Groundhopping

West Ham United – Manchester City (06.01.17)

Groundhopping ist, wenn aus einem spielfreien Wochenende plötzlich eine dreitägige Tour auf der Insel wird. Das Angebot war aber auch wirklich zu verlockend. In der dritten Runde des FA Cups sollten nämlich über das Wochenende verteilt einige interessante Partien ausgetragen werden. Ausschlaggebend war schliesslich das Heimspiel der Irons am Freitagabend, welches den perfekten Auftakt darstellte. Quasi gleich nochmals Manchester City, weil es mir dort vor einigen Tagen ja so gut gefallen hatte. 😉

Einen anfänglichen Interessenten und schlussendlichen Begleiter fand ich mit dem Kollegen Jens einmal mehr in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Am Freitag kreuzten wir zwei also frühmorgens am Zürcher Flughafen auf, wo wiederum eine mehrstündige Verspätung auf uns wartete. Statt um halb acht ging es schliesslich um halb elf in Richtung Britannien. Dem Nebel am Ufer des City Airports sei Dank. Für uns war diese Geschichte aber nur bedingt tragisch, zumal die Begegnung der beiden Erstligisten erst am späten Abend stattfand. Da traf es eine Frau in der Reihe vor uns deutlich heftiger, die bei einem morgendlichen Termin auf der Botschaft in London anscheinend ihre Aufenthaltsbewilligung hätte verlängern müssen. Armes Frauchen, aber solch wichtige Entscheidungen zögert man auch einfach nicht derart hinaus.

Nachdem der Blechvogel doch noch in der englischen Königsstadt aufsetzte, fuhren wir gewohnten Weges in Richtung Innenstadt. Mittlerweile sorgte auch das Wetter für eine bessere Gemütslage. Nichtsdestotrotz verbrachten wir den Nachmittag in einem Pub nahe dem Bahnhof King’s Cross, wo sich auch einige Fans von Manchester City niederliessen. Jens und ich als West-Ham-Sympathisanten blieben aber unerkannt und so erreichten wir am Abend heil das Stadion. Dieses ist erst seit der laufenden Saison die Spielstätte der Hammers, welche nach 112 Jahren im altehrwürdigen Boleyn Ground ins «London Stadium» wechselte. Die Neubaute (im Zuge der Olympiade) versprüht alles, was den englischen Fussball und seine Spielstätten eben nicht ausmacht. Eine Laufbahn rundet das schlechte Stadionerlebnis ab. West Ham hat mit dem Wechsel der Heimat und dem neuen Logo schlichtweg seine Seele verkauft. Auch fehlen die engen Gassen rund um das Stadion, die Stände mit verschiedenen Fanartikeln und dem typischen Street Food. Nein, das ist nicht (mehr) der Club, dem ich seit Jahren meine Sympathie auf der Insel entgegenbringe.

Passend zum ganzen Drumherum anschliessend der Auftritt der Irons auf dem Feld, die sang und klanglos mit 0:5 Toren untergingen. Sinnbildlich dafür eine Schwalbe, die zum ersten Tor des Abends führte sowie darauffolgend ein Eigentor von Nordtveit. Trotz zuletzt schlechten Leistungen war das Stadion mit 56’975 Zuschauer gewohnt gut gefüllt. Wie im Pokal üblich wurde die grössere Gästeallokation von Manchester City zwar eindrücklich ausgenutzt, stimmungstechnisch war von ihnen aber trotzdem so gut wie nichts zu vernehmen. Einziger Lichtblick stellte die kleine Gruppe an West-Ham-Fans dar, die direkt neben dem Gästesektor nicht nur um Support bemüht war, sondern auch immer pöbelte und in der Schlussphase die eigene Mannschaft sowie City gut verhöhnte. Den Schlusspunkt setzte ein Duo von «Pitch Invaders» verkleidet im Spiderman-Kostüm, die im Londoner Nieselregen für Belustigung sorgten. In der Metro stupste mich auf einmal Artgenosse Stephano an, von dessen Anwesenheit ich zwar wusste, anfangs über des doch grossen Zufalls aber etwas perplex schien. Für einen gemeinsamen Pubbesuch blieb allerdings keine Zeit. Für ihn ging es nämlich zurück zum Flughafen, während wir unser Nachtquartier anpeilten, da uns der Zug am nächsten Morgen weiter nach Liverpool bringen sollte.

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6. Februar 2017