dafür dann umso mehr. Inzwischen hatte sich der Ground für dieses Spitzenspiel auch gefüllt und die 34’977 Zuschauer hatten ihre Plätze im ausverkauften Stadion eingenommen und freuten sich auf 90 Minuten stimmungsvolles Spektakel.

Gut, die letzten zwei Worte waren (leider) gelogen. Zumindest bis zur 41. Minute. Da bekam nämlich Arsenal einen Penalty zugesprochen und obwohl mein Herz klar für West Ham schlägt muss ich sagen, dass dieser Entscheid eher grenzwertig war. Vor allem wenn man sich auf die alt bewährte englische Härte besinnt. Aber nun ja, da nützte alles diskutieren nichts mehr, der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt und der kleingewachsene Santi Cazorla verlud Keeper Adrian zum 0:1 für Arsenal. In der Folge haderten die Hammers mit dem Schicksal und prompt lief man in einen Konter und Danny Welbeck konnte noch vor der Pause (44.) aus kürzester Distanz zum 0:2 einnetzen. Der deutliche Vorsprung zur Pause hin eher unverdient, zumal West Ham in den Anfangsphase sogar noch zu einem Treffer durch Alex Song kam, der jedoch aufgrund eines (mir nicht ersichtlichen) Foulspiels annuliert wurde. Nun ja, was solls. Mund abwischen, weitermachen!

Und so kamen dann die Hammers auch aus der Kabine zurück. Man sah eine offensive United, die ihre Angriffsbemühungen in der 54. Minute mit dem hochverdienten 1:2 Anschlusstreffer krönten. Cheikhou Kouyaté hatte nach einer Flanke per Kopf getroffen. Die Irons drückten jetzt vehement auf den Ausgleich während bei Arsenal die Angriffsbemühungen lediglich über den pfeilschnellen Alexis Sanchez abliefen schaltete sich die gesamte Heimmannschaft in die Angriffe der Hammers ein. Und das macht sie im Moment eben genau so stark. Auf der Gästeseite habe ich selten so einen Auftritt von einem Einzelspieler gesehen. Unbestritten war Sanchez an diesem Nachmittag der beste Mann auf dem Platz, der einfach mit jeder Aktionen Gefahr in den gegnerischen Strafraum brachte. Dass er mit seiner Topleistung an diesem Tag kein Tor schoss, ist lediglich Keeper Adrian zu verdanken, der mehrere Male sensationell klärte. Ganz zum Schluss brachte West Ham noch Joker Valencia und tatsächlich kamen die Hausherren in der Nachspielzeit nochmals zu einer Grosschance, der Kopfball landetet jedoch nicht im Tor sondern lediglich auf dem Gehäuse. Schade, ein Punkt hätten sich die Hammers heute sicherlich verdient gehabt! Trotzdem haben sie gezeigt, dass im Kampf um die internationalen Plätze auch mit ihnen zu rechnen ist.

Nach dem Schlusspfiff ging es wieder zurück ins Hotel, wo man sich kurz aufwärmte und dann den Abend in einem Pub in der Innenstadt angemessen ausklingen liess. So, jetzt habe ich es also noch rechtzeitig geschafft die Hammers bei einem Spiel im Upton Park live zu sehen, ehe sie auf die nächste Saison hin leider ins Olympiastadion umziehen werden. Englischer Fussball mit Laufbahn? Nein, das geht doch nicht!

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28. Dezember 2014